Gesundheit

In zehn Jahren 6000 Darmkrebsfälle durch Koloskopien verhindert

Diese Zahl könnte laut Experten auf 1600 Fälle pro Jahr verbessertwerden. Kommt ein österreichweites Einladungssystem für Risikogruppen?

In zehn Jahren 6000 Darmkrebsfälle durch Koloskopien verhindert SN/mauritius/care company
Eine Darmspiegelung sei mittlerweile um vieles angenehmer als ihr Ruf, sagen Experten.

Wien APA

Dickdarmkrebs kommt in Österreich sehr häufig vor. "Einer von 17 Menschen entwickelt irgendwann in seinem Leben ein Kolonkarzinom", sagt Michael Gschwantler von der Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH). Wie wichtig die Darmspiegelung zur Vorsorge ist, untermauern nun Daten aus 213.000 Koloskopien. Demnach wurden mehr als 6000 Krankheitsfälle verhindert.

Seit Einführung des Qualitätszertifikats Darmkrebsvorsorge der ÖGGH vor knapp zehn Jahren wurden die Koloskopien dokumentiert. Fast 40 Prozent aller Patienten, die ohne Symptome zur Untersuchung kamen, hatten Polypen (Adenome) in der Darmschleimhaut. "Jeder Fünfte hatte Adenome, aus denen sich ein Tumor hätte entwickeln können", berichtete Monika Ferlitsch von der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien. Bei sechs Prozent wurden bereits Wucherungen im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, von denen vier Prozent pro Jahr tatsächlich zu einer Krebsdiagnose geführt hätten.

Männer sind viel stärker gefährdet als Frauen

Männer erkranken doppelt so häufig an einem Kolonkarzinom oder Vorstufen und im Durchschnitt zehn Jahre früher als Frauen, zeigten die Daten weiter. Auch wenn die Darmkrebs-Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung oder Übergewicht herausgerechnet werden, tragen Männer laut einer aktuellen Studie ein größeres Erkrankungsrisiko. "Mit einer Ausnahme: Rauchen wirkt sich bei Frauen noch negativer auf das Darmkrebsrisiko aus als bei Männern", berichtete Ferlitsch bei dem Pressegespräch. Die Ursachen dafür sind noch unklar. Eine gute Nachricht ist laut Gschwantler, dass die meisten Dickdarmkarzinome vermeidbar sind. Polypen seien in der Endoskopie gut zu sehen und "es dauert zehn Jahre, bis sich daraus bösartiger Dickdarmkrebs entwickelt". Außerdem sei eine Darmspiegelung mittlerweile wesentlich angenehmer für den Patienten als ihr Ruf.

Pläne für ein Einladungssystem wie beim Brustkrebs-Screening

Ein österreichweites Koloskopie-Programm würde bereits nach zehn Jahren jährlich rund 1600 Fälle von Darmkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium verhindern, betonte der ÖGGH-Vorstand. "Wir haben noch immer kein Einladungssystem wie beim Brustkrebs-Screening", sagte Ferlitsch. "Wir sind seit Jahren darum bemüht - auch beim Gesundheitsministerium." Immer wichtiger wird das Zusammenspiel zwischen Gastroenterologie und Pathologie. Nach der Entfernung von Läsionen im Darm ist der Befund beispielsweise in Sachen Anzahl, Form und Größe entscheidend für den Intervall bis zur nächsten Vorsorgekoloskopie, sagte Cord Langner vom Institut für Pathologie der MedUni Graz. "Pathologie hat heute in 98 Prozent der Fälle mit Diagnostik an lebenden Patienten zu tun", hob Martin Klimpfinger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie, die Wichtigkeit seines Fachs bei der Tumorfrüherkennung hervor. In Österreich werden Darmspiegelungen ab einem Alter von 50 Jahren empfohlen. Die Teilnahmerate in dieser Altersgruppe ist laut Ferlitsch mit unter 30 Prozent aber gering.

Quelle: SN

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