Theater

Starregisseur Serebrennikow erhält russischen Theaterpreis

Gut eine Woche nach seiner Freilassung aus dem Hausarrest ist der russische Regisseur Kirill Serebrennikow in Moskau mit einem renommierten Theaterpreis ausgezeichnet worden. Bei der Preisverleihung im berühmten Bolschoi-Theater, die vom Fernsehsender Doschd übertragen wurde, bedankte sich der 49-Jährige Dienstagabend für die "Unterstützung" der russischen Kulturszene.

"Ich hoffe, dass Sie mir diesen Preis verliehen haben, weil Ihnen das Stück wirklich gefallen hat", fügte Serebrennikow hinzu. Der Theatermacher erhielt die Auszeichnung Goldene Maske als bester Regisseur für das Theaterstück "Kleine Tragödien". Als beste Ballettaufführung wurde zudem "Nurejew", Serebrennikows Stück über den schwulen sowjetischen Balletttänzer Rudolf Nurejew, ausgezeichnet.

Der Regisseur hatte seit seiner Festnahme im August 2017 wegen Untreuevorwürfen im Hausarrest gesessen. Am Montag vergangener Woche hatte ein Moskauer Gericht zwar entschieden, den Kreml-Kritiker aus dem Hausarrest freizulassen. Stattdessen verhängte das Gericht aber ein Ausreiseverbot gegen den 49-Jährigen: Der Leiter des Moskauer Theaters Gogol-Zentrum darf die russische Hauptstadt vorerst nicht verlassen.

Das Untreue-Verfahren gegen Serebrennikow wird international als politisch motiviert kritisiert. Ihm und drei Mitangeklagten wird vorgeworfen, zwischen 2011 und 2014 umgerechnet 1,8 Millionen Euro staatlicher Förderung für ein Theaterprojekt veruntreut zu haben. Dem Regisseur drohen zehn Jahre Haft.

Der Film- und Theaterregisseur, der mehrmals am Bolschoi-Theater inszenierte, hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Er versichert, das Geld sei allein in Theaterprojekte geflossen. Das Vorgehen der Justiz gegen den bekannten Regisseur löste heftige Proteste russischer und internationaler Künstler aus.

Während seines Hausarrests durfte Serebrennikow unter bestimmten Bedingungen seine Wohnung verlassen, etwa um zum Sport zu gehen. Seine Arbeit am Theater fortzusetzen, war aber nahezu unmöglich. Da er auch das Internet nicht nutzen durfte, nahm er Regieanweisungen auf und ließ die Instruktionen auf einem USB-Stick von seinem Anwalt übermitteln. Das Enfant terrible der russischen Kulturszene hatte kürzlich aus der Ferne sogar an der Hamburger Staatsoper die Verdi-Oper "Nabucco" inszeniert.

Quelle: Apa/Ag.

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