Theater

Männer-Freundschaft zerkracht

Das Theater in der Josefstadt spielt eine Neufassung von Henrik Ibsens "Rosmersholm".

Politik kann Gräben durch Freundschaften reißen. Dies ist etwa am Brexit zu beobachten. Auch an der Heftigkeit des Streits, ob CDU und AfD in Thüringen koalisieren sollen, ist vorstellbar, dass im Gespräch zweier befreundeter, verschwägerter Männer sich solche Abgründe auftun wie am Donnerstagabend im Josefstädter Theater.

Ein "alter Linker", wie Joseph Lorenz sich als Kroll bezeichnete, berichtete von seiner Not, dass seine Kinder so tief ins rechte Lager geglitten seien, dass "Hitler für sie nur ein Springteufel" sei. "Sie sind rechts und stolz darauf" und würden von seiner Frau noch verteidigt. Eigentlich hätte er bei seinem Schwager Johannes Zuspruch gesucht, doch muss er erkennen, dass der selbst über ein rechtslastiges Internetportal - "dahinter stecken Rechte, Russen, weiß ich nicht" - einen Aufsatz publiziert hat.

Den Johannes spielt Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger. Beim Aufeinandertreffen dieser beiden Wiener Kapazunder in einem Kammerspiel sagte man gern launig wie Herbert Qualtinger: Föttinger gegen Lorenz, des nenn i Brutalität. Tatsächlich locken im ersten Teil der zweistündigen Aufführung die beiden einander aus der Reserve: Joseph Lorenz ist der virtuosere - mit seinem unendlich reich bestückten Handwerkskasten an Gesten, Blicken, sanften oder abrupten Ton- und Tempiwechseln und Bewegungen um seinen Partner wie im Bühnenraum. All dies formt er brillant zu jedem Satz, jedem Inhalt, jeder Stimmung.

Herbert Föttinger ist der innigere: Was er sagt verschmilzt mit dem, was er spielt. Im wirklichen Leben als sich exponierender Theaterdirektor würde er vielleicht ähnlich - vermutlich nicht so primitiv - die Rechten kritisieren, wie das Stück es für den von Joseph Lorenz gespielten Kroll vorsieht. Doch die Rolle des Johannes erfordert das Gegenteil: Der sympathisiert mit den extremen Rechten. Und Föttinger spielt es glaubwürdig.

Der beiden Meisterschaft, zwischen denen Katharina Klar sich als Rebekka wacker hervortut, macht zunächst noch wett, weswegen die Aufführung zum Desaster wird, das auch Regisseur Elmar Goerdon nicht rettet. Ulf Stengl ließ sich von Henrik Ibsens nuancenreichem Drama "Rosmersholm" zu einer auf drei Personen reduzierten Fassung inspirieren. Viele Rechts-Links-Klisches sind verarbeitet, die Sprache ist so platt wie die Argumente. Für den zweiten Teil bleibt eine exzessiv ausgewalzte Beziehungskrise, die mit dem Wort "Scheiße" endet.

Theater: "Rosmersholm", nach dem Stück von Henrik Ibsen, Theater in der Josefstadt, Wien.

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