Theater

"Tag des Zorns" im Theater Drachengasse

Die diplomierte Kinderkrankenschwester Erzsebet Fekete ist eine mutige Frau. Sie organisiert den "Tag des Zorns", eine landesweite Demonstration gegen die Arbeitsbedingungen und Missstände in den medizinischen Berufen. Der Minister zeichnet sie aus. Und lässt ihre Neonatologie schließen. Die Alleinerzieherin findet sich daraufhin allein gelassen und arbeitslos. Willkommen in der bitteren Realität!

Der Ungar Arpad Schilling gilt in seiner Heimat als "Staatsfeind" SN/APA (AFP)/JOE KLAMAR
Der Ungar Arpad Schilling gilt in seiner Heimat als "Staatsfeind"

Der ungarische Regisseur Arpad Schilling, der auch immer wieder in Österreich arbeitet, und seine Co-Autorin Eva Zabezsinszkij haben für ihr Stück "Tag des Zorns" eine Episode aus den politischen und sozialen Verwerfungen Ungarns der vergangenen Jahre zum Ausgangspunkt genommen. Schilling, der in seiner Heimat als "Staatsfeind" diffamiert wird, lässt keinen Zweifel daran, dass er sich als Realist, nicht als Optimist versteht: In einem von Egoismus und Nepotismus geprägten Umfeld bleiben Idealisten unweigerlich auf der Strecke.

Die Österreichische Erstaufführung durch Mercedes Echerer, die am Montag als Koproduktion mit der neuebuehnevillach im Wiener Theater Drachengasse Premiere hatte, lässt in einem Einheitsraum von Zsolt Kemenes die kämpferische Krankenschwester von einer Ernüchterung zur nächsten taumeln. Suse Lichtenberger macht ihre Sache hervorragend. Naiv versucht sie als Erzsebet ihren kurzfristigen Medienruhm für sich zu nutzen, und scheitert doch auf allen Linien. Julia Urban und Florian Carove springen gekonnt von einer Rolle in die nächste. Vorgesetzte, Kollegen, Freunde, Ex-Mann - auf niemanden ist Verlass. Sie unterscheiden sich nur in der Art, wie sie die immer verzweifelteren Hilferufe ignorieren.

Babett Arens und Simone Leski bilden als Erzsis Mutter und Tochter die private Ebene - kein Auffangnetz, sondern zusätzlicher Druck. Die Mutter droht zu erblinden und benötigt eine teure Operation im Ausland, zu deren Finanzierung die nunmehr Arbeitslose ihre Wohnung verkauft. Die Tochter würde knapp vor ihrem Schulabschluss Geborgenheit und Unterstützung benötigen.

Regisseurin Echerer weiß um die Gefahren, die angesichts des tristen, ernüchternden Stoffes auf der Bühne drohen und versucht diese durch grelle, zwischen Satire und Parodie schwankende Einlagen abzufedern. Das beschert der rund 100-minütigen, am Ende heftig akklamierten Aufführung auch unterhaltende Momente. Emotionalisierung statt Entsolidarisierung. Und doch hat man mitunter das Gefühl, dass diesem "Tag des Zorns" eine kalte Wut, eine analytische Nüchternheit besser zu Gesicht stünde. Nach der Vorstellung am 23. Jänner gibt es eine Podiumsdiskussion zur Frage "Was tun gegen den Pflegenotstand?". Nimmt man das Stück zum Vorbild, scheint eine Demo nicht das geeignete Mittel.

(S E R V I C E - "Tag des Zorns" von Arpad Schilling und Eva Zabezsinszkij, Deutsch von György Buda. Koproduktion mit neuebuehnevillach. Regie: Mercedes Echerer, Bühne: Zsolt Kemenes, Kostüme: Michaela Wuggenig, Musik: Imre Lichtenberger Bozoki. Mit Babett Arens, Florian Carove, Simone Leski, Suse Lichtenberger, Julia Urban. Österreichische Erstaufführung im Theater Drachengasse, Wien 1, Fleischmarkt 22. Vorstellungen bis 9. Februar, Di-Sa, jeweils 20 Uhr; Podiumsdiskussion "Was tun gegen den Pflegenotstand?" im Anschluss an die Vorstellung am 23. Jänner. Karten: 01 / 5131444, www.drachengasse.at)

Quelle: APA

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