Kultur

Wiener Philharmonikerball: Netrebko und Domingo feierten mit

Die Ballsaison hat am Donnerstagabend ihren ersten glanzvollen Höhepunkt erlebt.

Im restlos ausverkauften Musikverein verzauberten die Wiener Philharmoniker die Gäste ihres Hausballs erneut mit der so typischen Mischung aus edler Tradition und beschwingter Lebensfreude. Die Superstars Placido Domingo und Anna Netrebko zierten das Fest zusätzlich.

Traditionsgemäß waren vor allem viele Künstler bei dem Ball zu Gast. Star-Tenor Michael Schade kam ebenso wie Dagmar Koller oder Pianist Rudolf Buchbinder. Die Politik war hingegen eher spärlich vertreten: Neben Kunstminister Thomas Drozda (SPÖ) besuchte das Fest etwa der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) . Dafür schaute der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer als Privatmann vorbei.

Dass die Spitzen des Opernballes anwesend waren, war selbstverständlich: Ist doch Staatsoperndirektor Dominique Meyer Teil des Ballkomitees und Organisatorin Maria Großbauer die Ehefrau vom Vorstand der Wiener Philharmoniker, Andreas Großbauer. Durch ihre neue Aufgabe hat sich aber wenig geändert: "Ich gehe seit etwa 20 Jahren auf den Ball, es ist sehr familiär", sagte die Neo-Organisatorin der APA.

Bei der Eröffnung des Balles griffen die Gastgeber natürlich selbst zu ihren Instrumenten. Mit der "Ausseer Fanfare" von Gottfried Ritter von Freiberg und der traditionellen "Wiener Philharmoniker-Fanfare" begleitete das Orchester die Ehrengäste musikalisch in den zu einem prachtvollen Tanzsaal umgebauten Goldenen Saal. Anschließend wurde dem 175er Jubiläum des Orchesters Rechnung getragen: Die Wiener Philharmoniker spielten die Ouvertüre ihres Gründers Otto Nicolai zu "Die lustigen Weiber von Windsor" unter Dirigent Semyon Bychkov.

Die über 100 Tanzpaare des Jungdamen- und Jungherren-Komitees eröffneten den Abend mit dem Walzer "Die Schönbrunner" von Joseph Lanner, sowie der "Tik-Tak Polka" von Johann Strauß Sohn. Die Debütantinnen trugen erneut eine Haarspange in Form eines Violinschlüssels aus Swarovski-Kristallen - heuer in dem Farbton "blue shadow". Einstudierung und Leitung lagen einmal mehr in den erfahrenen Händen von Thomas Schäfer-Elmayer. Dem Tanzmeister oblag zudem wieder die Leitung der Publikumsquadrillen um Mitternacht und um 2.00 Uhr früh. Zuvor gab er aber einmal mit den magischen Worten "Alles Walzer" das Parkett für die Gäste frei.

Dem Motto des 76. Balles "Vergangenheit. Gegenwart. Zukunft" entsprechend wurde auch die Jugend stark in den Abend miteinbezogen. Schon im Foyer begrüßten junge Musiker des philharmonischen Nachwuchsförderprogramms "Angelika-Prokopp-Sommerakademie" gemeinsam mit ihren Tutoren der Wiener Philharmoniker die Gäste musikalisch. Im "Makart-Atelier", sonst bekannt als Gläsernen Saal des Musikvereins, spielte das Salonorchester des Musikgymnasiums Wien, über das die Wiener Philharmoniker die Patronanz haben. In dem Atelier trat mit Star Countertenor Max Emanuel Cencic ("Ich lade gern mir Gäste ein" aus der Fledermaus) aber auch ein Vollprofi auf. Der Vergangenheit wurde im neuen "PORR-Spiegelsaal" gedacht, wo rund 100 Fotos aus der Geschichte der Wiener Philharmoniker und ihrer Dirigenten zu sehen waren.

Der erste Ball der Wiener Philharmoniker fand am 4. März 1924 statt und mauserte sich sehr schnell zu einem der Höhepunkte der Ballsaison. Er wurde bisher 70 Mal im Wiener Musikverein veranstaltet. Nach einer kriegsbedingten Pause wurde die edle Veranstaltung ab 1949 erneut ein jährlicher Fixpunkt des Wiener Faschings. Einmal fiel der Ball seither aus: 1991 wurde das Fest - ebenso wie der Opernball - kurzfristig wegen des Golfkrieges abgesagt.

Quelle: APA

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