Kultur

Vermeintliche Nazi-Relikte in Buenos Aires beschlagnahmt

In einem hinter Bücherregalen verborgenen Raum hat die Polizei in Argentinien eine Sammlung von vermeintlichen Nazi-Relikten beschlagnahmt. Die 75 Objekte wurden in dem geheimen Ausstellungsraum in Beccar, einer nördlichen Vorstadt von Buenos Aires, gefunden.

Nach Abschluss der Ermittlungen sollen die Relikte in die Sammlung des Holocaust-Museums der Hauptstadt aufgenommen werden, wie die argentinische Sicherheitsministerin Patricia Bullrich am Montagabend erklärte. Unter anderem wurden Hitler-Büsten, mit Hakenkreuzen versehene Reichsadler, Pistolen, Degen, Fern- und Vergrößerungsgläser, eine Mundharmonika-Sammlung sowie weitere Stücke beschlagnahmt.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge handelt es sich nach Angaben der Ministerin um Originalstücke aus der Zeit des nationalsozialistischen Regimes. Ein Antiquar wurde wegen Kunstschmuggels angeklagt. "Die Objekte sind ein unwiderlegbarer Beweis dafür, dass ranghohe Nazi-Hierarchen in Argentinien Zuflucht gefunden haben", erklärte der Vorsitzende des Dachverbandes Jüdischer Vereinigungen Argentiniens (DAIA), Areil Cohen Sabban.

Eine Spur führt zu einem während des Nationalsozialismus bekannten Solinger Waffenunternehmen. Wie die Deutsche Presse-Agentur von dem Besitzer der Gegenstände erfuhr, seien die meisten Objekte mit dem Fabrikationsstempel des 1865 gegründeten und damals auf Militärmesser spezialisierten Unternehmens Carl Eickhorn gekennzeichnet, unter ihnen auch ein Reichsadler mit dem Hakenkreuz. Unklar ist aber, ob es sich dabei um Originale oder Kopien handelt. Die Zeitung "Clarin" spekulierte bereits, dass die Gegenstände von einem geflüchteten NS-Verbrecher wie Adolf Eichmann nach Argentinien gebracht worden sein könnten - am La Plata gibt es eine gewisse Tradition, was die Empfänglichkeit für Nazi-Mythen betrifft.

Der Antiquitätenhändler sagte der dpa, die 75 Nazi-Relikte bildeten eine seiner knapp 20 privaten Sammlungen, unter ihnen auch eine große Erotiksammlung. Die Objekte aus der NS-Zeit habe er im Laufe von 25 Jahren von einem einzigen Verkäufer, einem Argentinier, erworben. Es bestehe keine illegale Handlung. Er betreibt ein Geschäft in einem nördlichen Vorort von Buenos Aires, die NS-Objekte habe er nicht zum Verkauf angeboten, sie seien in seiner Wohnung in einem gesonderten, nicht geheimen Raum, privat ausgestellt worden.

Quelle: Apa/Dpa

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