Theater

Grazer Schauspielhaus machte sich einen gelungenen "Jux"

Mit viel Gespür für Tempo, Witz und Hintergründigkeit hat Regisseur Dominique Schnizer im Grazer Schauspielhaus Johann Nestroys "Einen Jux will er sich machen" in Szene gesetzt. Die Ausstattung zeigt viel vom biedermeierlichen Original, Pointen landen punktgenau und das Timing ist gut ausbalanciert, was bei der Premiere am Freitag für Kurzweil und Amüsement sorgte.

Einmal möchte er noch ein "verfluchter Kerl" sein, der biedere Gemischtwaren-Verkäufer und baldiger Teilhaber Weinberl. Damit er sich später an wilde Zeiten erinnern kann, macht er sich zusammen mit dem Lehrbuben Christopherl einen "Jux". Worin der bestehen soll, ist den Männer nicht ganz klar, aber Nestroy lässt die beiden Reisenden in Sachen Abenteuer bald von einer absurden Situation in die nächste taumeln. Wie es sich für gut funktionierende Komödien gehört, fehlt es nicht an Verwechslungen, Missverständnissen und Liebesgeschichten. Die 1842 uraufgeführte Posse bietet zwar viel Stoff für Heiterkeit, lässt es aber auch an Schärfe - das Leben, das die einzelnen Figuren erwarten, ist selten selbst gewählt und meist eher eintönig - und Hintergründigkeit nicht fehlen.

Dominique Schnizer hat schon in der vorigen Saison beim "Talisman" ein glückliches Nestroy-Händchen bewiesen, indem er behutsam mit dem Original umging, dabei aber eine frische Aufführung mit viel Tempo auf die Bühne brachte. Und ein flottes Tempo verhinderte auch diesmal, dass Längen entstanden. Die Darsteller durften Nestroys Sprachwitz zwar zelebrieren, aber es wurde nicht auf jedem einzelnen Gag so lange herumgeritten, bis das Interesse des Publikum erlahmte. Esprit und Leichtigkeit dominierten die originell ausgestattete Aufführung (Bühne und Kostüme: Christin Treunert), die ihre Biedermeier-Wurzeln nicht verleugnete, sich aber mit straffer Spielweise und viel Witz auch in der Gegenwart behaupten konnte. Nicht zuletzt wegen der Couplettexte von Stefanie Sargnagel, die zwar wesentlich direkter als der übrige Text waren, sich aber in Stil und Rhythmus hervorragend einfügten und in guter Nestroy-Manier die Regierung und ihre Verantwortlichen geißelten.

Das ausgezeichnete Ensemble wurde angeführt von Franz Solar, der der Figur des Weinberl einen tragischen Unterton und jede Menge verzweifelten Humor verlieh. Clemens Maria Riegler (Christopherl) war von bestechender Einfalt und guter Laune, während Anna Szandtner (Madame Knorr) als stets angeheiterte, leicht überdrehte Absinth-Freundin eine (Komödien-)Klasse für sich war. Jede Menge Lacher erntete Franz Xaver Zach, der Fräulein Blumenblatt als Queen Victoria anlegte und souverän-schwärmerisch einer alten Liebe gedachte und zierlich mit dem Taschentuch wedelte.

Rudi Widerhofer schaffte es, der Figur des Hausknechts Melchior die Penetranz, die dessen ständige Verwendung des Wortes "klassisch" in sich birgt, durch leichtes und natürliches Spiel zu nehmen. Einen autoritär polternden Gewürzkrämer gab Werner Strenger, eine bodenständige Witwe mit Eleganz war Evamaria Salcher. Als beinahe verhindertes Liebespaar gefielen Maximiliane Haß (Marie) und Mathias Lodd (August). Die originelle Musik nach Motiven von Adolf Müller sen. gestaltete Bernhard Neumaier. Insgesamt eine Aufführung, die nahtlos an den Nestroy-Vorjahreserfolg anschließen dürfte.

Quelle: APA

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