Leben

Eine Lehre in der Apotheke: Männer sind die Ausnahme

Schon am Schnuppertag war Jonas klar: Er will Menschen helfen und eine Lehre zum pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten (PKA) machen.

Regale befüllen und in Ordnung halten gehört zu Jonas’ vielfältigen Aufgaben. Für den Fototermin nahm Jonas seine FFP2-Maske ausnahmsweise ab, ansonsten wird sie in der Apotheke seit Beginn der Coronapandemie immer getragen. SN/Chris Hofer
Regale befüllen und in Ordnung halten gehört zu Jonas’ vielfältigen Aufgaben. Für den Fototermin nahm Jonas seine FFP2-Maske ausnahmsweise ab, ansonsten wird sie in der Apotheke seit Beginn der Coronapandemie immer getragen.

In der Polytechnischen Schule waren sie schon überrascht. Das erzählt Jonas aus Mondsee über die Reaktionen seiner Schulkollegen, als er ihnen sagte: "Ich mache eine Lehre in der Apotheke." Verwundert waren die Mitschüler, weil sie selbst nie an diese Berufswahl gedacht hätten. Männliche Angestellte sind in den österreichischen Apotheken selten. Lehrlinge zumeist weiblich. Laut WKS-Lehrlingsstelle gibt es im ganzen Bundesland nur 6 männliche Lehrlinge im Lehrberuf pharmazeutisch-kaufmännischer Assistent (PKA). Bei den Frauen sind es 113.

Jonas hatte bis zu seiner Berufswahl PKA selbst auch kaum einen männlichen Angestellten in einer Apotheke erlebt. Als Kind hatte er öfters etwas aus der Apotheke gebraucht. Der Gang dorthin ist ihm in positiver Erinnerung geblieben: "In einer Apotheke wird man beraten, was dem eigenen Körper hilft. Mich hat immer schon der Mensch interessiert. Darum habe ich meinen Schnuppertag hier in der Apotheke gemacht."

Schulmedizin, aber auch Alternatives

Es blieb bei diesem einen Schnuppertag, was im "Poly"-Jahr doch ungewöhnlich ist. Denn Jonas bewarb sich und erhielt seine Lehrstelle. Seit zweieinhalb Jahren lernt er nun in der Apotheke zum heiligen Martin am Marktplatz in Straßwalchen. Seine Freunde, die Mechaniker, Tischler oder Versicherungskaufmann lernen, finden seine Berufswahl inzwischen "klasse". Wenn sie krank sind, können sie jetzt Jonas anrufen, um ihn um Rat zu fragen.

"Mich hat schon immer der Mensch interessiert." Jonas, PKA-Lehrling

Im dritten Lehrjahr hat der Mondseer bereits viel gelernt. Die Schulmedizin steht im Vordergrund, doch auch Alternatives empfiehlt er Kunden bei bestimmten Beschwerden oder Krankheiten. Noch geschieht seine Arbeit unter Anleitung durch seine Chefin, Apothekeninhaberin Katharina Bürgl-Rößlhuber, und die weiteren Angestellten. Jede kleine Tätigkeit muss mit Bedacht und Fachwissen ausgeführt werden. Als Jonas mit einer kleinen Edelstahlschaufel getrocknete Kräuter für einen Hustentee in Säckchen für den Verkauf abfüllt, erklärt er: "Die Kräuter muss man im richtigen Verhältnis mischen und danach richtig abfüllen." Als das duftende bunte Kräutergemisch abgepackt ist, verschließt er die große Kräuterdose und bringt sie wieder an ihren Platz im hinteren Bereich der Apotheke.

In Apotheken wird mit Waren besonderer Art gearbeitet, im Bild Kräuter. SN/Chris Hofer
In Apotheken wird mit Waren besonderer Art gearbeitet, im Bild Kräuter.

Hier hinten geschieht ein großer Teil der Arbeit. Jonas fertigt hier aromatherapeutische Produkte an. Er mischt Salben zur Linderung verschiedenster Beschwerden und verkapselt Mikronährstoffe. Was hier geschieht, sieht die Kundschaft nicht. Ebenso wenig, wie die Medikamente oder deren Bestandteile bestellt, angeliefert, kontrolliert und behandelt werden. Man arbeitet mit Waren besonderer Art und die benötigen besondere Behandlung.

Bei den Kundinnen und Kunden ist es ähnlich, denn auch sie haben besondere Bedürfnisse. Kommen sie doch, weil es ihnen nicht gut geht und sie vom Apotheker oder der Apothekerin Hilfe erwarten. Er oder sie muss für diesen Beruf neben großer Lernbereitschaft jedenfalls menschliche Qualitäten mitbringen. Jonas fasst die Anforderungen so zusammen: "Du musst das Interesse für diese Arbeit mitbringen, sozial sein und mit Menschen umgehen können."

Jonas an der Tara. SN/Chris Hofer
Jonas an der Tara.

