Woran ist Agnes Husslein gescheitert?

Gerne wäre Agnes Husslein Direktorin im Belvedere geblieben. Doch mit Jahresende muss sie gehen.

Autorenbild
Kunst & Kultur in Österreich und auf der ganzen Welt Hedwig Kainberger

Soeben noch hat Agnes Husslein mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei für Furore gesorgt. Nun aber sagt Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), er sehe keine Möglichkeit mehr, dass das Belvedere mit ihr an solche Erfolge anschließen könne.

Soeben noch hat das Kuratorium des Belvedere einstimmig den Verbleib der Direktorin empfohlen und dessen Vorsitzender Hans Wehsely verglich die ihren Verfehlungen angemessene Kritik mit einer "Klassenbucheintragung". Nun aber ist Hans Wehsely zurückgetreten und Agnes Husslein muss mit Jahresende das Belvedere verlassen. Ein Rechtsgutachten im Auftrag des Ministeriums konstatiert sogar, ihre Verfehlungen hätten mehrere Entlassungsgründe ergeben, doch das Kuratorium habe alles geduldet, manches sogar seit Langem.

Das größte Museum für österreichische Kunst vom Mittelalter bis heute ist offenbar von einem Schlamassel umzingelt, das in einem Punkt dem Finanzskandal des Burgtheaters gleicht: Die Kontrolle funktioniert nicht. Da wird seit Jahren für Bundestheater und Bundesmuseen mit Begriffen wie Compliance und Governance herumgedoktert, es gibt Gesetze und Geschäftsordnungen, zudem Richtlinien und Codices, doch ein jahrelanges unkorrektes Agieren der Direktorin konnte oder wollte niemand sehen.

Ist Agnes Husslein an diesem Durcheinander gescheitert? Nein. Ihr Verhalten hat diese Mängel in der staatlichen Kulturverwaltung - insbesondere den Aufsichtsorganen - nur aufs Neue sichtbar werden lassen. Ihrer Schlampigkeit bei Spesen und beim Einsatz von Mitarbeitern in ihrem Privatbereich steht eine auch dem Belvedere zugutekommende Großzügigkeit gegenüber. Trotzdem: Dieses hochmütige, selbstherrliche Verwischen von beruflichen Zahlungen und privatem Nutzen ist Gift in einem Betrieb, für den Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit deshalb streng gelten, weil die Subventionen gegenüber Bürgern zu verantworten sind.

Nicht wegen einer Spesenabrechnung oder einer in der Privatwohnung ausgetauschten Druckerpatrone muss Agnes Husslein gehen. Es ist die jahrelange Ansammlung derartiger Ungenauigkeiten. Nicht weil Agnes Husslein eine oft uncharmante, manchmal vielleicht despotische Chefin ist, sondern als Vorgesetzte von Dienstnehmern, die - bei sonstiger Entlassung - einzuhalten haben, was sie für sich selbst nicht genau nimmt, ist sie unglaubwürdig geworden.

Trotzdem ist es schade um diese tatkräftige, energische, enthusiastische Direktorin.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 07:50 auf https://www.sn.at/kultur/woran-ist-agnes-husslein-gescheitert-1215412

Schlagzeilen