Gesundheit

Frische Waldluft: Heilung durch einen Waldspaziergang

Ärzte predigten schon seit dem Altertum "Bewegung und frische Luft" als Medizin, denn ein kurzer Waldspaziergang kann wahre Wunder bewirken.

Ein Waldspaziergang eignet sich perfekt um neue Energie aufzutanken. SN/franz kafka
Ein Waldspaziergang eignet sich perfekt um neue Energie aufzutanken.

Frische Luft wurde schon früh als Heilmittel eingesetzt

Liegt es vielleicht daran, dass frische Luft als Therapie zu einfach ist und zumindest solange noch keine Krankheitssymptome aufgetreten sind "nur" Zeit kostet? Das wäre fatal. Denn die frische Luft, vor allem die Waldluft ist gesund und zeigt messbare Ergebnisse. Das ist heute in ausreichendem Maß durch umfassende Studien belegt.
Heiler, Mediziner und Ärzte predigen seit Ewigkeiten ihren erwachsenen Patienten, dass frische Luft die perfekte Medizin für die individuelle Gesundheit ist. Doch die Themen Luft und Bewegung werden einfach nicht beliebter. Der im fünften Jahrhundert vor Christus lebende Arzt Hippokrates hat noch Apoll beschworen in der Hoffnung, dass "seine" an Schmerzen und Alterszipperlein leidenden Griechen ausreichend Bewegungsspielraum und Atemmöglichkeiten erhalten, um jung und gesund bleiben zu dürfen, solange es möglich ist. In der Medizingeschichte aller aufgezeichneten Zeitalter und Nationen gibt es unzählige ähnliche Appelle von Ärzten, die ihre Erfahrungen mit frischer Luft und Bewegung mitteilen konnten.

Nicht jede Luft ist frisch

Wir sind heute angekommen im Zeitalter der Globalisierung und der internationalen Studien. In einer Zeit, in der sich die alte Naturheilkunde und die moderne Medizinforschung langsam, aber doch annähern. In den letzten beiden Jahrzehnten gab es einige aufsehenerregende umfassende Studienergebnisse, die zumindest dem Mythos "frische Luft & Bewegung => Gesundheit" jede Banalität nehmen.
Studien der letzten Jahre warnen: Einerseits geht nichts über Spaziergänge, Walking, Joggen, Entdecken oder Kneippen draußen in der Natur an der frischen Luft. Andererseits wird auch und besonders in Österreich ausdrücklich vor der Feinstaubbelastung gewarnt, die hierzulande oft größer ist als in Industriezentren der USA.
Deshalb: Joggen in der Stadt oder das Walken in der Nähe von hochfrequentierten Straßen tun zwar den Muskeln gut, der Sauerstoffhaushalt im Körper profitiert da aber wohl wenig.
Darum ist ein Spaziergang im Wald um einiges gesünder als in der Stadt.

Der Waldspaziergang entpuppt sich als Heilungsmittel

Raus aus der Stadt und rein in die Natur. Alle Studien sind sich einig, dass die frische Waldluft zahlreiche Krankheiten oder Symptome beim Menschen heilen können. Ein Waldspaziergang wirkt manchmal wahre Wunder, man kann tief durchatmen, die angenehme Kühle genießen und sich an den mächtigen Bäumen ein Vorbild an Gelassenheit nehmen. Gleichzeitig ist ein Waldspaziergang nicht nur gesund sondern auch eine Wohltat für Körper und Geist. Darum sollte man sich bei einem Waldspaziergang Zeit lassen und die Natur in vollen Zügen genießen.
Der Gesundheits- und Erholungseffekt eines Waldspaziergangs ist höher und anhaltender als der Besuch eines Fitnessstudios, fand ein Forscherteam der MedUni Wien heraus. Die Wissenschafter haben dazu alle Erkenntnisse zur Gesundheitswirkung von Waldlandschaften von 1993 bis 2013 zusammengefasst. Weitere Ergebnisse: Regelmäßige Waldspaziergänge stärken Regenerationskräfte und Immunsystem, verbesserten die Schlafqualität und wirken sich harmonisierend auf das Nerven- und Herzkreislaufsystem aus. Stress, insbesondere das Stresshormon Cortisol, wird reduziert und die Stimmung hellt sich auf.
Viele unterschätzen den Spaziergang an der frischen Luft, in Hinblick auf den Kalorienverbrauch. Beispielsweise eine 80 Kilogramm schwere Person verbraucht beim Spaziergang auf einer Distanz von vier Kilometer in einer Stunde ca. 240 Kilokalorien. Würde er die gleiche Distanz in 30 Minuten joggen, verbrennt er ungefähr 320 Kilokalorien. Der Kalorienverbrauch ist deshalb fast gleich.

Terpene stärken das Immunsystem

Wälder hat Österreich sehr viele, allerdings sind die meisten keine Naturwälder, also Urwälder mehr, sondern auf Nutzungsholz angelegt. Trotzdem sind sie, alleine schon beim Erkunden über Spazierwege, Lieferanten von gereinigter Luft und zahlreichen stärkenden "Arzneien", die den Körper stärken, statt ihn zu belasten. Die Stoffe sind zahlreich, die wichtigsten und bislang am häufigsten erforschten heißen Terpene.
Diese Terpene scheinen einen großen Effekt auf das Immunsystem auszuüben. Sie aktivieren die körpereigenen Killerzellen, die notwendig sind, um Erkrankungen zu bekämpfen. Der Grazer Wissenschaftler und Autor Clemens Arvay schreibt dazu: "Bereits ein einziger Tag in einem Waldgebiet steigert die Zahl unserer natürlichen Killerzellen im Blut um fast 40 Prozent." Der Wald ist für Arvay ein Ort, an dem kommuniziert wird. Wurzeln, Stamm, Blätter, Pilze, Nadeln, hier würden für Menschen nicht wahrnehmbare Substanzen und Töne ausgesendet, die eine einmalige Umgebung schaffen würden.
So gilt das "Waldbaden" beispielsweise in Japan inzwischen als anerkanntes Heilmittel bzw. als Methode zur Vorbeugung gegen Krankheiten. In zahlreichen Untersuchungen und Studien hat dort der Umweltimmunologe Qing Li von der Nippon Medical School in Tokio nachgewiesen, dass Terpene wirksam gegen Depressionen, Ängste und Herzkreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden können.

Fünf wunderschöne Waldspaziergänge in Salzburg:

1. Wanderung durch den Henndorfer Wald (Flachgau)
2. Teufelsgraben Seeham (Flachgau)
3. Sturmwald in Uttendorf (Pinzgau)
4. Lammertaler Urwald in St. Martin am Tennengebirge (Pongau)
5. Waldlehrpfad Unternberg (Lungau)

Am Weg zum Lammertaler Urwald. SN/bernhard
Am Weg zum Lammertaler Urwald.


Quelle: SN

Aufgerufen am 14.11.2018 um 01:31 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/frische-waldluft-heilung-durch-einen-waldspaziergang-900826

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