Theater

Eisscholle im Klimawandel: "Was ihr wollt" in Klagenfurt

Als trashig-heiteres Verwirrspiel der Geschlechter ist coronabedingt im vierten Anlauf mit einem Jahr Verspätung Dienstag-Abend die Premiere von William Shakespeares "Was ihr wollt oder zwölfte Nacht" über die Bühne des blau-gelb angestrahlten Stadttheaters in Klagenfurt gegangen. Die Inszenierung von Georg Schmiedleitner punktet mit Wortwitz, einem starken Ensemble, schrillen und poetischen Momenten.

"Was ihr wollt" am Stadttheater Klagenfurt SN/APA/Karlheinz Fessl / Stadttheat
"Was ihr wollt" am Stadttheater Klagenfurt

Auf einer Eisscholle strandet die schiffbrüchige Viola, die sich sicherheitshalber als Mann verkleidet. So wird sie zu Cesario und verliebt sich heftig in ihren neuen Dienstgeber, den Herzog Orsino. Der allerdings schmachtet nach der um ihren Bruder trauernden Gräfin Olivia, die wiederum für Orsinos Boten Cesario/Viola entbrennt. Neben dieser Dreiecksgeschichte tummeln sich die Kammerfrau Maria und Olivias ständig betrunkener Onkel Sir Toby, der Narr Feste und der unglückliche und tollpatschige Ritter Bleichenwang. Erst mit dem buchstäblichen Auftauchen von Violas Zwillingsbruder Sebastian entwirren sich die amourösen Verwicklungen.

Vor rund 400 Jahren geschrieben, erweist sich Shakespeares Stück in Zeiten von Gender-Diskussionen, Queerness-Debatten und Identitätsfragen als ungemein aktuell. Die Moral aus der Geschichte, damals wie jetzt: Die Liebe ist wichtiger als das Geschlecht.

Wie Regisseur Georg Schmiedleitner den Komödien-Klassiker in Szene setzt, ist einfallsreich, grotesk überzeichnet, aber nie klamaukhaft, eine herumgereichte Geburtstagstorte landet wider Erwarten nicht (!) in einem Gesicht. Mit viel Wortwitz und manchmal derbensexuellen Gesten purzeln die Akteure über die, eine Eisscholle darstellende, Drehbühne (Bühne: Stefan Brandtmayr). Der Humor liegt dabei nicht auf Eis, die feine Gratwanderung zwischen dümmlichem Slapstick und differenzierter Ironie gelingt dem Ensemble, das sich lustvoll in das Geschehen stürzt, souverän.

Vor allem Josephine Bloeb als Viola sorgt dabei für leise und innige Szenen. Von ihrer Interpretation des Songs "I can't make you love me" der US-Countrysängerin Bonnie Raitt wechselt sie mühelos mit einer Umdrehung wieder in die turbulente Verwechslungsgeschichte. Musikalisch ist auch die Rolle des kommentierenden Narren Feste angelegt: Günter Franzmeier rockt mit der E-Gitarre, zeitweise im Eisbärenkostüm und stets stark präsent. Der tölpelhafte Ritter Bleichenwang (Thorsten Danner) ist in Klagenfurt ein herumstolpernder Skifahrer in voller Ausrüstung, quasi ein Anti-Held in Zeiten des Klimawandels (Kostüme: Cornelia Kraske). Elegant und ratlos wehrt Raphaela Möst als Olivia ihre Verehrer ab, Dominik Warta ist der sehnsüchtig begehrende Herzog Orsino, Alexander Jagsch der eitle Haushofmeister Malvolio, der in seinen lächerlichen gelben Strümpfen schließlich gedemütigt zurück bleibt.

Fazit: Ein vergnüglicher Theaterabend mit einem klugen Stück, das den abgesagten Villach Fasching am Faschingdienstag in rund zwei pausenlosen Aufführungsstunden nicht missen ließ.

(S E R V I C E - "Was ihr wollt oder Zwölfte Nacht" von William Shakespeare, Fassung für das Stadttheater Klagenfurt von Hans Mrak, Georg Schmiedleitner und dem Ensemble nach der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel. Stadttheater Klagenfurt. Regie: Georg Schmiedleitner, Bühne: Stefan Brandtmayr. Kostüme: Cornelia Kraske. Musik: Günter Franzmeier. Mit: Dominik Warta (Orsino), Raphaela Möst (Olivia), Heike Kretschmer (Maria, ihre Kammerfrau), Alexander Jagsch (Malvolio, Haushofmeister), Christoph F. Krutzler (Sir Toby, Olivias Onkel), Thorsten Danner (Sir Andrew Bleichenwang), Günter Franzmeier (Feste, Narr in Olivias Diensten), Josephine Bloeb (Viola/Cesario), Sören Kneidl (Sebastian, Violas Zwillingsbruder), Markus Achatz (Antonio, ein Schiffskapitän). Weitere Aufführungen: 5., 9., 18., 23., 25., 26., 31. März, 1., 5. April, jeweils 19.30 Uhr, Karten: 0463/54 064, www.stadttheater-klagenfurt.at)

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