Kultur

Touristenboom im Palazzo Ducale unter österreichischem Chef

Unter der Leitung des österreichischen Kulturmanagers Peter Assman (53) erlebt der Palazzo Ducale von Mantua, der Herzogspalast der lombardischen Stadt, Hochkonjunktur. Die Besucherzahl kletterte 2016 um 51 Prozent auf 367.000 Personen, teilte das italienische Kulturministerium mit. Mantua war 2016 Italiens Kulturhauptstadt.

Besucherzahl im Palazzo Ducale im Jahr 2016 um 51 Prozent gesteigert.  SN/AFP/FILIPPO MONTEFORTE
Besucherzahl im Palazzo Ducale im Jahr 2016 um 51 Prozent gesteigert.

Mantuas Palazzo Ducale, ein Gebäudekomplex aus dem 14. Jahrhundert, der von der Adelsfamilie Gonzaga als ihr Herrschaftssitz errichtet wurde, kletterte von Platz 16 auf Platz 11 im Ranking von Italiens meistbesuchten Kunstsammlungen und überragte dabei sogar die berühmte Mailänder Pinakothek Brera, die sich 2016 mit 322.000 Besucher begnügen musste. Das Ensemble des Palazzo Ducale umfasst etwa 500 Räume auf 34.000 Quadratmetern Fläche. Zu den Meisterwerken zählen Andrea Mantegnas Fresken in der Camera degli Sposi (Hochzeitszimmer), aber auch ein Altarbild von Peter Paul Rubens (1605), das die Gonzaga-Familie bei ihrer Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit darstellt.

Der Besucherboom in Mantuas Palazzo Ducale ist unter anderem einer großen Albrecht-Dürer-Schau mit mehreren Leihgaben aus der Wiener Albertina und dem Kupferstichkabinett der Kunsthistorischen Akademie zu verdanken, die am heutigen Sonntag zu Ende geht. Die Ausstellung, die Assmann selber zusammen mit dem Kunsthistoriker Johannes Ramharter kuratierte, wurde in den Sälen des Castello San Giorgio eröffnet, die nach einem schweren Erdbeben 2012 in Mantua restauriert wurden und seit September wieder Besuchern zugänglich sind.

Die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera", die in ihrer Sonntagsausgabe Assmanns Erfolg in Mantua eine ganze Seite widmete, bezeichnete den Kulturmanager als Spitzenvertreter einer Gruppe ausländischer Museumsdirektoren, die vom italienischen Kulturministerium Ende 2015 eingesetzt wurden, um Italiens Museen moderner und effizienter zu gestalten. "Wir ausländische Museumsdirektoren haben eine andere Perspektive. In Italien sind Museen wegen ihrer engen Verbindungen zum Denkmalschutz sehr darauf orientiert, die Kunstwerke zu schützen, sie achten aber weniger auf Kommunikation. Wir Nicht-Italiener sind stark auf die Bedürfnisse der Besucher orientiert, wir führen einen konstruktiven Dialog mit Sponsoren und Medien", sagte Assman laut "Corriere della Sera".

"Mantua hat begriffen, dass der Palazzo Durale ein Motor für Tourismus und Wirtschaft sein kann. Es ist schön festzustellen, dass Kulturtourismus in Italien sich nicht nur auf Venedig, Florenz und Rom. Besucher entdecken, dass Italiens Kulturhorizont viel breiter ist", so Assmann.

Der in Zams in Tirol geborene Manager, der zwischen der Lombardei und seinem Wohnort Linz pendelt, hegt im neuen Jahr mehrere Projekte. Im April ist eine große Ausstellung zum Thema Gastronomie geplant. Mantua wird zusammen mit den lombardischen Städten Cremona, Brescia und Bergamo im Rahmen des europäischen Projekts "Erg 2017" Europas gastronomische Hauptstadt sein.

"Gastronomie und Kultur sind eng verbunden und das beweist Mantua deutlich - wir bieten Besuchern eine kulturhistorischen Ausstellung an", berichtet Assmann. Er will auch festliches österreichisches Flair nach Mantua bringen. So ist am 6. Mai 2017 ein großer österreichischer Ball geplant. "Wir versuchen damit, die österreichische und italienische Balltraditionen zu verbinden. Ich glaube das Resultat wird interessant sein", versichert Assmann.

Quelle: APA

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