Gesundheit

Den "Blues" kann man nicht rausschwitzen

Bewegung tut dem Körper und der Seele gut. Eine echte Depression könne Bewegung aber nicht lindern, sagen Mediziner.

Depression ist eine der häufigsten Ursachen, den Arzt aufzusuchen. Obwohl Antidepressiva eine effektive Behandlung darstellen, suchen sowohl viele Patienten als auch behandelnde Ärzte nach Begleitmaßnahmen oder einer anderen nicht medikamentösen Form der Therapie. Sehr oft wird Sport empfohlen. Die bei ausreichender körperlicher Anstrengung ausgeschütteten Hormone sollen das Gemüt des Patienten aufhellen.

Stimmt, hilft aber nicht auf Dauer - und schon gar nicht bei einer Depression. Das sind die Ergebnisse einer neuen Studie. Der britische Forscher Glyn Lewis sagte dazu auf einem Symposium in Wien: "Die Symptomatik der Depression kann durch körperliche Bewegung nicht verbessert werden. Oder anders gesagt: Den ,Blues‘ kann man leider nicht einfach so ausschwitzen." Die Studie hatte zum Ziel, die Effektivität eines Programms zur Erhöhung der körperlichen Aktivität bei Patienten mit Depression in der hausärztlichen Versorgung zu erfassen. Alle 360 Patienten mit der Diagnose Depression setzten ihre bestehende Behandlung inklusive Medikation fort. Eine Gruppe erhielt ein strukturiertes Programm zur Förderung körperlicher Aktivität mit zusätzlicher Kontaktaufnahme von Experten zur Unterstützung. Gemessen wurden die Symptomatik der Depression nach vier Monaten sowie die Anzahl der verwendeten Antidepressiva.

Kein Grund mit dem Sport aufzuhörenDie Ergebnisse zeigen, dass die Sportgruppe tatsächlich körperlich aktiver war. Es konnte jedoch kein Effekt auf die Symptomatik der Depression oder auf die (geringere) Verwendung von Antidepressiva festgestellt werden. Lewis meint nun, dass die Symptomatik der Depression durch eine erhöhte körperliche Aktivität mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verbessert werden könne. Forscher der Universität Tübingen kamen zu einem anderen Schluss, allerdings mit Einschränkung: Sie fanden heraus, dass Menschen, die längere Strecken laufen, schwimmen oder Fahrrad fahren - alles über eine Stunde - weniger anfällig für extreme Stimmungsschwankungen sind. Sogenannter Ausdauersport soll einen bestimmten Nervenwachstumsfaktor im Körper beeinflussen, der unter anderem auch als Ursache für Depressionen infrage kommt. Sport tut also gut, auch wenn er nicht heilen kann.

Quelle: SN

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