Gesundheit

Biokost ist doch gesünder

Biologisch angebaute Lebensmittel haben mehr Nährstoffe als konventionell gezüchtete.

Biokost ist doch gesünder SN/fotolia/monticello
Biokost hat mehr gesunde Inhaltsstoffe, sagt die neue Studie.


Seit Jahren streiten Wissenschafter heftig. Nun scheint der Kampf vorläufig entschieden zu sein: Biologisch angebaute Lebensmittel enthalten mehr gesunde Inhaltsstoffe und weniger Schadstoffe als konventionell angebautes Obst, Gemüse und Getreide. Die neue Studie ist der umfassendste Vergleich, der je zum Nährstoffgehalt von biologischen und konventionellen Lebensmitteln durchgeführt wurde. Das Ergebnis zusammengefasst: Biokost hat mehr Antioxidantien, mehr Vitamin C und Carotinoide, dafür nur halb so viel Cadmium und weniger Pestizidrückstände. Der Gehalt an wichtigen Antioxidantien sei in biologisch angebauten Nutzpflanzen und daraus verarbeiteten Produkten bis zu 60 Prozent höher als in konventionellen, stellten die Forscher fest. Das sei so, als esse man zwei bis drei Portionen Obst und Gemüse pro Tag mehr.

Autoren aus Großbritannien, Frankreich, Polen, den USA und der Schweiz hatten unter der Leitung der Universität Newcastle in Großbritannien 343 Studien zu den Inhaltsstoffen von biologisch und konventionell angebauten Feldfrüchten ausgewertet. Carlo Leifert, Studienleiter und Professor für biologische Landwirtschaft an der Universität Newcastle, erklärt, wie er zu dem Ergebnis kam: "Die weitaus größere Datenbasis ermöglicht es uns jetzt, besser geeignete statistische Methoden einzusetzen und so bessere Schlüsse zu den Unterschieden zwischen biologisch und konventionell angebauten Feldfrüchten zu ziehen." Verschiedene Inhaltsstoffe untersuchtDie Wissenschafter untersuchten für die Gesundheit relevante Inhaltsstoffe wie sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, Antioxidantien und Vitamine, Spurenelemente, Pestizide, Nitrit und Nitrat, giftige Schwermetalle wie Cadmium, Arsen und Blei. Sie berücksichtigten Studien, die konventionelle und biologische Anbaumethoden verglichen, wie auch Feldversuche und Tests, bei denen Lebensmittel aus beiden Anbauformen überprüft wurden.

Die Konzentration des Schwermetalls Cadmium, das sich in menschlichen Organen anreichern kann, liegt bei den ökologischen Feldfrüchten im Durchschnitt 48 Prozent tiefer, auch bei Gesamtstickstoff (zehn Prozent), Nitrat (30 Prozent) und Nitrit (87 Prozent) sind die Werte niedriger. Höhere Nitritwerte etwa sollten in Lebensmittel nicht vorkommen. Denn im Körper kann diese Stickstoffverbindung zu krebserregenden Nitrosaminen umgewandelt werden. Bei Blei und Arsen konnten die Wissenschafter keine Unterschiede feststellen. Zudem zeigt die Studie, dass Pestizidrückstände bei konventionellen Kulturen vier Mal so wahrscheinlich sind. Bei Früchten waren die Unterschiede am größten, bei Gemüse fielen sie geringer aus. "Die Debatte um biologischen oder konventionellen Anbau wird nun seit Jahrzehnten geführt. Doch das Ergebnis dieser Studie ist überragend", sagt Carlo Leifert. Für ihn ist sie allerdings erst ein Startpunkt. "Wir konnten zeigen, dass es einen Unterschied gibt. Doch nun brauchen wir dringend kontrollierte Studien mit Menschen, wie sich das auf die Gesundheit auswirkt", stellt er fest. Dies könnten Interventionsstudien sein mit zwei Gruppen, die sich über längere Zeit biologisch oder konventionell ernähren, oder sogenannte Kohortenstudien, mit denen viele Tausend Menschen zu Ernährungsgewohnheiten und Gesundheit untersucht werden. Sind Pestizide gesundheitsschädlich?Viele wissenschaftliche Diskussionen haben außerdem noch lange nicht zu einem verbindlichen Ergebnis geführt. So ist nicht eindeutig geklärt, ob Antioxidantien wirklich den erhofften positiven Effekt als Krebsschutz haben. Nicht geklärt ist, ob Pestizide - unter strikter Einhaltung der Grenzwerte - gesundheitsschädlich sind.

Die Ergebnisse der neuen Untersuchung widersprechen einer 2009 von der amerikanischen Food Standards Agency (FSA) in Auftrag gegebenen Studie. Die Forscher der Universität Stanford stellten damals fest, dass es keinen substanziellen Unterschied oder signifikanten ernährungsphysiologischen Nutzen durch biologische Lebensmittel gibt. Bio zu essen verringere aber das Risiko, Pflanzenschutzmittel zu sich zu nehmen, hieß es. Die Wissenschafter wählten 223 Untersuchungen aus, die entweder den Nährstoffgehalt oder die Belastung mit Bakterien, Pilzen oder Pestiziden verglichen. 17 Studien - darunter sechs klinische Versuche - betrachteten zusätzlich Gruppen, die sich biologisch oder herkömmlich ernährten.

Die neue Studie wurde im Fachjournal "British Journal of Nutrition" veröffentlicht. Finanziert wurde sie durch das sechste Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission und den britischen Sheepdrove Trust, der Projekte für Nachhaltigkeit, Artenvielfalt und biologischen Anbau fördert.

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