Theater

Theaterfest NÖ startet mit Aichner-Uraufführung

Ein ungewöhnliches Programm bietet am kommenden Donnerstag ein Hüttenabend auf der Blaa-Alm bei Altaussee: Bernhard Aichner spricht über "Vom Normalberuf zum Autor zum Bestseller-Autor". Eine Woche später, am 14. Juni, eröffnet "Luzifer", Aichners Auftragswerk für die Sommerspiele Melk, das Theaterfest Niederösterreich - eine von zwei Theater-Uraufführungen des Autors.

Erste Theater-Uraufführungen des Tiroler Autors SN/APA (OTS/Franz Oss)/Franz Oss
Erste Theater-Uraufführungen des Tiroler Autors

"Die einzige Vorgabe der Melker war der Titel. Ansonsten hatte ich alle Freiheiten, die ich will. Und so kommt es jetzt eben dazu, dass sich Gott und Luzifer zwei Stunden lang auf der Bühne matchen", erzählt der Tiroler Autor im Gespräch mit der APA. "Gut und Böse ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Nicht nur in meinen Krimis", so Aichner, der nun offenbar nicht nur als Krimiautor bestens im Geschäft ist.

Angekündigt ist eine Geschichte, in der Regisseur Luzifer seinen ehemaligen Freund und Weggefährten Gott zur Generalprobe in sein Theater des Bösen einlädt: Seine Inszenierung soll beweisen, dass zwischen Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge keine scharfe Grenze zu ziehen ist. Gott mischt sich ein, kritisiert, schreibt Luzifers Stück um. Jeder will recht behalten. "Gut und Böse - das eine gibt es ja eigentlich ohne das andere nicht. Sie bedingen einander. Es ist eine sehr persönliche Geschichte zwischen Gott und Teufel, doch am Ende ist der Zuschauer mit sich und dem Thema allein. Ich bin überzeugt davon, dass wir alle nicht nur gut sind, sondern auch böse", sagt Aichner.

Auch der Abend in der Wachauarena soll eine Hochschaubahn der Gefühle werden: "Im einen Moment gibt's was zum Lachen, im anderen ist es so beklemmend brutal und traurig, dass einem die Luft wegbleibt. Das versuche ich in meinen Büchern, und wenn das auch am Theater gelingen sollte, freue ich mich natürlich." Überhaupt sei Melk "eine schöne Erfahrung. Das Schöne am Theater ist ja: Es ist Teamsport. Es war auch eine Super-Zusammenarbeit mit Alexander Hauer. Es ist toll, wenn Autor und Regisseur gut miteinander können und während der Proben noch Dinge wachsen können."

Auch über die gemeinsame Arbeit mit dem Innsbrucker Schauspieldirektor Thomas Krauß, der am 17. Juni Aichners erfolgreichen "Totenfrau"-Krimi auf die Kammerspiele-Bühne bringt, ist der Autor voll des Lobes. "Wir haben offen über alles gesprochen - über seine Vorschläge, meine und jene von Susanne Wolf, mit der ich gemeinsam die Stückfassung schreiben durfte. Sie ist ein Vollprofi, wenn es Roman-Dramatisierung geht. Die Zusammenarbeit mit ihr war großartig."

Von Aichners mittlerweile in 16 Länder verkaufter "Totenfrau-Trilogie" wurden über 400.000 Bücher abgesetzt. Eine Verfilmung für den US-Markt, für die es bereits ein Drehbuch gibt, ist weiterhin on hold. "Man braucht viel Geduld im Filmgeschäft. Das dauert alles ewig. Ich habe aber jetzt keinen Einfluss mehr darauf, was mit der 'Totenfrau' passiert." Für seine Max-Broll-Krimis hat der ORF Verfilmungspläne, "aber auch da weiß man noch nicht, wann genau das passiert."

Genau weiß man jedoch, wann Aichners neuer Krimi auf den Markt kommt: Der Thriller "Bösland" erscheint am 1. Oktober bei im btb-Verlag, wo der Autor "ein wunderbares, schriftstellerisches Zuhause" gefunden hat. Kommt nach der Bestatterin Brünhilde Blum ("Totenfrau", "Totenhaus" und "Totenrausch") und dem Totengräber Max Broll, dem Helden von vier weiteren Krimis, nun etwa ein Friedhofsgärtner als Protagonist? "Nein, das habe ich jetzt erledigt", lacht der 1972 geborene Autor und Fotograf. "Einer ist Fotolaborant, weil ich selbst vier Jahre lang in einem Fotolabor gearbeitet habe. Und der andere ist Vorstand eines großen Pharma-Konzerns." Aber eigentlich steckt Aichner, der 2004 in seinem nur 96 Seiten umfassenden Romandebüt "Das Nötigste über das Glück" erzählte, bereits mitten in seinem übernächsten Thriller.

Wie ist das also mit dem Weg "vom Normalberuf zum Autor zum Bestseller-Autor"? Wird er am Donnerstag den versammelten Buchhändlern sein Erfolgsrezept verraten? "Es wird mehr ein lockeres Plaudern über mein Leben. Ich erzähle das auch gern bei meinen Lesungen, dass ich schon als 14-Jähriger diesen Traum hatte, Schriftsteller zu werden, und da einfach drangeblieben bin. Ich erzähle auch von Rückschlägen und Durchhaltevermögen, von der Liebe und Leidenschaft zu diesem Beruf", so Aigner. "Und davon, wie viel Glück dazugehört."

Und führt der Weg zum Erfolg tatsächlich nur über die Krimis? "Es ist eine Tatsache, dass sich Krimis besser verkaufen als andere Bücher. Aber meine Sprache hat sich mit dem Genre nicht verändert. Es ist nach wie vor mein Ton, an dem ich seit 15 Jahren konsequent arbeite, mit dem ich meine Geschichten erzähle. Dass seit 2010 vermehrt Menschen sterben in meinen Büchern, ist dem Krimi geschuldet. Ich bin immer leidenschaftlicher Krimileser gewesen und habe mich gerne in dieses Genre begeben. Aber 2019 kommt ein kleiner Liebesroman. Und gleichzeitig wird es auch ein Theaterstück geben, bei dem ich zum ersten Mal selber Regie führen werde. Ich möchte mir alle Türen offenhalten", sagt Aichner.

Quelle: APA

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