Gesundheit

Augen verraten früh die Schäden der Zuckerkrankheit

Mit einem automatischen digitalen Netzhaut-Screening und ohne Hilfe des Augenarztes lässt sich Diabetes am Auge diagnostizieren.

Symbolbild SN/dpa
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Zurzeit gibt es in Österreich 600.000 Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind. Die weiteren Fakten dazu sind erschreckend: Alle 50 Minuten stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen des Diabetes. Das sind 10.000 Menschen im Jahr. Die meisten Todesfälle sind auf Herzinfarkt und Schlaganfall zurückzuführen.
Jedes Jahr werden in Österreich 2500 Amputationen an Patienten mit Diabetes mellitus vorgenommen. Das sind 62 Prozent aller Amputationen. Jedes Jahr werden 300 Menschen mit Diabetes wegen ihres Nierenversagens dialysepflichtig. Das sind 26 Prozent aller Patienten mit neuer Dialysepflichtigkeit. Jedes Jahr erblinden in Österreich 200 Menschen als Folge des Diabetes mellitus.

Je früher die Therapie einsetzt, desto besser

Diabetes und seine Folgeschäden frühzeitig zu erkennen, hilft den Patienten, weil er früher und damit effizienter medizinisch behandelt werden kann. An der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Wien wird für die Netzhaut-Therapie künstliche Intelligenz eingesetzt: "Genau vor einem Jahr haben wir darüber gesprochen, dass es künftig möglich sein wird, mit einem automatischen, digitalen Netzhaut-Screening und ohne Hilfe des Augenarztes Diabetes am Auge zu diagnostizieren - zwölf Monate später sind wir an der MedUni
Wien mittendrin in dieser digitalen Revolution", das sagte Ursula Schmidt-
Erfurth, Leiterin der Universitätsklinik. Die Algorithmen seien genauer und schneller. Das, was hier analysiert werde, könne der Experte mit freiem Auge nicht mehr erkennen.

Grundsätzlich lassen sich alle Stadien der diabetischen Netzhauterkrankung mit dieser Methode erkennen - dabei werden hochauflösend binnen Sekunden digitale Netzhautbilder mit zwei Millionen Pixel aufgenommen und analysiert - erkennen, aber Big Data macht noch mehr möglich: Weitere 50 andere Erkrankungen könne man heutzutage bereits auf diese Weise diagnostizieren.

Diabetes ist der Anfang

An der Universitätsklinik für Innere Medizin II, in der Klinischen Abteilung für Kardiologie unter der Leitung von Christian Hengstenberg, wird etwa daran gearbeitet, mit Hilfe dieser digitalen Netzhautanalyse in Zukunft auch kardiovaskuläre Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren zu können.

Martin Hülsmann, Kardiologe an der MedUni Wien bzw. im AKH Wien, arbeitet seit vielen Jahren in klinischen Studien mit den Netzhautexperten zusammen. Ihn interessiert, wie die Algorithmen anhand von Gefäßveränderungen an der Netzhaut ohne jede invasive Intervention eine genaue Beurteilung der Herz- und Kreislaufsituation liefern können: "Bluthochdruck, Diabetes und sogar das Risiko, in Zukunft einen Herz- oder Hirninfarkt zu erleiden, kann individuell und präzise bestimmt werden. Damit bietet diese Technologie einen wesentlichen Beitrag zur Diagnose von kardiovaskulären Erkrankungen und das lange bevor das gefürchtete Ereignis überhaupt eintritt. Dies ist die Sicherheit, die wir uns für Tausende von Patienten auch in der täglichen Routine wünschen."

Quelle: SN

Aufgerufen am 10.08.2020 um 12:06 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/augen-verraten-frueh-die-schaeden-der-zuckerkrankheit-61423924

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