Kultur

Wiener MUSA feiert sein Zehn-Jahr-Jubiläum

Das Wiener MUSA feiert seinen zehnten Geburtstag und betreibt in der ab Freitag zu sehenden Jubiläumsausstellung eine Art Nabelschau. 36 Werke aus dem 40.000 Objekte umfassenden Archiv hat Kurator Franz Thalmair als Kommentar auf den Museumsbetrieb - also das Sammeln, Zeigen, Verräumen und Verwalten - arrangiert. Ergebnis ist ein durchaus humorvoller Bestandsquerschnitt.

Thalmair nannte am Mittwoch bei einer Presseführung seine Zusammenstellung, für die er sich vorwiegend durch die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren der 1951 gegründeten Sammlung der Stadt Wien gegraben hat, eine "selbstreflexive Schleife". Als Grundthese hinter dem Projekt stehe eine Paraphrase auf Aristoteles, wonach das Ganze mehr als die Summe der einzelnen Teile sei. Soll heißen: Die Gruppierung und Kontextualisierung macht nicht zuletzt den Mehrwert der musealen Präsentation aus. "ba ist ungleich b und a" nennt sich die Geburtstagsausstellung, deren Original-Schriftbild an dieser Stelle mangels Sonderzeichen nicht wiedergegeben werden kann.

Welche Zugänge gibt es also in der Betrachtung von Museumsarbeit? Der Kurator hat sich für mehrere Kapitel entschieden, die nicht immer - so ist das halt im Kulturbetrieb - ohne eine gewisse Sperrigkeit auskommen. "Reziproker Imagetransfer" heißt eines, "Auratismus" ein anderes. In letzterem geht es um Bezüge zu historischen Referenzen. Da hängt etwa VALIE EXPORTs "Aktionshose Genitalpanik" (1969) neben Johanna Brauns "VALIE EXPORT left not lost" (2013). Das Gemälde kopiert die Sitzbank der Originalfotografie, auf der EXPORT mit Gewehr und im Schritt aufgeschnittener Hose posiert, spart die Person der Künstlerin allerdings aus. Markus Schinwald hingegen ergänzt Porträts des 19. Jahrhunderts um Prothesen oder Applikationen am Körper.

Während sich der Abschnitt "Archive des Alltags" spielerisch mit der Methode des Sammelns beschäftigt, das oft auch ein Zusammentragen von Alltäglichem und Banalem ist, geht es in "Randzonen" um das, was normalerweise hinter den Kulissen passiert und dem Museumsbesucher verborgen bleibt: Fabian Fink hat für seine Arbeit "Die Sonne ist kein Monster" 20 Gemälde in eine grüne Box gesperrt und imitiert somit den Blick ins Kunstdepot. Dejan Dukic wiederum ordnet - mit beim Bemalen der jeweiligen Frontseite von herabgeronnener Farbe bekleckerte - Seitenteile von Rahmen zu einem eigenständigen Bild ("Storage Painting Nr. 10") an.

"Visuell am trockensten gehalten, aber auch am humorvollsten" findet Kurator Thalheim sein "Bürokratie"-Kapitel. Tatsächlich erfreut man sich als Besucher an der (selbst)ironischen Trotzigkeit, mit der Maria Anwander und Ruben Aubrecht einen mehrseitigen Brief der städtischen Kulturabteilung (MA7) - eine Absage auf ihre Bewerbung für einen Förderpreis - gerahmt und so zu einem Kunstwerk erklärt haben, das dann derselben Kulturabteilung als Schenkung überreicht wurde und als solche nun im MUSA zu sehen ist.

Freilich darf das Nachdenken über die Kommerzialisierung in einer Schau, die sich mit dem Museumsbetrieb auseinandersetzt, ebenfalls nicht fehlen. "Wertschöpfungskette" heißt das Kapitel. Schön subtil ist beispielsweise ein kleines Tafelbild, das sich bei näherem Betrachten als eine Fülle aufgeklebter oranger Stickerpunkte erweist. Sie werden in Galerien dazu verwendet, ein Werk als verkauft zu deklarieren ("Ohne Titel (Sold)" von Wendelin Pressl). Expliziter fällt indes Susanne Schudas Videoinstallation "Selbstinszenierung" aus. Wenn sich die Künstlerin dabei filmen lässt, wie sie einen Bankomat anbettelt, nackt vor einer Galerie liegt oder gegen eine Litfaßsäule mit einem Essl-Plakat zur Ausstellung "Made in Austria" donnert, braucht es nicht mehr viel Begleittext in Sachen Kunst und Kapital.

Zu sehen ist die abwechslungsreiche Schau bis 13. Jänner 2018. Dann sollte auch schon die angekündigte Verschmelzung des MUSA, derzeit an die MA7 angegliedert, mit dem städtischen Wien Museum über die Bühne gegangen sein. "Das wird mit Jahreswechsel passieren", sagte MUSA-Direktor Berthold Ecker heute der APA. Die Autonomie des Hauses, das keinen Eintritt verlangt, soll aber erhalten bleiben. Es befindet sich seit Sommer 2007 neben dem Rathaus und hat seit seiner Eröffnung laut Ecker 36 große Ausstellungen gezeigt. Die Startgalerie zur Förderung noch unbekannter Künstler und das Entlehnservice "Artothek" sind ebenfalls Bestandteil des Hauses.

Quelle: APA

Aufgerufen am 24.09.2018 um 12:05 auf https://www.sn.at/kultur/wiener-musa-feiert-sein-zehn-jahr-jubilaeum-17140075

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