Gesundheit

Einheitlicher Kostenzuschuss für Physiotherapie

Mit 1. September sind die Kostenzuschüsse für Physiotherapien in jenen vier Bundesländern ohne Verträgen zwischen Gebietskrankenkassen (GKK) und freiberuflichen Therapeuten vereinheitlicht worden. Der rückerstattbare Betrag für eine 30-minütige Einzeltherapie liegt nun bei 16,74 Euro, erläuterte der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Alexander Biach, am Dienstag.

Die Kostenzuschüsse werden erhöht SN/APA (dpa/Symbolbild)/Arno Burgi
Die Kostenzuschüsse werden erhöht

Damit wurden die Zuschüsse in Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark auf das Niveau im Burgenland angehoben. Die Kostenzuschüsse machten laut Biach bisher knapp 25 Millionen Euro im Jahr aus. "Wir erhöhen die 25 Millionen um rund 20 Prozent", sagte er bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Angleichung in den vier Bundesländern koste damit etwa fünf Millionen Euro im Jahr.

In den übrigen fünf Bundesländern bestehen Vertragsverhältnisse zwischen den GKK und insgesamt mehr als 300 freiberuflichen Wahlphysiotherapeuten. Diese Kassen sind gesetzlich verpflichtet, 80 Prozent des Vertragspartnertarifes für die jeweilige Behandlung an ihre Versicherten über eine Kostenerstattung zu refundieren. Der Zeitpunkt für die Bewilligung wurde mit 1. September ebenfalls österreichweit angeglichen und muss nun ab der 21. Anwendung, beziehungsweise jedenfalls ab der siebenten Sitzung erfolgen, erläuterte Biach.

Insgesamt gaben die Krankenkassen im Vorjahr knapp 175 Millionen Euro für Physiotherapie aus. Biach verwies jedoch auf eine Erhebung der Gesellschaft für Physiotherapie und Rehabilitation, die "davon spricht, dass die Einsparungsmöglichkeiten aufgrund verhinderbarer Krankenstände in Österreich im Jahr nur bei physiotherapeutischen Maßnahmen 450 Millionen Euro betragen". Physiotherapie wirke auch vorbeugend.

Außerdem definieren die Krankenkassen inzwischen Bewegung als vorrangige Leistung. Aktive Therapien würden gefördert und ausscheidende Masseure, durch Physiotherapeuten ersetzt, sagte Biach. Die Patienten sollten sich "nicht nur massieren lassen".

Dem pflichtete auch Ex-Skispringer Thomas Morgenstern bei, der drei Wochen nach einem schweren Trainingssturz an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi teilnahm. Es habe eine "harte Therapie" gebraucht und "viel Eigeninitiative, weil 24 Stunden betreut dich der Therapeut auch nicht", sagte der ehemalige Spitzensportler bei der Pressekonferenz, der schlussendlich im Mannschaftsbewerb Silber gewann. "Ich finde, dass Physiotherapie ein sehr, sehr essenzieller Teil in meiner Karriere war." Nun sei er vom Sport weg und müsse sich in Sachen Bewegung selber bei der Nase nehmen, da er wieder erste "Wehwehchen" bemerke, schilderte Morgenstern.

Mit der Vereinheitlichung der Zuschüsse sei ein "erster Schritt" geschafft, es gebe aber weitere Gespräche mit der Bundesregierung. "Unser Ziel ist ganz klar, das Sachleistungsprinzip zu steigern", sagte Biach. Die Kosten für den Patienten sollten automatisch übernommen werden. "Den Großteil der Kosten trägt trotz Zuschuss immer noch der Patient", sagte Constance Schlegl, Präsidentin des Bundesverbandes der Physiotherapeuten. Sie forderte außerdem mehr Transparenz bei den Bewilligungskriterien.

Quelle: APA

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