Gesundheit

Bewegung stärkt Patienten mit Krebserkrankungen

Mediziner raten zu einer Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining, mehrmals pro Woche.

Symbolbild SN/Robert Ratzer
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Radtouren über 500 Kilometer pro Woche oder ausgedehnte Wanderungen waren für die Berlinerin Gisela Osuch-Trogisch lange Jahre selbstverständlich. Doch eine Krebserkrankung und ihre Folgen stellten das Leben der sportlichen Rentnerin plötzlich komplett auf den Kopf. "Selbst die drei Treppenstufen in meine Wohnung waren schon zu viel", erinnert sich die 67-Jährige an die Nachwirkungen der Behandlung.

Starker Gewichtsverlust, Muskelabbau und Erschöpfung führten dazu, dass sie kaum noch Kraft hatte. Doch Sport und Bewegung haben ihr geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Heute, zwei Jahre später, fährt sie wieder Fahrrad, macht Yoga, besucht eine Sportgruppe und geht wandern. "Ich habe etwa 80 Prozent meiner früheren Leistungsfähigkeit erreicht", sagt die ehemalige Erzieherin.

"Sport kann nicht die medizinische Behandlung ersetzen, aber ist eine ganz wichtige unterstützende Maßnahme", sagt Martina Schmidt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, anlässlich des Weltkrebstages an diesem Dienstag. Die Bewegung könne nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit aufrechterhalten oder wieder aufbauen, sondern auch Nebenwirkungen wie die starke Erschöpfung mildern oder vorbeugen.

Mittlerweile sei es bei den Patienten angekommen, dass Sport generell guttue, sagt Schmidt. "Eine Befragung von uns hat gezeigt, dass eine übergroße Mehrheit der Krebspatienten Sport als sehr wichtig erachtet." Doch bei der Umsetzung hapere es teilweise noch.

"Die Krebspatienten sind ein Spiegel der Gesellschaft", weiß die Berliner Sporttherapeutin Anke Popowski, die seit Jahren mit ihnen arbeitet. Einige Menschen seien hoch motiviert und blieben dies auch. Anderen hingegen falle es schwer, sich aufzuraffen, gerade wenn sie unter dem Fatigue-Syndrom, der starken Erschöpfung, litten. "Der Krebs macht ja auch seelisch etwas mit den Patienten, das ist schon anders als nach einer Hüftoperation", betont Popowski.

"Generell gilt: Was Spaß macht, ist gut. Jede Bewegung ist besser als keine", sagt Forscherin Schmidt. Aber der Sport müsse der jeweiligen Situation angepasst sein. "Da sollten Patienten immer Rücksprache mit dem Arzt halten, um Aspekte wie frische Narben, Begleiterkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem zu berücksichtigen", betont sie. Allgemein sei eine Mischung aus Ausdauer- und Kraftsport gut, wenigstens zwei bis drei Mal pro Woche für jeweils etwa 30 Minuten. "Man darf sich auch ruhig mal ein bisschen anstrengen und aus der Puste kommen."

Doch warum wirkt sich Sport so positiv aus? "Es gibt nicht den einen Mechanismus, sondern die Wirkung ist vielschichtig. Allgemein gehen wir davon aus, dass Sport unter anderem über die Verbesserung der Fitness, also von Herz-Kreislauf, Lungenfunktion und Muskelfunktion, oder die Stärkung des Immunsystems wirkt", sagt Schmidt.

Nicht zuletzt wirke sich der Sport auch auf die Psyche der Krebspatienten aus, betont sie. "Patienten gewinnen wieder Vertrauen in den eigenen Körper und haben das Gefühl, selbst aktiv zu werden. Das ist oft wichtig, denn bei der Therapie sind sie oft in der passiven Rolle - es wird etwas mit ihnen gemacht, man fühlt sich ausgeliefert."

Quelle: SN, Dpa

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