Kultur

Wiener Philharmoniker glänzten bei Salzburger Mozartwoche

Die Art und Weise, wie die Wiener Philharmoniker Mozart interpretieren, gilt längst nicht mehr als die einzige, aber sie ist nach wie vor gültig. Aus gutem Grund waren die drei Konzerte bei der Salzburger Mozartwoche im Großen Festspielhaus so gut wie ausverkauft. So auch am Samstagabend, als Adam Fischer ans Pult der Philharmoniker ging und zweimal Joseph Haydn und einmal Mozart dirigierte.

Markantester Unterschied zu den vielen Ensembles moderner Mozart-Interpretation ist der Klang. Während nicht nur die Orchester mit Originalinstrumenten, sondern auch Ensembles mit Stahlsaiten auf den Geigen und modernen Bögen die Ecken und Kanten der Partitur herausarbeiten und durchaus schroffe Töne anschlagen, pflegen die Philharmoniker den Schönklang in Samt und Seide. Entscheidend dafür sind nicht nur die Instrumente und die typisch "Wiener" Spielweise, sondern vor allem die Größe der Besetzung. Eine der späten Haydn- oder Mozart-Symphonien mit zwölf ersten Geigen und auf der anderen Seite fünf Kontrabässen zu besetzten, erzeugt großflächigen orchestralen Klang, in dem die natürlich nur einfach besetzten Holz- und Blechbläser naturgemäß in den Hintergrund gedrängt werden. Viele Details gehen dabei unter, aber der romantische, groß dimensionierte Gesamtklang hat nach wie vor viele Fans.

Haydn-Spezialist Adam Fischer hat sich von Beginn der "Symphonie mit dem Paukenwirbel in Es-Dur" Hob. 103 gestisch mächtig ins Zeug gelegt. Wichtiger noch: Er hat dabei knackige Tempi angeschlagen und sich trotz des großen Orchesterapparates um Transparenz bemüht. Das Orchester und ihr Dirigent überraschten mit extremen Piani und manchmal deftigen Akzenten, die den philharmonischen Flächensound ein wenig auffrischten. Auch Mozarts große C-Dur-Symphonie "Jupiter" - wohl eines der meist gespielten Werke der Orchesterliteratur überhaupt - hatte "Zug nach vorne" und klang durchaus leidenschaftlich und inspiriert.

Von Haydns Cello-Konzert in D-Dur kann man das hingegen nicht behaupten. Zwar verfügte Solist Steven Isserlis mit dem "Marquis de Corberon" von Antonio Stradivari, das ihm die Royal Academy of Music zur Verfügung gestellt hat, über ein Instrument der Extraklasse. Abgesehen davon, dass es mit kleiner besetzter Orchesterbegleitung besser zur Geltung kommen würde, muss man auch auf einem Stradivari-Cello sauber spielen. Flinke Finger und theatralische, fast exaltierte Bewegungen mit pathetischem Gestus können gute Intonation und originelle Kadenzen nie und nimmer ersetzen. Aber das Publikum glaubte ihm zu größten Teil, und so waren alle glücklich mit Haydn und Mozart mit Zuckerglasur und sichtbar großem Gefühl.

Quelle: APA

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