Kultur

Tierzeichnung in deutschem Museum Rembrandt zugeschrieben

Das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig ordnet eine Tierzeichnung aus seinem Bestand nach neuen Untersuchungen dem niederländischen Barock-Maler Rembrandt van Rijn (1606-1669) zu. Das Werk fiel nach Museumsangaben vom Dienstag bei einer systematischen Digitalisierung von Zeichnungen auf. Das Bild befindet sich seit den 1770er Jahren im Bestand des Museums.

Nur wenige Tierzeichnungen von Rembrandt bekannt.  SN/APA (dpa)/Alexander Kohlmann
Nur wenige Tierzeichnungen von Rembrandt bekannt.

Nach dem Studium vergleichbarer Originale Rembrandts in Amsterdam, Paris und Wien und auch mikroskopischen Analysen werde die Kreide-Zeichnung eines Hundes nun dem berühmten Maler zugeordnet. Sie werde in das demnächst erscheinende Rembrandt-Werksverzeichnis aufgenommen. Das Bild wurde bis vor kurzem dem deutschen Tiermaler Johann Melchior Roos (1663-1731) zugeschrieben.

Thomas Döring, der Leiter des Kupferstichkabinetts, sichtete alte Zeichnungen für die Digitalisierung der Bestände. Nummer 719 zeigte das Bild eines Arbeitshundes. Döring kannte nur einen Maler, der zu dieser Zeit mit so einer "traumwandlerischen Sicherheit" zeichnete, wie er es formuliert. Der Experte vermutete schnell, dass die Zeichnung ein bisher unbekanntes Werk Rembrandt van Rijns war.

2014 wurde Döring zum ersten Mal auf das Bild aufmerksam, inzwischen haben internationale Experten seine Vermutung bestätigt. Die Zeichnung des Hundes gilt nun als echter Rembrandt - das Herzog-Anton-Ulrich-Museum ist damit um ein Werk des berühmten Barock-Malers reicher.

Wie die Skizze einst nach Braunschweig kam, kann heute nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden. "Das Sammeln von Zeichnungen war damals ein kultivierter Zeitvertreib", erklärt Döring. Zeichnungen wurden allerdings nicht einzeln verkauft, sondern im Konvolut. 1772 kaufte das Museum das Erbe einer Familie an, das auch 200 Tierzeichnungen enthielt. Es wäre also möglich, dass der Rembrandt auf diese Weise unerkannt in den Braunschweiger Bestand kam.

"Das ist die einzige Zeichnung eines Hundes, die von Rembrandt bekannt ist", sagt der Kunsthistoriker Peter Schatborn. Es sei sehr deutlich Rembrandts besonderer Blick auf die Welt zu erkennen. "Rembrandt malt nicht einfach realistisch ein Tier, sondern er charakterisiert es." Der Betrachter sehe das Motiv durch Rembrandts Augen. "Wenn sie so wollen, sehen wir hier 110 Prozent Hund."

Die Entdeckung ist dem Museum zufolge außergewöhnlich. Von Rembrandt sind weltweit nur wenige Zeichnungen von Tieren erhalten. Der Künstler habe diese Zeichnungen als Studien geschaffen. Vor allem in den 1630er Jahren habe der Maler in seinen Werken Hunde als Nebenmotive genutzt.

Quelle: Apa/Dpa

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