Gesundheit

Depressive sprechen auf Chemotherapie schlechter an

Wenn es um Neuigkeiten in der Krebstherapie geht, konzentriert sich die Aufmerksamkeit oft ausschließlich auf neue Medikamente.

Symbolbild. SN/www.bilderbox.com
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Doch der Erfolg der Behandlung hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon ist beispielsweise, ob die Patienten (auch) an Depressionen leiden, hieß es vor wenigen Tagen beim Asien-Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) in Singapur.

So hat sich zum Beispiel herausgestellt, dass Patienten mit Depressionen schlechter auf eine Chemotherapie ansprechen als Krebskranke, denen es psychisch besser geht. Das hat eine Studie von Yufeng Wu, Chef der onkologischen Abteilung am Henan Cancer Hospital in China, ergeben, die beim ESMO Asia 2016 Kongress (16. bis 19. Dezember) vorgestellt worden ist.

Die chinesischen Wissenschafter verglichen die Daten zum Verlauf der Krebserkrankung bei 186 Patienten mit neu diagnostizierten bösartigen Tumoren mit jenen zu deren psychischer Verfassung. Gleichzeitig wurden Labordaten zur Konzentration des BDNF-Proteins (Brain Derived Neurotrophic Factor) im Blut gesammelt. Eine niedrige BDNF-Konzentration ist auch ein Hinweis auf das Vorliegen von Depressionen.

Depressionen und Krebserkrankung sind offenbar wie die sprichwörtliche Katze, die sich in den Schwanz beißt: Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung waren am depressivsten. Gleichzeitig reduzierte das auch die Verträglichkeit einer notwendigen Chemotherapie. Es zeigten mehr Nebenwirkungen (Erbrechen, Immunschwäche) und im Durchschnitt längere Spitalsaufenthalte. Gleichzeitig war die Dauer bis zum Fortschreiten der Krebserkrankung unter Chemotherapie bei depressiven Krebspatienten kürzer. Höhere BDNF-Werte konnten auch mit einem besseren Ansprechen des Tumors auf die Zytostatika durch mehr abgetötete Krebszellen beobachtet werden. "Unser Ziel ist es jetzt, Antidepressiva wie Fluoxetin bei depressiven Patienten zu verschreiben und dann die Sensitivität auf die Chemotherapie zu untersuchen", sagte Wu.

An sich sind Depressionen und Angstzustände sehr häufig die Folge von Krebs. Laut einer malaysischen Studie von Shridevi Subramaniam (Nationales Malaysisches Forschungszentrum in Kuala Lumpur) zeigten 37 Prozent von Patienten, bei denen eine Krebserkrankung neu diagnostizier worden war, Depressionen und Angstzustände. Die Hälfte von ihnen fühlte sich durch anstehende Entscheidungen über die Therapie belastet.

Zu den wesentlichen psychologischen Faktoren, die mitbestimmend für das Schicksal von Krebspatienten sind, gehört auch deren Entschlusskraft, sich mit Beschwerden auseinanderzusetzen. "Verzögerungen bis zum Erstellen einer Diagnose haben einen deutlichen Effekt auf die Behandlung", sagte Ravitejy Miriyala, indischer Krebsspezialist aus Chandigarh. So warteten die Patienten, welche in einer Studie befragt wurden, nach dem Auftreten von Symptomen im Durchschnitt vier Monate, bis sie erste Schritte setzten, um diese abklären zu lassen. Im Durchschnitt dauerte es sechs Monate bis zur Aufnahme einer Therapie.

An den Verzögerungen können aber auch Allgemeinmediziner als Erstansprechpartner beteiligt sein. Wenn sie Patienten erst mit Verspätung zu Fachärzten oder ins Spital überweisen, verschlechtern sie die Chancen der Betroffenen. Je länger es jedenfalls bis zur Diagnose dauerte, desto seltener wurde schließlich noch eine potenziell heilende Therapieform gewählt.

Quelle: APA

Aufgerufen am 22.09.2018 um 09:15 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/depressive-sprechen-auf-chemotherapie-schlechter-an-580924

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