Kultur

Stermann & Grissemann in "Endphase": "In vier Jahren verschwinden"

Sie sind ohne einander nicht denkbar - wie Laurel & Hardy, Matthau & Lemmon oder Don Camillo & Peppone: Dirk Stermann und Christoph Grissemann. Mit ihrem neuen Programm "Gags, Gags, Gags" starten die TV-Stars zum Frontalangriff auf die Lachmuskeln.

Stermann & Grissemann. SN/apa
Stermann & Grissemann.

In vier Jahren wolle er dann künstlerisch "komplett verschwinden", kündigte Grissemann im gemeinsamen Gespräch mit der APA verschmitzt an.

"In der Endphase", antwortete der 50-jährige gebürtige Tiroler auf die Frage, in welchem Abschnitt sich die künstlerische "Lebensgemeinschaft" gerade befinde. Er erwäge "spektakulär abzutreten - vielleicht durch Suizid hier im 'Schwarzen Adler' in der Badewanne liegend'", kündigte Grissemann lachend im Gespräch im gleichnamigen Innsbrucker Hotel an. Das Komikerduo war diese Woche in der Tiroler Landeshauptstadt, um im "Treibhaus" drei "Vorpremieren" für das neue Bühnenprogramm abzuspulen. Mit 55 Jahren wolle er dann nur mehr "ein, zwei Lesungen pro Jahr, vielleicht in der Josefstadt" machen, hat Grissemann bereits den geruhsamen Vorruhestand im Blick. Seine bessere Hälfte hegt indes noch Hoffnung - schließlich habe Grissemann ursprünglich bereits angekündigt, mit 50 Jahren künstlerisch das Zeitliche zu segnen, wirft Stermann ein.

Über das neue Programm, das sie zunächst nach Deutschland führt und am 23. März seine Österreich-Premiere feiert, wollte sich das Duo noch nicht ausufernd auslassen. Es handle sich um ein "Auswärtsspiel" ihrer wöchentlichen ORF-Sendung "Willkommen Österreich". "Das Stermann & Grissemann-Universum aus feiner Beschimpfung, Sinnsabotage und Selbstdemontage, Nonsense, bizarrer Parodie, Persiflage und Polemik erlaubt sich eine neue, nicht geahnte Ausdehnung", hieß es in einer Vorankündigung auf das Programm. Was bedeutet das? "Das bedeutet nichts, das ist nur ein Wortgeklingel für den Pressetext", feixt Grissemann. Es werde jedenfalls ein "bunter Abend", setzt Stermann zu einer Erklärung an - mit dem Unterschied zur TV-Sendung, dass die Stargäste nicht da sind und die "Sendung" letztendlich nicht stattfindet. Als Gäste sind übrigens Josef Hader und Michael Niavarani "auserkoren".

Es geht um Breitenwirksamkeit

Mit einer gehörigen Portion Ironie machen beide klar, dass es ihnen mittlerweile vor allem um Breitenwirksamkeit gehe. So sei der Titel "Gags, Gags, Gags" "bewusst plump gewählt" worden, um ein großes Publikum zu erreichen, so Grissemann. Diese "Mainstream-Phase" werde bis zum Ende durchgezogen und habe im Übrigen bereits vor zehn Jahren eingesetzt, lässt Stermann wiederum keine Zweifel aufkommen. Dies bringe ihnen natürlich auch "viele Hassposter" ein, die sie verbal "die Toilette runterspülen" wollen - "danke Wasserkraft", so Grissemann in Anspielung auf den TV-Werbeeinsatz des Duos.

Das Promo-Pressefoto für das Programm, auf dem die beiden verbeult und verprügelt posieren, symbolisiere die "Narben", die ihnen das Fernsehen zugefügt habe. So gebe es "mindestens 3000 Leute", die einen nach einer Sendung töten wollen, veranschaulicht Grissemann das Ausmaß der Gefahr.

"Willkommen Österreich", das heuer sein zehnjähriges Jubiläum begeht, wollen sie aber trotzdem weitere Jahre treu bleiben. Für größere Schandtaten im Sinne einer täglichen Late-Night-Show wären sie zwar stets bereits gewesen - "das wäre gescheiter", so Grissemann. Aber dafür fehle es einfach an den notwendigen personellen Ressourcen sowie schlichtweg am Geld. "Es gibt dafür keine Budgets", stellt Stermann fest. Das Erfolgsgeheimnis der Sendung brachte indes Grissemann prägnant auf den Punkt: "Keine Innovationen, keine kreativen Ideen. Generelle Ideenlosigkeit und wenig Engagement". Diese Zutaten würden mit stets demselben Konzept gepaart - an letzterem dürfe sich auch in Zukunft nichts ändern. Wunschgäste gebe es keine, die "vermeintlich langweiligsten Gäste sind die Besten". Als Beispiel führt Grissemann Ex-Skiass und Co-Kommentator Hans Knauß an: "Der war lustig, schlau und gut aussehend".

"Es gibt so viele Verhaltensauffällige"

Generell mangle es in Österreich promi-mäßig nicht an Typen - "es gibt so viele Verhaltensauffällige", zeigt sich Stermann angetan. Weniger Begeisterung erzeugt hingegen US-Präsident Donald Trump bei ihm. "Trump ist für Satiriker schlecht. Er ist selbst der beste Komiker. Den kann man nicht mehr parodieren", analysiert Grissemann. Sie seien aber ohnehin keine politische Kabarettisten. Ob Gags über Salzstreuer oder Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) - das mache keinen Unterschied.

Die Zukunft bringe jedenfalls keine gemeinsamen Filmpläne mehr - Grissemann: "Die zwei, die wir gemacht haben, waren zwei zu viel". Was einmal von ihnen bleibe? "Es bleibt gar nichts. Und das Gesamtwerk ist übersichtlich".

Quelle: APA

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