Leben

Der Duft des Regens

Während die Tropfen sanft auf den Boden fallen, steigt mit der klaren Luft ein besonderer Duft in die Nase. Es ist der wunderbare Geruch des Regens.

Wenn Regentropfen auf den Boden fallen, wird ein Stoff produziert, den wir Menschen sofort riechen. SN/shutterstock/ase
Wenn Regentropfen auf den Boden fallen, wird ein Stoff produziert, den wir Menschen sofort riechen.

Der Duft ist gut, das Wetter schlecht? Wir bringen also einen unverwechselbaren Duft sofort mit dem Regenwetter in Verbindung und das mögen wir. Den Regen selbst bezeichnen wir dennoch klassisch als "schlechtes Wetter".

Regen wirkt wie Antidepressiva

Ein Spaziergang im Regen ist nur beim ersten Gedanken eine unmögliche Kombination. Bei näherer Betrachtung ist ein kleiner Slalom durch die Tropfen eine wunderbare Sache. Denn wer hätte das gedacht, dem Geruch folgt das Glück, der Regen hebt die Stimmung ungemein und das sofort. Der Regen hat sogar dieselbe Wirkung wie Antidepressiva. Wie effektiv die Regentropfen gegen Depressionen arbeiten, haben Forscher der Columbia University in New York anhand einer Studie herausgefunden. Das liegt an den vielen negativ geladenen Ionen, die mit den Tropfen vom Himmel fallen. Über den Atem gelangen sie in den Kreislauf und setzen dort einen Prozess in Gang, der Stresssymptome mildert. Das gibt uns Energie, damit fühlen wir uns gut. Nebenwirkungen fehlen dem Regen übrigens. Dass man von Regen krank wird, ist ein Mythos. Im Gegenteil, er kurbelt unser Immunsystem an - solange unsere Haut warm bleibt, auch wenn sie nass ist. Die Durchblutung läuft und bringt die körpereigenen Abwehrzellen dorthin, wo sie gebraucht werden.

Regen schult Balance und Koordination

Die Wahrheit über den Regen ist: In der richtigen Dosis genossen ist er sehr gut für uns und das nicht nur in Sachen Pflanzenwachstum. Warum das so ist, hat sehr viele Gründe, der Regen wirkt sich auch positiv auf den Körper aus. Eine Wasserlacke reicht aus, um unserem Körper neue Fähigkeiten zu entlocken. Automatisch kalkulieren wir, was da auf unserem Weg liegt. Wie groß ist das Hindernis? Wie tief? Genügt ein großer Schritt, um es zu umgehen oder braucht es einen Sprung? Im Regen balancieren wir, das Gleichgewicht suchen wir anders als sonst im Alltag. Somit benutzen wir andere Muskeln und wir bauen neue Nervenverbindungen auf. Wir schulen unsere Balance und unsere Koordination. Der Regen macht sogar die Haare schön, denn dem Regenwasser fehlt der Kalk, es ist weich und eine tolle Abwechslung für unsere Frisur.

Duft des Regens als Parfum

Der Duft des Regens hat einen eigenen Namen: Petrichor. Er entsteht aus der Verbindung der Tropfen mit der Erde und den Pflanzen. Aerosole wirbeln in die Luft und schaffen es bis in unsere Nase. Ätherische Öle und chemische Prozesse sind dafür verantwortlich, dass wir den Regen mit unseren Nasen spüren können.
In den 1960er-Jahren haben Wissenschaftler den Duft des Regens erforscht und herausgefunden, dass vor allem ein Stoff namens Geosmin eine große Rolle dabei spielt. Das ist ein Alkohol, den Mikroorganismen produzieren. Er wird freigesetzt, wenn die Regentropfen auf den Boden fallen und wir riechen ihn sofort. Der Mensch kann kleinste Partikel davon wahrnehmen, ist hochsensibel auf diesen Stoff. Im Duft des Regens, vermischt mit den ätherischen Ölen der Pflanzen, lieben wir ihn. Geosmin wird für die Parfumproduktion isoliert. In Indien wird ein traditioneller Duft hergestellt, der an den Regen erinnert. Er ist bekannt unter dem Namen "Mitti Attar". Doch im Wein oder im Wasser, wo wir Geosmin auch sofort erkennen, mögen wir das nicht. Auch die typische erdige Note von Roten Rüben ist auf Geosmin zurückzuführen.

Regen als Antwort auf Social Distancing

Um all die positiven Wirkungen des Regens voll und ganz auszukosten, müssen Sie sich nicht nackt vor die Türe stellen und einen Regentanz machen. Nein, es funktioniert auch mit Gummistiefeln, Regenjacke und einem Schirm in der Hand. Der Regen ist zeitlos, es gibt ihn zu jeder Jahreszeit und er kommt auch nie aus der Mode. Ja und selbst zum Thema Social Distancing hat der Regen die Antwort parat: Wo der Regen ist, da sind naturgemäß nicht viele Menschen zu sehen. Bei einem Regenspaziergang hat man seine Ruhe und damit die Natur, die Umgebung, für einen Moment die ganze Welt, nur für sich alleine. Und was ist noch schöner als einsam? Zweisam! Und dann könnte man's ja wie Keira Knightley und Orlando Bloom machen. Ihr Kuss im Regen in "Pirates of the Caribbean" zählt zu den romantischsten Filmszenen überhaupt.

Aufgerufen am 28.10.2021 um 02:34 auf https://www.sn.at/leben/der-duft-des-regens-107131582

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