Theater

"Handke Unser" in Villach

Zu einer Glitzer-Disco ist die neuebuehnevillach Donnerstagabend für "Handke Unser", der ersten Premiere seit dem Lockdown, geworden. Die Collage aus Zitaten, Musik und Texten von Bernd Liepold-Mosser vermeidet Beweihräucherung, zieht aber den Holzhammer der feinen Klinge vor. Markus Achatz und Lara Sienczak führen ohne "Angst des Schwammerls vorm Elfmeter" lustvoll durch den Handke-Kosmos.

Eine junge Germanistin und ein einheimischer Touristenguide treffen dabei in einer Dorfdisco im Südkärntner Griffen aufeinander und überlegen, wie man den Fremdenverkehr im "Kaff am Rande des zweisprachigen Gebiets in Unterkärnten" durch dessen großen Sohn Peter Handke beleben könnte. Vom Pilzwandertag bis zum Handke-look-alike-Wettbewerb fällt ihnen einiges ein, während sie mit Pilzkopfperücke und Sonnenbrille unter der Discokugel tanzen. Das ist der originelle Rahmen für "Handke Unser", eine persönliche Annäherung von Autor und Regisseur Bernd Liepold-Mosser an den Literaturnobelpreisträger, die sich vor allem mit der öffentlichen Figur Peter Handke beschäftigt. Was und wie Handke erzählt, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Mit Ironie und Humor will Liepold-Mosser nach eigenen Worten den Zugang zum Lesen der Originalliteratur erleichtern. Mehr Pop als Poesie ist zwar unterhaltsam, lässt aber nach pausenlosen 80 Minuten die Frage nach dem Sinn im Raum stehen.

Vom "Jahr in der Schwammerlbucht" bis zu den "Schönen Tagen von Granny Smith" kalauert sich der Text kurzweilig durch die Werkliste des "Wirklichkeitsfanatikers" Peter Handke. Den "Klugscheißern, die alles über Handke wissen" widmet die Retro-Revue ein Handke-Quiz. Die fünf besten ersten Sätze, die fünf witzigsten Stellen, die fünf berühmtesten Handke-Auszucker ("Ich komme von Homer, ich komme von Cervantes, lasst mich in Frieden!") und Ähnliches sind eine witzige Referenz an die zeitgenössische Medien- und Spaßgesellschaft. Das Gendern in der gesprochenen Sprache ("Wissenschaftler-Innen") wirkt aber unnötig bemüht.

Der Nestroy-Preisträger und ehemalige Leiter des Handke-Archivs in Griffen Bernd Liepold-Mosser drehte bereits 2012 den Film "Griffen - Auf den Spuren von Peter Handke". Der Beschäftigung mit seinem Lebensthema Peter Handke fügt er mit dieser vordergründig respektlosen Revue eine unterhaltsame Facette bei, die am Premierenabend von coronabedingt nur 40 Besuchern - unter ihnen Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und Neo-Stadttheaterintendant Aron Stiehl - beklatscht wurde.

Quelle: APA

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