Theater

Friseurverbot und Israelreise: Oberammergau bereitet sich auf die Passion vor

20 bringt Oberammergau die berühmte Passion auf die Bühne - wie alle zehn Jahre, seit 1633. Der Ort bereitet sich jetzt mit Hochdruck auf das biblische Spiel vor.

Alle zehn Jahre wird in Oberammergau die berühmte Passion gespielt: Hier ein Bild aus dem bislang letzten Aufführungsjahr 2010. SN/AP
Alle zehn Jahre wird in Oberammergau die berühmte Passion gespielt: Hier ein Bild aus dem bislang letzten Aufführungsjahr 2010.

Oberammergau startet 2019 in die heiße Phase der Vorbereitungen für seine weltberühmte Passion. Von Mai bis Oktober 2020 wird wieder der halbe Ort mit rund 5200 Einwohnern auf der Bühne stehen, um das Schauspiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehen aufzuführen. Die Vorbereitungen werden den Oberammergauern schon im Jahr vor der Premiere einiges abverlangen: Von Aschermittwoch 2019 an gilt der "Haar- und Barterlass".

Nach alter Tradition müssen sich die Darsteller Haare und Bart wachsen lassen - Friseurtermine sind gestrichen. Herren, die im Job repräsentieren müssen, haben damit manchmal ihre liebe Not. Wer den Barterlass umgehen will, konnte sich als römischer Soldat bewerben - für die Römer gelten Ausnahmen. Sonst dürfen nur Musiker und Helfer hinter der Bühne glattrasiert und mit kurzem Haar dabei sein.

Das Laienspiel geht auf ein Gelübde zurück. 1633 versprachen die Oberammergauer, alle zehn Jahre die Geschichte der letzten Tage im Leben Christi aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterbe - was nach der Überlieferung tatsächlich eintraf.

Schon jetzt entstehen Modelle für die Bühnenbilder sowie erste Kostümentwürfe. Wie sie aussehen, ist noch das Geheimnis von Bühnen- und Kostümbildner Stefan Hageneier und Spielleiter Christian Stückl. Stückl sitzt längst auch über dem Text. Da die Passion alle zehn Jahre stattfinde, müsse er diesen immer neu schreiben. "Es muss ja mit unserer Zeit auch etwas zu tun haben", sagte er im Herbst. Wie genau das aussieht, ist offen. "Vielleicht wird die bisher kleine Gruppe der Armen größer", sagte er. Der 57-Jährige, der die Passion zum vierten Mal inszeniert, hat sich Freiraum geschaffen - die Kirche rede nicht drein. Allerdings gibt es einen Theologen, der ihn berät.

Mit dem Gelübde begann die Tradition

Bereits im kommenden Sommer will Stückl das Stück "Die Pest" auf die Bühne bringen. Auch das hat Tradition, aber erst seit 1933. Das Mittelalterspektakel erzählt die Vorgeschichte der Passion. Der Legende nach brachte der Tagelöhner Kaspar Schisler in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges die Pest in den oberbayerischen Ort. Die Seuche raffte rasch mindestens 84 Menschen dahin - bis die Oberammergauer ihr Gelübde abgaben.

Auch vor dem Ausbruch der Pest sei es keineswegs beschaulich zugegangen, vielmehr sei es eine "finstere Zeit" gewesen - mit Hexenverbrennungen und Vertreibungen, sagte Stückl. "Es ist gar nicht so leicht zu beschreiben, aus welchem Geist heraus so ein Gelübde gemacht wurde." Zudem hätten Passionsspiele damals Konjunktur gehabt - womöglich auch als "gegenreformatorischer Akt".

Wie der Jesus-Darsteller Weihnachten verbrachte

"Die Pest" dient Stückl und seiner Truppe auch als Vorbereitung auf die Passion selbst. Die 42 Darsteller für die 21 doppelt besetzten Hauptrollen bekommen Unterricht; auch die 120 Chormitglieder werden stimmlich geschult. Diesen Herbst waren die Hauptdarsteller feierlich bekannt gegeben worden - Stückl setzt auf eine Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Zum zweiten Mal wird Frederik Mayet (38) den Christus geben, zusammen mit dem 22 Jahre alten Rochus Rückel. "Wir werden uns intensiv gemeinsam mit der Rolle und Figur des Jesus auseinandersetzen", sagt Mayet. Er habe die Weihnachtstage genutzt, um sich schon einmal mit der Rolle zu befassen.

Exkursion an historische Schauplätze in Israel

In der ersten Septemberwoche werden Stückl und die Hauptdarsteller nach Israel reisen, um an historischen Orten der Geschichte näher zu kommen. Ende November beginnen dann die Proben. Bis zur Premiere im Mai 2020 haben die Hauptdarsteller ein streng getaktetes Programm: Fast jeden Abend und fast jedes Wochenende wird geprobt. Kurz vor der Premiere können Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Probevorstellungen dabei sein.

Die Erzdiözese München und Freising flankiert die Vorbereitungen mit einem eigenen Programm. Erstmals wurde eine Seelsorgerin zur pastoralen Begleitung der Spiele bestellt. Unter anderem gibt es eine Predigtreihe sowie "Wirtshausgespräche" zur Passion.

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