Kultur

Tschaikowskys "Eugen Onegin" trumpfte in Graz auf

Tschaikowskys Werk rund um die Seelenqualen von vier jungen Menschen geriet für die Chefdirigentin der Grazer Oper, Oksana Lyniv, bei der Premiere am Samstag zu einem großen Erfolg. "Eugen Onegin" in schlichtem Birkenholz und mit Kostümen der Entstehungszeit konnte mit guten Sängern und ganz besonders mit ausgefeiltem Dirigat punkten, die Inszenierung steuerte einige befremdliche Details bei.

Innenansicht der Oper Graz SN/APA/MAnninger Peter
Innenansicht der Oper Graz

Seit Beginn der Saison ist Oksana Lyniv Chefdirigentin der Grazer Oper. Mit "Eugen Onegin" hat sie ein Werk gewählt, das ihr hörbar am Herzen liegt. Mit großer Präzision ließ sie schon die erste Szene erblühen, wenn die Mutter der beiden Mädchen resigniert ihr Leben betrachtet. "Die Gewohnheit hat uns der Himmel geschickt als Ersatz für das Glück" heißt es im Text, aber die Musik erzählt etwas anderes. Lyniv spürt in Tschaikowskys Musik auch kleinen Details nach, malt die Sehnsüchte, die Verwirrtheit mit klaren Strichen, verleiht der Einsamkeit fahle Farben, schafft nervöse Spannung und eruptive Ausbrüche und lässt selbst den dunklen Schmerz noch prächtig leuchten.

Die Bühne - ein schlichter Guckkasten aus weißem Holz - vermittelt russisches Flair (Gideon Davy), die Frauen in ihren hell- bis dunkelgrauen Seidenkleidern (Dieuweke van Reij) sitzen an einem langen Tisch und träumen wie Tschechows "Drei Schwestern" von einem anderen Leben. Der ausgezeichnet singende Chor (Bernhard Schneider) tritt in schwarz-weißer Dienstbotenkleidung auf oder verdoppelt in Kostüm und Maske die vier Hauptfiguren. Optisch funktioniert die Aufführung durchaus, allerdings hat Regisseurin Jetske Mijnssen einige Einfälle verwirklicht, die nicht unbedingt sinnstiftend sind. Warum Tatjana die zersägte Jungfrau geben muss, bleibt unklar. Das Duell endet - anders als im Original - mit dem Selbstmord Lenskis, was die Figur des Onegin umwertet, der dadurch weitaus weniger kalt wirkt als wenn er selbst den Freund erschießen würde. Tatjanas Ehemann Fürst Gremin ist hier ein Pflegefall, und sie selbst ihm keineswegs treu sondern sie gönnt sich eine Liebesnacht mit Onegin. Zur Polonaise im dritten Akt wird ein Tisch gedeckt, das ist dann auch schon alles, kein Ball, kein Tanz, gar nichts. Was schade ist, so eindrucksvoll wie Lyniv diese Musik dirigiert.

Tatjanas Briefszene (hier mit weißem Tuch statt Brief) wurde zum emotionalen und musikalischen Höhepunkt des Abends, was vor allem an Oksana Sekerina lag, die die unglücklich Liebende berührend spielte und mit sicher geführtem Sopran, der über sehr schöne Pianotöne verfügt, sang. Pavel Petrov konnte als Lenksi mit seiner Arie vor dem Duell punkten, die er schlicht und klar darbot. Dariusz Perczak war ein achtbarer Titelheld, der seine Partie solide bewältigte, ohne ihr wirklich Leben einzuhauchen. Als äußerst lebens- und liebeslustige Olga hatte Yuan Zhang einen Hang zum Personal, und der Fürst (Alexey Birkus) wirkte bei seiner Arie, in der er in einfachen Worten seine Liebe zu Tatjana schildert, gar nicht mehr kränklich, sondern nobel und würdevoll. Manuel von Senden verlieh seinem Auftritt als Triquet trotz schwarz-weißem Ganzkörperanzug so etwas wie französisches Flair.

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.11.2018 um 07:45 auf https://www.sn.at/kultur/tschaikowskys-eugen-onegin-trumpfte-in-graz-auf-21841270

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