Gesundheit

Hepatitis C lässt sich mit neuen Medikamenten heilen

Heute ist Welt-Hepatitis-Tag. Er soll daran erinnern, dass vor allem die Ansteckung mit dem C-Virus gefährlich sein kann. Doch es gibt wirksame Therapien.

Hepatitis C lässt sich mit neuen Medikamenten heilen SN/APA (dpa)/Arno Burgi
Der Hepatitis C Virus wird über den Blutweg übertragen. Heutzutage geschieht das hauptsächlich durch das gemeinsame Verwenden von Drogenbesteck, beim Tätowieren und Piercen. dpa

Man schätzt, dass etwa drei Prozent der Weltbevölkerung an einer Infektion mit dem Hepatitis C Virus erkrankt sind, das sind etwa 170 Millionen Menschen. In Österreich geht man anhand von internationale Daten davon aus, dass bis zu 80.000 Personen von dieser Lebererkrankung betroffen sind. Zehn bis 20 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis C entwickeln innerhalb von 20 bis 30 Jahren eine Leberzirrhose. Heute ist Welt-Hepatitis-Tag, um daran zu erinnern, dass die Erkrankung gefährlich ist. Derzeit sind fünf Arten von Hepatitisviren bekannt. Hepatitis B und C sind besonders heimtückisch, weil sie einen chronischen Erkrankungsverlauf auslösen.

Der Hepatitis C Virus (HCV) wird über den Blutweg übertragen. Heutzutage geschieht das hauptsächlich durch das gemeinsame Verwenden von Drogenbesteck, beim Tätowieren, Piercen und von der Mutter auf das ungeborene Kind. Seitdem Blutspender und Blutprodukte in Österreich auf HCV gestestet werden, ist - was diesen Ansteckungsweg betrifft - das Ansteckungsrisiko deutlich gesunken. Beinahe die Hälfte der HCV-Patienten wissen nicht wie sie sich mit diesem Virus angesteckt haben.

Die Standardtherapie der chronischen Hepatitis C besteht aus einer Kombination von Interferon alpha und Ribavirin. Interferon alpha ist eine Substanz, die vom Körper selber produziert wird und eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen spielt. Ribavirin ist ein Arzneimittel, das die Vermehrung des HCV und auch mancher anderer Viren hemmt. Mit Hilfe dieser beiden Substanzen soll im Idealfall die Viruslast so weit reduziert werden, dass mittels Bluttest kein Virus mehr nachgewiesen werden kann. Mit Hilfe einer neuen antiviralen Therapie ist es aber möglich, Hepatitis C zu heilen. Die Heilungschancen liegen bei über 95 Prozent, die Therapien haben im Vergleich zur bisherigen Interferon-Behandlung kaum Nebenwirkungen und sind hoch effektiv - die Behandlung dauert nur wenige Wochen.

Therapie soll Hepatitis C bei Süchtigen beenden

Laut den Daten der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle sind rund 50 Prozent der Opiatabhängigen mit intravenösem Konsum in Österreich Hepatitis-C-infiziert. Ein mittlerweile international beachtetes Projekt in Wien könnte dabei helfen, diese Problematik zu beenden.

"Rund 50 Prozent der i.v.-Drogenkonsumenten hatten in Österreich eine Hepatitis-C-Infektion, die Hälfte davon entwickelt eine chronische Infektion", sagte der Beauftragte für Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, Hans Haltmayer.

Die Hepatitis C wird vor allem unter Opiatabhängigen über kontaminierte Spritzen übertragen. Ein hoher Anteil der chronisch Kranken leidet an zunehmenden Leberschädigungen mit Zirrhose, Leberversagen oder Karzinomen als Folge. "Die beste Möglichkeit, alles das zu verhindern, ist natürlich die Verhütung der Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV). Dazu gehört neben der Substitutionstherapie auch das niederschwellige Angebot von Spritzentausch und Tests auf HCV", sagte der Wiener Sucht- und Drogenbeauftragte.

Seit vielen Jahren waren und sind Spritzentauschprogramme ein geeignetes Mittel zur Verhinderung weiterer Infektionen. In Österreich funktioniert das in einigen Ballungszentren, zum Beispiel in Wien. Sterile Einwegspritzen werden an die Suchtmittelabhängigen abgegeben - und bei Retournierung kostenlos ausgetauscht. Haltmayer sagte dazu: "Die Rücklaufquote beträgt 98 Prozent."

Doch wenn einmal eine Hepatitis-C-Infektion erfolgt ist, geht es um etwas anderes: um die Behandlung zur Verhinderung von Komplikationen und um die seit dem Vorhandensein hoch effektiver Arzneimittel mögliche Ausheilung der Krankheit. Das könnte auch ein weiteres Infektionsrisiko verhindern.

Drogenabhängige mit chronischer Hepatitis-C-Infektionen, die völlig stabil sind, können sehr gut an einem auf Lebererkrankungen spezialisierten Zentrum behandelt werden kann. Kranke, die zwar sehr stabil in der Substitutionstherapie sind, aber die Therapie gegen die Hepatitis C nicht einhalten könnten, werden in das neue Programm aufgenommen.

"Diese Patienten holen wir für die zwei bis drei Monate dauernde Hepatitis-Therapie gemeinsam mit ihrer Substitutionsbehandlung in die Suchthilfe Wien. Sie bekommen jeden Tag ihr Substitutionsmedikament und gleichzeitig die Tablette(n) für die Behandlung der Hepatitis C", sagte Haltmayer. Der Pharmakonzern Gilead als Entwickler und Hersteller solcher Präparate hat dazu einen Beitrag geleistet und Medikamente kostenlos zur Verfügung gestellt. Somit kann die Behandlung auch bei Personen erfolgen, welche keinen Anspruch auf Kostenerstattung durch die Sozialversicherung haben.

Die Erfolge sprechen für das Programm. Der Wiener Sucht- und Drogenbeauftragte erzählte vor kurzem: "Wir haben bisher 59 Patienten behandelt. Es wurden 3.62 Einzeldosen der Medikamente gegen die Hepatitis C verabreicht, davon 3660 eingenommen - das sind 99,9 Prozent. Von 30 Patienten waren bei der Kontrolle drei Monate nach Therapieende - sie gilt als Messpunkt für die Heilung - 30 geheilt. Das entspricht einer Erfolgsrate von hundert Prozent."

Die Diagnose Hepatitis C lässt sich anhand einer Blut-Untersuchung stellen. Eine Infektion liegt vor, wenn im Blut Antikörper gegen das Hepatitis- Virus (Anti-HCV) und Teile der Erbsubstanz des Virus nachgewiesen werden. Wenn dieser Bluttest positiv ausfällt, wird die Diagnose mit einem zweiten Test bestätigt. Gegen Hepatitis A und B kann man sich mit einer Impfung schützen.

Quelle: Apa/Uk

Aufgerufen am 16.11.2018 um 08:51 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/hepatitis-c-laesst-sich-mit-neuen-medikamenten-heilen-1220815

Schlagzeilen