Gesundheit

Eigenbluttherapie: Behandlung mit Patientenblut

Eine Eigenbluttherapie gilt als besonders verträglich, da das eigene Patientenblut, beziehungsweise das blutblättchenreiche Plasma, in die zu behandelnde Stelle injiziert wird. Bei Sportverletzungen, Sehnen- und Muskelverletzungen sowie Arthrose wird die Eigenbluttherapie häufig als alternative Therapiemethode herangezogen. Wie wirksam ist Eigenblut und wer darf die Behandlung durchführen?

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Was ist eine Eigenbluttherapie?

Bei der  Eigenbluttherapie werden die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und unterstützt, indem aufbereitetes Patientenblut, beziehungsweise körpereigene Wirkstoffe in konzentrierter Form, zurück in den Körper gespritzt werden. Das Eigenblut unterstützt die Regeneration der betroffenen Stelle.

Woher kommt die Eigenbluttherapie?

Schon seit mehreren tausend Jahren wird Blut als Heilmittel angesehen. Zurückgeführt wird die ‚moderne‘ Behandlung mit Eigenblut auf den Berliner Chirurgen Prof. August Bier. Dieser untersuchte Anfang des 20. Jahrhunderts die Wirkung von Eigenblut auf den Heilungsprozess von Knochenbrüchen.

Wie läuft eine Eigenbluttherapie ab?

In der Orthopädie wird vor allem die PRP-Behandlungsmethode eingesetzt (Platelent-rich Plasma). Hier wird zu Beginn eine kleine Menge Blut aus den Venen des Patienten entnommen. Danach wird das Patientenblut in einer Zentrifuge aufbereitet und die Blutkomponenten getrennt. Dadurch werden folgende drei Bestandteile seperiert:

  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
  • Blutplättchenarmes Plasma (Thromozytenarm)
  • Blutplättchenreiches Plasma – PRP (Thrombozytenreich)

Durch das Trennverfahren wird der körpereigene Wirkstoff (Thrombozyten) in konzentrierter Form gewonnen. Das PRP wird in die Problemstelle des Patienten injiziert. Es transportiert einen hohen Gehalt an Proteinen und Wachstumsfaktoren, welche auf das Gewebe einwirken und die Regeneration der Zellen unterstützen.

Neben der PRP-Therapie gibt es vor allem im Feld der Heilkunde Methoden, die vor der Injektion eine Anreicherung des Blutes mit homöopathischen Mittel oder Sauerstoff vorsehen.

Wie wirkt die Eigenbluttherapie – was passiert dabei im Körper?

Nachdem das Patientenblut in die drei Komponenten (rote Blutkörperchen, blutplättchenarmes Plasma, blutplättchenreiches Plasma) geteilt wurde, enthält das PRP eine ca. 3- 8-fache Thrombozytenmenge. Die wachstumsfördernden Proteine wirken stimulierend auf die körpereigenen Zellen und regen zur Selbstheilung an.

Welche Nebenwirkungen hat die Eigenbluttherapie?

Diverse Studien zeigen deutlich die Verträglichkeit einer Eigenbluttherapie auf. Da das PRP aus dem Blut des Patienten gewonnen wird, gilt die Therapie als besonders risikoarm. Nebenwirkungen wie zum Beispiel allergische Reaktionen können ausgeschlossen werden.

Wann ist eine Eigenbluttherapie sinnvoll?

Das Einsatzgebiet von Eigenbluttherapie ist mittlerweile sehr vielseitig. In der Orthopädie findet Eigenbluttherapie unter anderem bei Sehnenverletzungen, Tennis- und Golfellbogen, Bandscheibenverletzungen oder bei Arthrose Verwendung. Im Sport ist die Therapie besonders beliebt, da das PRP am Ort der Verletzung für eine bessere Durchblutung des Gewebes sowie eine schnelle Wundheilung sorgt.

„Also meiner Erfahrung nach werden bei mittelgradiger Kniearthrose, Tennisellbogen und Sehnenschmerzen nach einer Sportverletzung gute Ergebnisse erzielt. Jedoch ist auch bei anderen Gelenken mit Arthrose eine Schmerzreduktion zu beobachten. Es muss vorher immer genau geklärt werden, ob der Patient beziehungsweise die Beschwerden für diese Behandlung geeignet sind“, erklärt der Salzburger Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Dr. Florian Johannes Hofmann.

