Kultur

Stephen Kings "Es": Wo Solidarität fehlt, wird's tödlich

Stephen Kings stilprägende Clownshorrorgeschichte kommt neu verfilmt ins Kino.

Wenn überall das Böse lauert, gibt es nur einen Ausweg - bildet Banden! Stephen King hat es vorgemacht, in seinem 1986 erschienen Horrorklassiker "Es", dessen Neuverfilmung nun ins Kino kommt: In einer Kleinstadt irgendwo in den USA verschwinden da alle 27 Jahre Kinder, in unerklärlich hohen Zahlen. Die Erwachsenen weigern sich, über das Problem zu reden, doch eine Handvoll Kinder tut sich zusammen, ursprünglich, um sich gegen ein paar brutale ältere Buben zu verteidigen. Aber das noch viel Bösere ist ihnen auf der Spur. "Es", das namenlose Böse, ist radikal: Nicht die blonden, attraktiven High-School-Stars werden da getötet, wie das sonst so oft der Fall ist, sondern die Ausgeschlossenen, die am Rand der Gesellschaft, jene Kinder, die vielleicht gar nicht geliebt werden.

1990 gab es eine erste Verfilmung als Fernsehfilm. Nun gibt es eine Neuerzählung im Kino, sanft modernisiert und effizient furchteinflößend, unter der Regie des Horrorregisseurs Andrés Muschietti. Die Neuverfilmung bezieht sich auf die erste Hälfte des Buches, holt die Handlung aber um etwa 30 Jahre näher an die Gegenwart, Ende der 80er Jahre. Wieder sind es ein paar Kinder, die den "Klub der Verlierer" gründen: Der eine stottert, der zweite ist Jude, der dritte hat Brillengläser wie Aschenbecher, der vierte ist Hypochonder, der fünfte schwarz, der sechste dick und die siebte ein Mädchen.

Die Erwachsenen werden streckenweise selbst als manipulative, unzuverlässige Horrorfiguren inszeniert, am schlimmsten der Vater des Mädchens Beverly. Einige der Änderungen gegenüber der Vorlage sind schlüssig, andere massiv ärgerlich. Etwa, dass Beverly das einzige Mädchen bleiben muss, ist völlig unzeitgemäß. Dazu wird sie wie selbstverständlich sexualisiert, einerseits von zwei verliebten "Verlierer"-Mitgliedern, andererseits von ihrem Vater, der sie offensichtlich vergewaltigt hat, und damit schreibt ihre Figur das ewige Opfermotiv sexuell missbrauchter Mädchenfiguren fort. Das ist schwer zu rechtfertigen, zumal selbst in Kings dreißig Jahre alter Buchvorlage Sexualität eher als Befreiungsschlag denn als Bedrohung erzählt wird. Trotz dieser Schwächen ist "Es" ein solider Horrorfilm, der als Parabel darüber funktioniert, was passiert, wenn Menschen nicht mehr solidarisch sind, und wenn tatsächlich jene zu Opfern werden, die sich allein nicht helfen können: Die Armen, die Missbrauchten, die Stotterer, die Manipulierten.

Film: Es. Horror, USA 2017. Regie: Andrés Muschietti. Mit Bill Skarsgård, Javier Botet, Jaeden Lieberher, Leroy Hanlon u.a.. Start: 28.September

Quelle: SN

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