Kultur

World Press Photo Ausstellung startet im Wiener WestLicht

Das Wiener Fotomuseum WestLicht lässt ab Freitag mit Pressefotografien der "World Press Photo Exhibition 2017" das vergangene Jahr Revue passieren.

Burhan Ozbilici, The Associated Press: Mevlüt Mert Altıntas nach seinem Mord an Andrey Karlov, dem russischen Botschafter in der Türkei, in einer Galerie in Ankara, Türkei, 19. Dezember 2016. SN/AP
Burhan Ozbilici, The Associated Press: Mevlüt Mert Altıntas nach seinem Mord an Andrey Karlov, dem russischen Botschafter in der Türkei, in einer Galerie in Ankara, Türkei, 19. Dezember 2016.

Die Bandbreite der Fotos reicht von US-amerikanischen Olympiasportlern zu Armenvierteln in Brasilien.

Die Konflikte in der islamischen Welt und die Flüchtlingskrise dominieren heuer erneut den Wettbewerb.

Seit der "World Press Photo Contest" 1955 von der World Press Photo Foundation initiiert wurde, vereint die jährliche Wanderausstellung meist nachdenklich stimmende Bilder, die das Weltgeschehen dokumentieren.

So habe sich die Jury heuer wegen "der Explosivität des Bildes", die den derzeit verbreiteten Hass auf den Punkt bringe, aus den über 80.000 eingereichten Beiträgen für das Siegerfoto entschieden, begründet Jury-Mitglied Mary F. Calvert in den Presseunterlagen die Wahl.

Der Schnappschuss des Fotografen Burhan Ozbilici zeigt den triumphierenden Mevlüt Altintas direkt nach seinem Attentat auf den russischen Botschafter, dessen Leiche im Hintergrund zu sehen ist.

Dieser war in Ankara zu Besuch gewesen, um die strategische Partnerschaft zwischen Türkei und Russland zu stärken, nachdem diese im syrischen Bürgerkrieg gegnerische Parteien unterstützt hatten.

"Mein Gehirn hat gut reagiert. Ich dachte, es wäre ein Wunder, wenn ich überlebe. Durch die Fotos wäre ich nicht umsonst gestorben", antwortet Ozbilici auf die Frage nach der Entstehung der Fotoserie.

Den Effekt guter Aufnahmen zu nutzen, um die Leute aufmerksam zu machen, sei als Fotojournalist Teil der Berufsehre - demnach sei es keine Option gewesen, sich zu verstecken.

Im Vergleich zum Siegerfoto mutet eine junge Aktivistin im Sommerkleid, die sich bewaffneten Polizisten gelassen entgegenstellt, beinahe friedlich an.

Mit diesem Verweis auf die Demonstrationen gegen die wiederholte Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA gewann der Fotograf Jonathan Bachman den ersten Platz in der Kategorie "Aktuelle Themen".

"Eine der wichtigsten Aufgaben der Fotografie ist es, zum Dialog anzuregen", sagte Bachman am Freitag bei der Presseführung.

Ebenso berührend, aber deutlich emotionaler, verdeutlichen die beiden Siegerfotos der Kategorie "Reportagen" die nahegehende Verzweiflung von Kindern aus Krisengebieten.

Während einen Laurent Van der Stockts Aufnahme den Schrecken eines völlig verängstigten Mädchens bei einer Hausdurchsuchung förmlich spüren lässt, löst die Betrachtung des Porträts Santi Palacios, das ein Geschwisterpaar in fassungsloser Trauer über den Verlust der Mutter zeigt, beim Betrachter Schauer aus.

Diese und weitere ausgewählte Werke der heuer 45 prämierten Fotografen aus 25 Ländern sind bis 22. Oktober im WestLicht zu sehen. Am 4. Oktober ist dort rechtzeitig vor den Nationalratswahlen eine Podiumsdiskussion angesetzt, die näher auf meinungsbildende Fotografie im Wahlkampf eingeht.

(S E R V I C E - "World Press Photo 2017", Ausstellung im Westlicht, bis 22. Oktober, tgl. 11-19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, Katalog zur Ausstellung, Till Schaap Edition 240 S., 24,80 Euro, www.westlicht.com)

Quelle: APA

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