Leben

Der Tausendsassa aus dem Marmordorf

Peter Schörghofer aus Adnet kann als Alleskönner bezeichnet werden. Zunächst erlernte er das Handwerk des Käsers und war als Landwirt tätig, bevor er sich ganz der bildenden Kunst widmete - und seine große Leidenschaft gilt der Musik.

Wer die Werkstatt von Peter Schörghofer in Adnet betritt, bekommt gleich einen Eindruck vom vielfältigen Schaffen des Bildhauers. Zahlreiche Skulpturen und Heiligenfiguren aus unterschiedlichen Materialien wie Holz oder Stein schmücken den Raum. Er arbeitet gerade an einer Muttergottes mit Kind für eine Hauskapelle. Peter Schörghofer ist seit 1992 freischaffender Bildhauer.

Begonnen hat alles mit ein paar Schnitzeisen - ein Geschenk von Lorenz Schnöll, einem begnadeten Krippenschnitzer, der die Begeisterung für die bildende Kunst bei Peter Schörghofer in jungen Jahren weckte. Dem Wunsch der Eltern entsprechend musste er jedoch einen "ordentlichen" Beruf erlernen. So absolvierte er im nahe gelegenen Käsereibetrieb eine Lehre als Käser und machte sich auf dem elterlichen Hof nützlich. Das Schnitzen ließ ihn nicht los und er beschäftigte sich nebenbei in der Werkstatt des Großvaters - der den Beruf des Wagners ausübte - mit dem Herrgott-schnitzen. "Das war damals ein lukratives Geschäft, denn viele wollten einen Herrgott für ihre Stuben", sagt der Künstler.

Von großer Bedeutung für seinen künstlerischen Werdegang war ein mehrjähriges Praktikum in der Bildhauerwerkstatt von Jakob Adlhart d. J. († 1985). Dort erwarb er sich Fähigkeiten im Figurenschnitzen, Fassmalen und Vergolden - die Zeit beim "Altmeister des Expressionismus" hat ihn besonders geprägt.

Bedeutende Werke aus dieser Zeit - an denen er maßgeblich beteiligt war - sind die Christusfigur aus Bronze auf dem Halleiner Friedhof, die Erneuerung der sechs Genien im Toscaninihof in Salzburg und die Restaurierung des "Adlhart-Kreuzes" in der Eingangshalle des Kollegs St. Benedikt der Erzabtei St. Peter in der Stadt Salzburg.

Seine Vorliebe gilt der sakralen Kunst, wobei der Krippenbau einen großen Stellenwert einnimmt. Besonders stolz ist er auf die Schaffung der Kuchler Marktkrippe aus Zirbenholz.

"Die bevorzugte Holzart für meine Schnitzarbeiten ist aber die Linde - sie liefert ein weiches, schlichtes Holz ohne starke Zeichnung", betont der Künstler.

Peter Schörghofer gibt seine Erfahrungen auch gerne an Interessierte weiter. So leitet er beispielsweise seit dreißig Jahren Krippenschnitzkurse im Stift Reichersberg in Oberösterreich und unterstützt die heimische Jugend beim Schnitzen von Krampus- und Perchtenmasken.

Neben der bildenden Kunst ist er auch leidenschaftlicher Musiker. Viele Jahre war er Kapellmeister bei der Adneter Ortsmusik - heute nimmt er eine tragende Rolle als Klarinettist ein.

Der Adneter Marmor ist für den im Marmordorf beheimateten Künstler ein häufig verwendeter Werkstoff. Erst kürzlich schuf er eine Skulptur für den Adneter Friedhof, wobei zwei übergroße Marmorblöcke aus dem örtlichen Kirchenbruch ein kupferbeschlagenes Lärchenkreuz flankieren - das Kunstwerk soll die Auferstehung Christi darstellen.

Der Künstler erinnert sich an eines der wohl kuriosesten Details - es ist eine Kirchenmaus, die er in die Ornamentik der neuen Kirchenorgel in der Filialkirche St. Ulrich in Scheffau einbauen musste.

Peter Schörghofer denkt auch mit 72 Jahren noch lange nicht ans Aufhören. "Zu viele Ideen schwirren in meinem Kopf herum", sagt der Künstler, während er der Madonna den letzten Schliff verleiht.

 
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Aufgerufen am 18.05.2022 um 11:33 auf https://www.sn.at/leben/der-tausendsassa-aus-dem-marmordorf-118174387

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