Theater

"Luzifer" eröffnete in Melk das Theaterfest NÖ

Einen höllischen Saisonstart haben die Sommerspiele Melk dem diesjährigen Theaterfest Niederösterreich beschert: Am Donnerstagabend ist in der Wachauarena vor der imposanten barocken Stiftskulisse Bernhard Aichners Auftragsstück "Luzifer" zur Uraufführung gelangt - ein Mix aus modernem Mysterienspiel, philosophisch unterfüttertem Entertainment und variierter Familienaufstellung. 

Gott und Luzifer begegnen einander, um noch einmal die alten Konflikte auszugraben und auszutragen. Da geht es um Verantwortung und Schuld, Macht und Moral, Manipulation und Mündigkeit. Doch ganz so bierernst geht es dann auch wieder nicht zu in diesem geistlichen, bisweilen aber auch sehr weltlichen Disput zwischen gefallenem Engel und Weltenbeherrscher. 

Während Luzifer (Kajetan Dick) mit seinem "Theater des Bösen" im Outfit eines clownesken Mafioso eher herzige Behäbigkeit als ätzenden Schwefeldampf verströmt, erscheint Gott (Helmut Bohatsch) als eitler Geck, der gern Eierlikör nippt und mit den Damen flirtet. Die beiden bleiben einander wenig schuldig. "Du bist so verbissen, so korrekt und so nachtragend", wirft Gott seinem Widersacher an den Kopf. Der kann sich darob nur wundern und fragt zwischendurch: "Warum eigentlich Melk?" Die Antwort gibt er sich selbst: "Sie schätzen mich hier!" Regisseur Alexander Hauer findet an Aichners ironischen Anspielungen, theologischen Fragestellungen und paradoxen Konstellationen sichtlich Freude. Nach der Pause kommt pure Showsituation auf (Moderatorin: Sophie Prusa), bei der sich das Publikum zwischen den Kandidaten Gott und Luzifer entscheiden kann. 

Nicht alles wirkt stringent, die halbe Weltgeschichte von Dschingis Khan bis Stalin und Mao hat Aichner verpackt, und letztlich fragt man sich, ob und vor allem warum die klassische mephistophelische Selbstdefinition "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft" hier ins Gegenteil verkehrt erscheint: Beide Konkurrenten wollen scheinbar das Gute - und erreichen meist Böses. Man kann es aber auch mit Gott halten und schlichtweg resümieren: "Geiles Theater, geiles Bühnenbild!" Letzteres wirkt als raumgreifende Skulptur aus Schrott, eine geradezu pittoresk anmutende Collage aus Altstoffen, gestaltet von Daniel Sommergruber. Dramaturgisch effektvoll kommen die sporadischen musikalischen Einwürfe zur Geltung (Gerald Huber-Weiderbauer).  

Der Infernalik thematisch einschlägig verbunden ist auch die zweite Produktion der Sommerspiele Melk: Die Musikrevue "Hells Bells. Der Teufel hat den Schnaps gemacht" hat am 5. Juli Premiere. Auf junges Publikum wartet "Luzi Satansbraten. Der freche Koch in Teufels Küche". Außerdem enthält das Rahmenprogramm u.a. Auftritte von Mnozil Brass und Gernot Kulis. 

Quelle: APA

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