Kultur

Vogelgezwitscher im Museum: Rauminstallation im Wiener MUSA

Helles Vogelgezwitscher füllt derzeit die Räumlichkeiten des Wiener MUSA. 24 im Raum verteilte Monitore zeigen Videoaufnahmen eingesperrter Kanarienvögel, die gerade zum Singen ausgebildet werden.

Die Installation "Quire. Vierundzwanzig Vogelkäfige" ist am Montag als erste Ausstellung im Jubiläumsjahr der städtischen Sammlung zeitgenössischer Kunst eröffnet worden. Sie ist bis 22. April zu sehen.

"Es gibt in der Sammlung Kunstwerke, die so groß sind, dass sie im normalen Ausstellungsreigen nicht gezeigt werden können - sie stellen den Anspruch, solistisch ausgestellt zu werden", sagte der Leiter des Wiener MUSA, Berthold Ecker, bei einem Pressetermin anlässlich der Eröffnung. Dazu gehöre die Rauminstallation der Künstlerin und Fotografin Gabriele Rothemann. Die Videoarbeit entstand zwar bereits 2009, wurde aber bisher noch nie in dieser Form präsentiert.

Vierundzwanzig Monitore sind auf unterschiedlich hohen Sockeln aus Metall im Raum verteilt. Die Videoaufnahmen in Schwarz-Weiß zeigen Kanarienvögel der Zoohandlung "Sauer" im neunten Bezirk. Drei Tage lang filmte Rothemann die Vögel. "Das war zu der Zeit, in der man wartet, ob der einzelne Vogel das Zeug hat, ein guter Sänger zu werden", erzählte sie. Gesangskanarienvögel werden zum Singen ausgebildet. In der sogenannten Singschule werden die jungen Vögel einige Wochen lang getrennt voneinander in Käfige gesperrt und sollen einen Vorsänger, einen besonders gut singenden Vogel, nachahmen.

Mit der aus der Barock stammenden Tradition habe man eine "perfide, menschliche Struktur" entwickelt, um den Vögeln das Singen beizubringen. "Man zwingt Wesen in eine nicht natürliche Art, um diese Schönheit zu erreichen", so Rothemann. "In dem fröhlichen Gezwitscher steckt eine tiefe Melancholie drinnen", sagte auch Ecker. "Das sind Individuen, die trainiert und eingesperrt sind."

Die Künstlerin verglich die Situation mit dem Kastratentum - Sänger, die ebenfalls im Barock vor der Pubertät kastriert wurden, um die hohe Stimme zu behalten. Im Rahmen der Ausstellung treffen die Stimmen von Vogel und Mensch bei einem Konzert am 30. März zusammen. An diesem Abend wird ein Countertenor den Chor der Vögel um eine 25. Stimme erweitern, kündigte Rothemann an.

Neben der Installation, die den Großteil der Ausstellung einnimmt, sind einige Aquarelle der Künstlerin und das ebenfalls mit einem Vogel geschmückte Objekt "Wellensittich-Spiegel", ein Werk, das die Selbstverliebtheit des Menschen zeigen soll, zu sehen. Bekannt ist Rothemann vor allem für ihre Fotografien. Die aus Deutschland stammende Künstlerin lebt in Wien und unterrichtet die Klasse Fotografie an der Universität für Angewandte Kunst." Sie ist eine zentrale Fotokünstlerin der Wiener Szene, der die gesamte Wiener Fotoszene viel verdankt", sagte Ecker über sie.

SERVICE: "Quire. Vierundzwanzig Vogelkäfige" vom 28. Februar bis 22. April im Wiener MUSA, 1., Felderstraße 6-8. Der Eintritt in das MUSA ist frei. Web: www.musa.at

Quelle: APA

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