Leben

Ein Kranz bringt Licht ins Leben

Der Adventkranz verströmt Hoffnung und soll das Dunkel der Vorweihnachtszeit vertreiben.

Brennt die vierte Kerze, ist der Hl. Abend nicht mehr weit. SN/pexels
Brennt die vierte Kerze, ist der Hl. Abend nicht mehr weit.

Bereits in der Antike hatte der Kranz die Funktion eines Siegeszeichens. Symbol für den keineswegs aussichtslosen Kampf des christlichen Menschen gegen das Dunkle des Lebens soll auch der mit vier Kerzen geschmückte Adventkranz sein.

Die zunehmende Erhellung symbolisiert die Vorfreude auf 'das Licht der Welt', also die Geburt Jesus Christus. Der Kreis dient als Symbol des ewige Lebens und Tannengrün als Zeichen der Frömmigkeit und Hoffnung.

Während es heute Adventkränze in vielen Farben und Formen gibt, wurden ursprünglich meist rote oder violette Kerzen verwendet. Rot symbolisiert das Blut Jesus Christi, violett das priesterliche Gewand.

Junger Brauch

Diese schöne Sitte ist übrigens ein sehr junger vorweihnachtlicher Brauch, der noch zu Beginn unseres Jahrhunderts in vielen Familien unbekannt und keineswegs der Vorläufer des Weihnachtsbaums war. Der evangelische Theologe Johann Wichern (1808 bis 1881) gründete 1833 das sogenannte "Rauhe Haus" in Hamburg, das für obdachlose Kinder und Jugendliche ein Heim war. Hier wurden die Kinder und Jugendlichen, besonders aber die Burschen, umsorgt. Es wurde ihnen ermöglicht, einen Beruf zu erlernen, wobei die meisten Schuhmacher, Maler, Schneider oder Gärtner wurden. Um den Kindern eine Freude zu machen und gemeinsam die Tage bis zum heiligen Abend zu zählen, entwarf Wichern einen Kranz mit vier großen und 20 kleinen Kerzen.

Holzreif mit 24 Kerzen

Schon für eine Andacht am 1. Advent des Jahres 1838 bezeugen die Tagebücher des jungen Wichern die Benutzung von kranzförmig aufgestellten, bunten Wachskerzen. In den 1840er-Jahren wurde auf den Kronleuchter des Betsaales vom 1. Advent an jeden Tag ein Licht mehr angezündet. Weil den Jungen dieser Holzreif mit den 24 Kerzen so gefiel, schmückten sie ihn mit Tannenzweigen als Zeichen für das Leben. Allmählich hat sich die Sitte des Adventkranzes von Norddeutschland weiterverbreitet.

Der Siegeszug des Adventkranzes

Der Brauch hielt in den Folgejahren Einzug in immer mehr evangelische Gemeinden und ab Anfang des 20. Jahrhundert dann verstärkt in katholische Kirchen. Dort wurden die Kränze jedoch meist mit 4 Kerzen geschmückt, für jeden Sonntag eine. In den Privathäusern war ein Kranz mit 24 Kerzen eher unpraktisch, daher setzte sich auch hier die Variante mit 4 Kerzen durch. Heute wird der Kranz mit den verschiedensten Dekorationsartikel geschmückt. Von getrockneten Früchten wie Äpfel und Orangen bis hin zu Zimtstangen, Christbaumkugeln und Schleifen.

Aufgerufen am 16.01.2022 um 11:18 auf https://www.sn.at/leben/ein-kranz-bringt-licht-ins-leben-112714015

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