Kultur

Wedel tritt als Intendant der Hersfelder Festspiele zurück

Der Regisseur Dieter Wedel hat sich nach gegen ihn erhobenen Vorwürfen sexueller Belästigung über einen "medialen Pranger" beklagt und sich als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgezogen. "Seit mehr als zwei Wochen sehe ich mich einer nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigen und Vorwürfe ausgesetzt", erklärte Wedel am Montag.

Wedel ist mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, die er zurückwies SN/APA (dpa)/Swen Pförtner
Wedel ist mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, die er zurückwies

Der Regisseur weist die Vorwürfe zurück. In einer auf der Website der Bad Hersfelder Festspiele veröffentlichten persönlichen Stellungnahme erklärte Wedel zu seinem Rückzug als Intendant: Er wolle die Veranstaltung aus "der diffamierenden Diskussion um meine Person heraushalten". Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling bezeichnete dies als "schmerzlichen Schritt für die Festspiele und die Stadt". Beide verdankten Wedel "sehr viel".

Nichtsdestotrotz nahm die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat auf. Es liege ein Anfangsverdacht gegen den 75-Jährigen vor, sagte am Montagabend eine Behördensprecherin der Deutschen Presse-Agentur in München. Deshalb sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

Der Regisseur beklagte in seinem offenen Brief, der Umfang und die Art und Weise der Beschuldigungen hätten ihn "zutiefst verstört und erschüttert". Die Anfeindungen hätten für seine Gesundheit und für seine Familie ein "erträgliches Maß weit überschritten".

"In diesem Klima der Vorverurteilung, der sogenannten Verdachtsberichterstattung, die auf keine erwiesenen Fakten gestützt sein muss, kann ich den Kampf um meine Reputation nicht gewinnen - weder mit juristischen Mitteln noch mit medialen Stellungnahmen", erklärte der Regisseur. Bei ihm und seinem Anwalt hätten sich Menschen gemeldet, "die dafür einstehen wollen, um dem Gemisch aus Gerüchten, Unterstellungen, Vermutungen und Anschuldigungen Substanzielles entgegenzusetzen".

Er stelle sich jedoch die Frage, was dies am Ende bringe - "außer vielleicht der Erkenntnis, dass inzwischen auch nach Eintritt der Verjährung allein schon der Verdacht genügt, um jedermann zu jedem beliebigen Zeitpunkt an den medialen Pranger zu stellen", heißt es in der Stellungnahme.

Anfang Januar hatten im Magazin der Wochenzeitung "Die Zeit" die ehemaligen Schauspielerinnen Jany Tempel und Patricia Thielemann sowie eine weitere Frau, die anonym blieb, zum Teil schwere Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen den 75-Jährigen erhoben.

Sein Anwalt verwies danach auf eine eidesstattliche Erklärung Wedels, wonach die von mehreren Schauspielerinnen gegen ihn erhobenen Vorwürfe "unzutreffend und nicht gerechtfertigt" seien. Er habe zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan. In seiner persönlichen Stellungnahme erklärte Wedel nun: "Ich verabscheue jede Form von Gewalt, gegen Frauen ebenso wie gegen Männer." Er kündigte zudem an, sich öffentlich nicht mehr zu äußern.

Kommissarischer Nachfolger von Wedel bei den Bad Hersfelder Festspielen wird der bisherige künstlerische Leiter Joern Hinkel. Der Magistrat der Festspielstadt habe Wedels Rücktrittsangebot angenommen, teilte ein Stadtsprecher am Montagabend mit. Man bedauere das Ausscheiden von Wedel und danke ihm für seine herausragende Leistung. Der Berliner Joern Hinkel (47) inszenierte bisher zahlreiche Opern und Theaterstücke, aber auch Kurz- und Dokumentarfilme.

Quelle: Apa/Dpa

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