Kann eine Eigenbluttherapie bei Arthrose helfen?

Arthrose ist eine Gelenkserkrankung, die meist mit Schmerzen bei Belastungen der betroffenen Stellen einhergeht. Besonders häufig ist das Knie, die Hüfte sowie Schulter und Sprunggelenke betroffen. Die üblichen Behandlungsmethoden sehen vor, dass sich der Gelenksverschleiß nicht verschlimmert und die Schmerzen verringert werden. Bevor Operationen empfohlen werden, wird versucht mit konservativen Methoden, wie Krankengymnastik, Gehstützen und Wärme (Heizkissen, Bäder, etc.) die Symptome zu lindern.

Als weitere Behandlungsmethode hat sich in den letzten Jahren die Eigenbluttherapie hervorgetan. Wie auch bei der Behandlung von Muskel- oder Sehnenverletzungen, wird dem Patienten dabei Blut entnommen, dieses wird zentrifugiert und das PRP in die betroffene Stelle injiziert. Diverse Studien haben ergeben, dass bei Patienten die am Knie behandelt wurden, eine schmerzlindernde Wirkung einsetzte. Die Therapie sorgt für eine bessere Durchblutung der lädierten Stelle und unterstützt somit die Beweglichkeit des Gelenkes.

Die Therapie gilt somit als erfolgversprechende Alternative zu anderen Behandlungsmethoden. Keine signifikanten Ergebnisse wurden bei der Behandlung von Arthrose an der Hüfte erzielt.

Kann eine Eigenbluttherapie bei Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall helfen?

Rückenschmerzen sind das Volksleiden Nummer 1. Oftmals sind diese auf die Bandscheiben zurückzuführen. Ein Bandscheibenvorfall kann im unteren Lendenwirbelsäulenbereich, an der Halswirbelsäule oder der Brustwirbelsäule auftreten. Bandscheiben sind quasi die Stoßdämpfer zwischen der Wirbelsäule – kommt es zu einer Verformung der Bandscheibe oder tritt Gewebe aus, drückt dies auf die umliegenden Nervenwurzeln und kann somit Schmerzen verursachen.

Im Journal of Spine Surgery wurden in einem Beitrag aus dem Jahr 2018 mehrere Studien angeführt, welche sich mit dem Einfluss von PRP auf Schmerzen im Wirbelsäulenbereich beschäftigten. Hinsichtlich Bandscheibenvorfälle lagen zu diesem Zeitpunkt noch keine repräsentativen Studienergebnisse vor. Eine Behandlung von Bandscheibenvorfällen mit Eigenblut ist in Österreich möglich.

Aus dem gleichen medizinischen Fachbeitrag geht hervor, dass PRP als erfolgversprechende Behandlungsmethode bei Rückenschmerzen gilt. Mehrere Studien haben Patienten, die unter Rückenschmerzen litten mit Eigenblut behandelt und ihre Ergebnisse veröffentlicht. In den Studien gaben durchschnittlich rund 2/3 der Patienten eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes an. Der Schmerz lies deutlich nach, wodurch die Patienten den Alltag wieder aktiver gestalten konnten.

Wer darf eine Eigenbluttherapie durchführen?

In Österreich wird die Eigenbluttherapie hauptsächlich von Orthopäden und in der orthopädischen Chirurgie zur Behandlung von Sportverletzungen wie Tennisellbogen, Sehnen- und Muskelverletzungen sowie gegen Gelenkbeschwerden und Arthrose eingesetzt.

Auch in der plastischen Chirurgie sowie unter Heilpraktikern wird die Eigenbluttherapie zur Behandlung von z.B. Haarausfall, Falten, Erkältungskrankheiten, Allergien, Migräne und Erschöpfungszustände eingesetzt. Je nach Anwendungsgebiet kann das Verfahren der Blutaufbereitung nach der Blutabnahme abweichen.

Aufgerufen am 20.10.2020 um 06:18 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/eigenbluttherapie-anwendung-bei-sportverletzungen-und-arthrose-was-passiert-im-koerper-90809827

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