Kultur

"Wonder Woman": Ein wahrhaft wehrhaftes Weib

Die Comicverfilmung "Wonder Woman" ist ein Meilenstein - nicht nur, was das Superheldenkino betrifft.

Es gibt einen Moment in "Wonder Woman" (ab Donnerstag im Kino), in dem Diana Prince (gespielt von der charismatischen israelischen Schauspielerin Gal Gadot) mit einem Mal zu Wonder Woman wird: im Dreck eines französischen Schützengrabens an der Westfront des Ersten Weltkriegs, zwischen sterbenden Soldaten, verzagten Offizieren und elenden Zivilistinnen, die aus ihrem eingekesselten Dorf vertrieben wurden. "Wir haben keine Zeit, jedem Einzelnen zu helfen", versucht ihr Mitstreiter Steve Trevor (Chris Pine) Diana klarzumachen. Doch sie streift ihren schweren Mantel ab, steigt die Leiter hinauf ins mörderische Niemandsland und stellt sich mit Schwert, Fäusten und Göttinnenkräften den Kugeln der Deutschen entgegen. Es ist, natürlich, ein aussichtsloser Kampf, auf das große Ganze gesehen, auf das Heil der Menschheit hin. Doch es ist eben das, was Superheldinnen und Götter tun, nämlich für die unwürdige, kleinliche, eitle Menschheit den Kopf hinhalten, denn es gibt doch Dinge wie Solidarität und Freundschaft, womöglich Liebe, die wert sind, gerettet zu werden.

Es ist der erste Kinofilm um Wonder Woman aus dem Universum von DC Comics, dem auch Superman und Batman angehören. Und er ist ein Ausnahmefall in der aktuellen Superheldenkinoschwemme.

Endlich einmal darf eine Heldin die Welt retten, und sie macht das ausgesprochen gut: Diana Prince ist die Tochter der Amazonenkönigin Hippolyta (Connie Nielsen), von ihrer Mutter "geformt aus Ton, dem Zeus Leben eingehaucht hat", die Amazonen leben versteckt vor der Welt auf dem sonnigen Eiland Themyscira, wo sie für den Kriegsfall trainieren und ansonsten ohne Männer ein überaus fröhliches Dasein pflegen. Bis dann, Diana wurde von ihrer Tante, der Generalin An tiopa (fantastisch: Robin Wright), längst zur Kriegerin trainiert, eines Tages ein Mann vom Himmel fällt.

Der Fliegerpilot Steve Trevor ist auf der Flucht vor der deutschen Kriegsmarine, Diana rettet ihn, doch seine Ankunft holt auch den Weltkrieg auf Themyscira. Und Diana beschließt, mit Steve zu gehen, um den Kriegsgott Ares und seine menschlichen Handlanger (darunter Elena Anaya als Giftgasmischerin Doctor Poison) zu töten und damit Krieg für alle Zeit aus der Welt zu schaffen.

"Wonder Woman" ist bedeutungsvoll in vielerlei Hinsicht: Noch nie zuvor hat es einen Film um eine Superheldin mit angemessen großem Budget gegeben. Allerdings hatte das Filmstudio so wenig Vertrauen in den Erfolg des Films, dass mit Regisseurin Patty Jenkins kein Vertrag für einen Nachfolgefilm ausverhandelt worden war. Das könnte nun recht teuer werden.

Und noch nie hat ein Film unter der Regie einer Frau am US-Startwochenende so viel eingenommen: Patty Jenkins hatte zuletzt fürs Fernsehen gearbeitet ("The Killing", "Entourage") und war 2003 mit dem Mörderinnendrama "Monster" aufgefallen, für das Charlize Theron den Schauspiel-Oscar bekommen hatte.

Die Entscheidung für Jenkins als Regisseurin ist ein Glücksfall, sie dreht die Konventionen von weiblichen Figuren in Comicverfilmungen auf den Kopf und erzählt von Diana als anmutiges, starkes Mädchen mit Humor, das in einer reinen Frauengemeinschaft herangewachsen ist, gebildet, fröhlich und voller Neugierde auf die Welt. So berückend schön Gal Gadot als Wonder Woman ist, nie wird sie zum Objekt begieriger männlicher Blicke, stattdessen wird ihr interessierter Blick inszeniert auf den schönen Flieger Steve und seinen spektakulären Körper. Dass so eine Umkehrung immer als Witz verstanden wird, macht Schaugewohnheiten nur umso deutlicher.

Zuvorderst aber ist "Wonder Woman" ein Film, der unterhalten soll, und das tut er, trotz einer Länge von fast zweieinhalb Stunden, fast durchgehend, mit fantastischen Actionszenen, fürchterlichen deutschen Bösewichten, aufschlussreichen Dialogen und authentischem Schmäh.

In einer epochalen Szene kämpfen die stolzen Amazonen gegen die angreifenden Deutschen: Pfeile fliegen, Kugeln sausen durch die Luft, links und rechts fallen Kriegerinnen und Soldaten. Und bei den Zuschauerinnen beschlagen die 3D-Brillen vor Rührung und Begeisterung darüber, endlich einmal wahrhaft wehrhafte Weiber auf der Leinwand zu sehen.

Film: Wonder Woman. Comicverfilmung, USA 2017. Regie: Patty Jenkins. Mit Gal Gadot, Chris Pine, Elena Anaya, Gal Gadot, Robin Wright, Connie Nielsen, Danny Huston. Start: 15.6.

Quelle: SN

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