Kultur

Stummer Vogel, lernender Topf: Kunsthalle zeigt "Mehr als nur Worte"

Der vielerorts herrschenden Antipathie eine empathische Ausstellung entgegenstellen: Das versucht die Kunsthalle Wien laut Direktor Nicolaus Schafhausen mit der neuen Ausstellung "Mehr als nur Worte [Über das Poetische]". Die Schau setzt Sprache und bildende Kunst in Beziehung und geht dabei in gewohnt abstrakter Manier vor - inklusive eines stummen Papageis sowie einer wissbegierigen Topfpflanze.

Die Ausstellung beginnt am 8. März in der Kunsthalle Wien.  SN/APA (Stephan Wyckoff)/Stephan Wy
Die Ausstellung beginnt am 8. März in der Kunsthalle Wien.

Bei der Recherche für die ab morgen, Mittwoch bis 7. Mai, zu sehenden Ausstellung sei man schnell auf den Linguisten Roman Jakobson gestoßen, erläuterte Kuratorin Vanessa Joan Müller bei einer Führung. "Er hat sich mit dem Verhältnis von Sender und Empfänger auseinandergesetzt." Der russische Wissenschafter unterschied dabei sechs Sprachfunktionen, wobei ihn besonders die poetische Funktion interessiert habe, "wenn Sprache also ästhetisch wird". Hier gehe es um mehr als die Mitteilung von Information, sondern gleichermaßen um Dinge wie Klangfarbe oder Rhythmus.

Die so mögliche Auflösung von Inhalt und Form wird im Erdgeschoß der Kunsthalle höchst unterschiedlich praktiziert: Vier Arbeiten von Gerhard Rühm zeigen etwa Buchstaben auf dünnem Karton, mal scheinbar willkürlich platziert und ohne jegliche Bedeutung, dann als einzelnes Wort an den Rand gesetzt. Der Unterhaltung von zwei Morselampen kann man in einem Nebenraum beiwohnen: Die zwei Lichtquellen hat Elisabetta Benassi einander gegenüber gestellt und lässt sie einen Text von Mario Merz "blinken", wobei eine darin vorkommende Zählweise mittels Fibonacci-Reihe fortgesetzt wird.

Die Lernfähigkeit einer Topfpflanze untersucht wiederum der US-Künstler John Baldessari: Sein Video "Teaching a Plant the Alphabet" zeigt genau das, was der Titel verspricht, und zwar immerhin fast 20 Minuten lang. Die Zuschreibung von Sprachkenntnissen führen auch Joao Maria Gusmao und Pedro Paiva recht eigenwillig vor Augen: Die Videoarbeit "Glossolalia" besteht aus einem Papagei, der in Zeitlupe und Großaufnahme seine Flügel spreizt und den Schnabel öffnet. Zu hören ist allerdings nichts. Bleibt die Frage, ob man bei diesem Stummfilm nur ein Vogellaut verpasst oder vielleicht doch eine dem Menschen verständliche Artikulation des Tieres.

Für Müller und Kokurator Luca Lo Pinto geht es bei "Mehr als nur Worte" weniger um die einzelnen Kunstwerke, als deren Dialog untereinander. "Auch hier findet ein Austausch, ein Übergang statt", bekräftigte Lo Pinto. "Wir zeigen einen Umgang mit Sprache, allerdings auf sehr unkonventionelle Weise. Das sind Arbeiten, die eher die assoziative Wahrnehmung ansprechen." Eintauchen in dieses Wechselspiel aus Sprache und Kunst kann man bis 7. Mai.

(APA)

Aufgerufen am 21.06.2018 um 10:28 auf https://www.sn.at/kultur/stummer-vogel-lernender-topf-kunsthalle-zeigt-mehr-als-nur-worte-319504

Meistgelesen

    Schlagzeilen

      SN.at Startseite