Kultur

Verschwitzte Revolution im Dorf

Die Fahne der Revolution wehte auch auf dem Land. Kurt Palm erzählt davon wunderbar.

Es ist zum Schwitzen in der Kleinstadt im Oberösterreichischen. Einerseits: Die Hormone der jungen Burschen und die Mädels im Strandbad! Dann die Weltlage - Vietnamkrieg, Rockmusik und Existenzialismus - und die Eltern, die nichts kapieren. Sommer 1972. Aus dem Stoff macht Kurt Palm seinen besten Roman, der "Strandbadrevolution" heißt und eine Hommage ist auf Tagträumerei, jugendliche Unbeschwertheit, die Härte des Schicksals und die ungeheure Macht der Musik.
Herr Palm, wären Sie denn gern Mick Jagger gewesen - oder sonst ein Rockheld?
Palm: Jaaa! Ich bin als junger Bursch oft stundenlang tagträumend in meinem Zimmer in Timelkam gesessen und habe mir vorgestellt, wie es wäre, als Mick Jagger vor Zehntausenden begeisterten Leuten auf der Bühne herumzuspringen und von den Mädchen angehimmelt zu werden. Ich fand die Art und Weise, wie Jagger sich bewegte, wie er sich kleidete, wie er sang, einfach nur lässig. Die Tagträumerei wurde allerdings meist abrupt von meiner Mutter unterbrochen, wenn sie mich zum Essen rief oder vorwurfsvoll fragte, was mit den Hausaufgaben los sei.
Nach Jagger frage ich, weil der Icherzähler Ihres Romans den Spitznamen Mick trägt. Wieso taugen die Stones als Vorbilder für Revolutionen?
Ich erinnere mich an die LPs "Beggars Banquet" und "Let It Bleed". Darauf gab es Songs wie "Street Fighting Man" oder "Gimme Shelter", die eine ungeheure Power hatten. Wenn ich diese Lieder hörte, wusste ich, dass es jenseits von Timelkam noch eine andere Welt gab.

Weiterlesen wenn Sie mehr wissen wollen

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 17.10.2018 um 09:19 auf https://www.sn.at/kultur/verschwitzte-revolution-im-dorf-51406