Leben

Beauty: Duft in voller Blüte

Düfte sind wie Accessoires, also auch ein Spiegel der Gesellschaft. Liest man sie so, erzählen die Neuheiten von einer großen Sehnsucht nach Beständigkeit, aber auch von der Lust auf Neues.

Ungeachtet aller Widrigkeiten entfaltet die Natur nun nach und nach ihre Pracht. Wer seine Sinne auf Empfang schaltet, wird bemerken, dass alles nicht nur in ein freundliches Licht getaucht ist, sondern dass auch alles neu und frisch, gleichzeitig aber auch tröstlich und vertraut duftet. Nicht nur die Luft, auch das Licht erscheint wie in weichen, köstlichen Duft getaucht. Der Lauf der Natur - derzeit eine der wenigen Konstanten.

Ähnlich wie Farben sind Düfte Meister der Manipulation. Sie lenken unsere Wahrnehmung und bereichern den Alltag um eine zwar unsichtbare, dafür aber umso emotionalere Dimension. Ein Umstand, den sich die aktuellen Duftneuheiten zunutze machen.

Flower-Power im Flakon

Luftig, leicht und frisch, blumig und vor allem cosy - so präsentieren sich die Trenddüfte für den Frühling. Ein Meer von Blüten - allen voran die Rose in vielen Varianten, aber auch Jasmin, Magnolien, Pfingstrosen, Lavendel, Freesien, Iris, Lilien, Tuberosen, Mohnblumen, Gardenien, Orangenblüten und Hibiskus - steht bereit, um die zarteste und romantischste aller Jahreszeiten zu untermalen. Fruchtige Komponenten wie Zitrone, Bergamotte, Mandarine, Apfel, Birne, allerlei Beeren, Rhabarber oder Granatapfel fehlen ebenso wenig wie würzige (etwa Salbei oder Pfeffer). Die Basis bilden feine Hölzer wie Sandel- oder Zedernholz, Cashmeran, Tonkabohne, Amber, Patschuli, Vanille und Moschus.

More of the same? Ja, bitte!

Kommt einem irgendwie bekannt vor, nicht wahr? Ist es auch. Das liegt zum einen am Duftvokabular des Frühlings, das leichte, frische, optimistische Noten favorisiert. Und es liegt an den sogenannten Flankern. Als Flanker werden Variationen von Düften, die sich auf dem Markt bereits etablieren konnten, bezeichnet. Hat ein Duft Potenzial, wird aus dem Eau de Parfum ein Eau de Toilette und umgekehrt, Intense- und Sparkling-Varianten sind ebenso Programm wie Légère- und Fraîche-Versionen sowie Limited Editions. Bekannte Düfte lassen sich so ein bisschen neu, aber - was Kunden sehr mögen - noch mehr angenehm vertraut erleben. Ein zarter Hauch von Sicherheit in unsicheren Zeiten. Ein zarter Hauch Sicherheit ist das selbstverständlich auch für die Hersteller, denn die Neuentwicklung eines Dufts kostet viel Zeit und noch mehr Geld. Mitunter sind diese Düfte tatsächlich "more of the same", manchmal aber auch nicht, wie etwa "Mon Guerlain Eau de Parfum Sparkling Bouquet" von Guerlain oder "Narciso Eau Néroli Ambrée" von Narciso Rodriguez, um nur zwei zu nennen, beweisen.

Ganz anders als die anderen

Es geht natürlich auch ganz anders. Dann sind meist Manufakturen am Werk und Marken großer Konzerne, die in ein nicht ganz so enges Marketing-Korsett geschnürt sind. Oder es handelt sich um ganz große Namen wie Chanel, Louis Vuitton, Tom Ford, Lancôme oder Acqua di Parma, die sich den Luxus wahrer Exklusivität leisten, die dann auch sehr exklusiv (etwa in den eigenen Boutiquen oder in ausgewählten Parfümerien) vertrieben wird. Hier haben Parfümeure in der Regel freie Hand. In der Kreation wird der Schwerpunkt auf Klasse gelegt, das traditionelle Handwerk wird zelebriert, Kosten und Zeitdruck sind von untergeordneter Bedeutung. Was zählt, ist allein der Duft. Der mit Sicherheit anders ist als das, was unter dem Begriff "Trendduft" in den Parfümerien zu kaufen ist. Diese Art Duft ist aufregend, exzentrisch, exzessiv, ja mitunter grauenhaft - über Geschmack lässt sich hier trefflich streiten -, dafür aber nie langweilig.

Aufgerufen am 23.06.2021 um 07:01 auf https://www.sn.at/leben/beauty-duft-in-voller-bluete-101820820

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