Kultur

Thomas Wizany: "Ich bin nicht der Krampus der Innenpolitik"

SN-Karikaturist Thomas Wizany über seine Fernbeziehung zu Politikern. Bei welchen "Opfern" führt eine Zeichnung 100-prozentig zu einem Aufschrei?

Thomas Wizany. SN/Robert Ratzer
Thomas Wizany.
Blaupause . . . SN/wizany
Blaupause . . .
Baden mit Schaden . . . SN/wizany
Baden mit Schaden . . .
Zusammenleben . . . SN/wizany
Zusammenleben . . .

SN: Seit 30 Jahren zeichnen Sie Karikaturen für die SN. Fast genauso lang wurde in der Stadtpolitik über ein neues Hallenbad gestritten. Wird's nie fad?
Wizany: Nein, weil die Themen auch durch die Länge, die sie bestehen, eine gewisse Ironie erreichen. Als Karikaturist kann man in dieser Länge auch gut baden.
Wie findet man täglich neue Ideen zum Zeichnen?
Das Schöne ist, dass die Themen auf der Straße liegen. Ich telefoniere mit den SN-Redakteuren, die liefern mir das Futter, aus dem dann Ideen entstehen.

Gibt es Politiker, die Sie lieber zeichnen als andere?
Mein Meister Gustav Peichl (Ironimus) hat es auf den Punkt gebracht: Menschen, die etwas darstellen, lassen sich auch darstellen. Politiker, die eine gewisse Aura haben - sei es jetzt positiv oder negativ -, die lassen sich leichter zeichnen als Milchgesichter. Wobei es Politiker gibt, die man anfangs als Karikaturist schwer fasst. Je länger sie bleiben, umso mehr Profil gewinnen sie.

Also jemand mit Ecken und Kanten lässt sich leichter zeichnen?
Ja, damit ist nicht nur das Gesicht gemeint. Zeichner und Politiker entwickeln eine Art Fernbeziehung. Man lernt sich besser kennen. Wenn das Profil schärfer wird, wird es auch die Karikatur. Wobei es schwieriger ist, Frauen zu zeichnen. Da hat man das Dilemma, dass man manche Dinge vielleicht überbetont. Das ist dann nicht sehr gentlemanlike.

Hat sich denn schon einmal jemand beschwert über seine Darstellung?
So richtig schwerwiegend, im Sinne einer Klage, nie. Ob jemand den Chefredakteur am nächsten Tag anruft, weiß ich nicht. Aber am meisten merkt man es bei Begegnungen mit Politikern - da fragen manche dann mit Augenzwinkern, ob das wirklich nötig war. Natürlich sind Politiker nicht immer begeistert, aber inzwischen sind sie so professionell, dass sie wissen: Das Schlimmste ist, gar nicht gezeichnet zu werden.

Also Ignoranz als Höchststrafe?
Wenn man als Karikaturist einem Politiker wirklich wehtun will, darf man ihn nicht zeichnen. Wobei es mir nicht darum geht, Politiker zu bestrafen. Ich bin nicht der Krampus der Innenpolitik. Ich habe den Ruf, dass ich nie wirklich verletzend bin in meinen Karikaturen. Das kommt daher, dass ich die ersten 15 Jahre nur Lokalpolitik gezeichnet habe.

Und da muss man mehr aufpassen?
Na ja, man riskiert, seinen Opfern über den Weg zu laufen. Ich habe lange neben dem Chiemseehof gewohnt. Da hätte ich sonst Angst gehabt, dass ich das Handtascherl von der Frau Burgstaller einmal auf den Kopf bekomme. Also daraus leitet sich schon eine gewisse Milde ab. Bei Trump oder Putin ist das egal, denen begegne ich ja im Normalfall nicht.

Typen wie Donald Trump sind doch eine Freude für Ihren Berufsstand, nicht?
Trump ist zum Zeichnen wesentlich besser als Hillary Clinton. Trotzdem wäre mir Clinton lieber gewesen. Nur schlechte Karikaturisten brauchen schlimme Politiker.

Einen Johann Padutsch oder Heinz Schaden werden Sie nach der Wahl 2019 aber schon vermissen, oder?
Klar, man entwickelt eine Art Fernbeziehung. Dann muss man sich auf neue Gesichter einstellen. Wobei die Parteien ja selbst noch nicht ganz wissen, wer nachfolgt. Aber das, was man bis jetzt am Horizont sieht, ist nicht sehr vielversprechend.

Gibt es leicht erregbare Gemüter?
Ich weiß ganz genau, wenn ich Emanzen, Veganer, Hundebesitzer oder Primarärzte zeichne, gibt es zu 100 Prozent einen Aufschrei. Bei denen weiß man es, bei den anderen kann es passieren. Islamisten haben wir ja relativ wenige in Salzburg.

Manfred Deix hat einmal gesagt: Brave Karikaturen sind für'n Hugo.
Der Meinung bin ich auch, dass eine Karikatur schon einen gewissen Biss haben muss. Aber Biss heißt nicht, dass man in die unterste Schublade greifen muss. Mir ist es fast lieber, die Leser schmunzeln, als dass sie laut aufbrüllen vor Lachen.

Wie viel Zeit benötigen Sie für eine Karikatur?
Das hängt vom Plot ab. Es gibt Karikaturen, die sehr vielschichtig und ausführlich im Bildaufbau sind. Da benötige ich vier bis fünf Stunden. Und dann gibt es pointierte Schwarz-Weiß-Zeichnungen, dafür brauche ich nicht einmal eine Stunde.

Heute ist Faschingsdienstag, daher: Wie viel Humor ist in der Politik nötig?
Humor braucht's im Leben sowieso. Und ich bin mir sicher, dass es in der Politik viel Humor braucht. Ich finde es schön, gut und wichtig, dass man Dinge so darstellen kann. Denn solange man den Dingen noch einen letzten ironischen Aspekt abringen kann, sind sie noch verkraftbar. Es lassen sich auch sehr ernste Dinge zeichnen. Die Karikatur muss nicht immer nur zum Lachen, sondern in erster Linie zum Nachdenken anregen. Nur beim Attentat auf "Charlie Hebdo" wusste ich zum ersten und einzigen Mal nicht mehr, was ich zeichnen soll.

Zur Person
Thomas Wizany (49) ist Architekt und Karikaturist. Seit 30 Jahren zeichnet er für die "Salzburger Nachrichten". Am Donnerstag präsentiert er um 19.30 Uhr seinen dritten Karikaturenband im SN-Saal. Mit dabei: Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel, Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Bürgermeister Heinz Schaden. Anmeldungen erbeten unter www.salzburg.com/Reservierung

Thomas Wizany im Video-Interview

Wie entsteht eine Karikatur? Wie hat sich die Arbeit des Karikaturisten über die Jahrzehnte verändert? Bereits zum 70-Jahr-Jubiläum der Salzburger Nachrichten vor zwei Jahren plauderte Thomas Wizany aus dem Nähkästchen. Ein Video-Rückblick - inklusive Zeitraffer-Karikatur.

Aufgerufen am 25.11.2017 um 05:02 auf https://www.sn.at/kultur/thomas-wizany-ich-bin-nicht-der-krampus-der-innenpolitik-26662

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