Das gilt besonders für das Kundengeschäft an der Tara, wie die Verkaufstheke in Apotheken heißt. "Wer eine PKA-Lehre machen will, braucht ein großes Herz", bringt es Katharina Bürgl-Rößlhuber auf den Punkt. Und viel Aufmerksamkeit. Schließlich geht es um Gesundheit. Sauberkeit und Genauigkeit seien am wichtigsten in der täglichen Arbeit, erklärt die Pharmazeutin, die seit Jahren Landeslehrlingsbeauftragte der Salzburger PKA-Lehrlinge ist. Woran man nicht gleich denkt, ist die kaufmännische Ausbildung, die die Lehrlinge erhalten. Pharmazeutisch-kaufmännische Assistentinnen und Assistenten können auch im Großhandel, in der Pharmabranche oder im Büro arbeiten, da ihr Beruf auch ein kaufmännischer ist. Der Computer ist ein zentraler Bestandteil der PKA-Arbeit. "Wir haben ein sensationelles Computernetz, über das wir die Medikamente bestellen, sie mit der Österreichischen Gesundheitskasse abrechnen und die Daten unserer Kundschaft sicher verwalten", beschreibt die Lehrlingsbeauftragte. Die meisten ausgelernten jungen Frauen und Männer bleiben laut ihr auch nach der Lehrabschlussprüfung in der Apotheke, weil sie diese Arbeit erfüllt. Eine Apotheke zu übernehmen ist nur möglich, wenn zuvor ein Pharmaziestudium absolviert wurde. Pharmazeutinnen und Pharmazeuten erledigen die Hauptarbeit in einer Apotheke, doch PKA seien ein grundlegender Teil der Belegschaft und hätten eine "Riesenverantwortung", so Bürgl-Rößlhuber. PKA können sich in verschiedene Richtungen fortbilden. Die Kurse reichen von Teemischungen und Aromatherapie bis hin zur Warenwirtschaft. Ein weiterer Aspekt ist die Dekoration in der Apotheke. Das Erscheinungsbild muss nicht nur topgepflegt sein, sondern auch ästhetisch ansprechend sein.

Eine Salbe wird gerührt. SN/Chris Hofer
Eine Salbe wird gerührt.

In der Straßwalchener Apotheke arbeiten neben Jonas drei weitere Männer im zwölfköpfigen Team. Viele Jugendliche wüssten nicht über den Beruf Bescheid, sieht Bürgl-Rößlhuber als einen Grund dafür, warum so wenige junge Männer PKA lernen. Corona brachte große Herausforderungen für die Belegschaften von Apotheken. Sie mussten und müssen Flagge zeigen, dass sie für die Bevölkerung da sind, und das den ganzen Tag lang mit FFP2-Maske. Doch man halte sehr zusammen, schildert die Apothekerin.

Jonas bereitet sich auf sein nächstes Ziel vor, die Lehrabschlussprüfung. Ende März beginnt wieder die Berufsschule in St. Johann, wo er sein praktisches und theoretisches Wissen vertieft. Die Schule ist anspruchsvoll. "Wenn der Wille da ist, ist sie zu schaffen", sagt Jonas. In seinem Jahrgang sind 16 junge Frauen und immerhin schon vier junge Männer.

Bei Bürokaufleuten ist rund ein Viertel der Lehrlinge männlich

Bürokaufmann Fabiano. SN/ses
Bürokaufmann Fabiano.

Ein wenig tut sich auch bei den Bürokaufleuten. Laut WKS gibt es im Bundesland (Stand 2021) 393 weibliche Lehrlinge und 99 männliche. Einer davon ist Fabiano. Er arbeitet bei SES Spar European Shopping Centers. Der 17-jährige Salzburger ist zufrieden mit seiner Berufswahl: "Ich wollte nicht mehr weiter in die Schule gehen, sondern praktisch arbeiten. Handwerklich bin ich nicht so geschickt - im Büro bin ich sehr gut aufgehoben." Seine Eltern haben beide die Lehre als Bürokauffrau bzw. -mann absolviert.

"Im Büro bin ich sehr gut aufgehoben. Bürojobs finde ich nicht weiblich." Fabiano, Bürokaufmannlehrling

Fabiano arbeitet in der Abteilung Retail Estate Development, in der unter anderem Shopping-Quartiere für sechs Länder entwickelt werden, und bekommt Einblicke in andere Abteilungen. Er meint: "Man sollte nicht so schwarz-weiß denken und technische Berufe als männlich und Bürojobs als weiblich bezeichnen. Ich sehe den Lehrberuf weder als weiblich noch als männlich an." In der SES-Zentrale ist der 17-Jährige derzeit der einzige Lehrling. Mit den Arbeitskollegen und -kolleginnen versteht er sich gut. Bei internen Lehrlingsveranstaltungen kommen alle Lehrlinge aus dem kaufmännischen Bereich aus der SES-, Spar- und Interspar-Zentrale in Salzburg und von Hervis zusammen. Fabiano: "Hier bin ich weit nicht der einzige männliche Lehrling."

 
Sie wollen mehr zu dem Thema erfahren? Dann lesen Sie weitere Artikel in der Beilage „Karriere - Zukunft - Lehre“ – ab 26. März kostenlos in der SN-App.

Download für Tablets/Smartphones
Die App für iPad/iPhone können Sie über folgenden Link auf Ihrem Gerät installieren:


Die App für Android Tablets/Smartphones können Sie über folgenden Link auf Ihrem Gerät installieren:

Die App für Amazon Kindle Fire Tablet können Sie über folgenden Link auf Ihrem Gerät installieren:

 

Aufgerufen am 21.05.2022 um 02:50 auf https://www.sn.at/leben/eine-lehre-in-der-apotheke-maenner-sind-die-ausnahme-118867276

Kommentare

Schlagzeilen