Gesundheit

Indoor Rowing ist effektiv und gesund

Der Trend begann im Fernsehen und eroberte von dort aus die Fitnessstudios und Wohnzimmer: Indoor Rowing ist das neue Spinning. Zu Recht - denn Rudern ist ein effektives und schonendes Ganzkörpertraining, das für die breite Masse geeignet ist.

Ruderergometer sind gut für Anfänger geeignet SN/APA (dpa)/Klaus-Dietmar Gabbert
Ruderergometer sind gut für Anfänger geeignet

Während seine Seriengattin gern noch am späten Abend um den Block joggte, verzog sich Kevin Spacey alias Frank Underwood in den Keller des Hauses - aufs Trockenrudergerät. Und bevor sich die Macher des US-Serien-Hits "House of Cards" versahen, hatten sie einen Fitnesstrend kreiert: Indoor Rowing ist das neue Indoor Cycling, könnte man sagen. Auch in Fitnessstudios hierzulande stehen mittlerweile wieder Rudergeräte. Ein Trend, der dem Körper Gutes tut.

"Rudern ist ein kraftorientierter Ausdauersport", erklärt der Sportwissenschafter Professor Klaus Bös vom Karlsruher Institut für Technologie. "Diese Kombination gibt es sehr selten." Gerade ein Ruderergometer sei für Anfänger gut geeignet, weil sich die Kräftigungskomponente individuell dosieren lässt. Im Unterschied zum Beispiel zum Radergometer sei das Rudern "ein hervorragendes Ganzkörpertraining". Ähnlich wie auch beim Joggen wird beim Rudern die gesamte Muskulatur beansprucht.

Ulrich Kau ist Sportmediziner und seit elf Jahren Verbandsarzt des Deutschen Ruderverbandes. Seiner Erfahrung nach ist Rudern auf dem Ergometer für jeden Fitnessgrad und für jedes Alter eine geeignete Sportart, "von 6 Jahren bis mindestens 95". "Indoor Rowing bewegt alle Muskeln - aber auch nicht alle Muskeln zu extrem", erklärt er. "Es gibt also, ähnlich wie beim Schwimmen, keine einseitige Belastung." Dennoch gibt es ein Körperteil, genauer gesagt zwei, die besonders davon profitieren: die Beine. "70 Prozent der Kraft beim Rudern kommt aus den Beinen", erläutert Personal Trainer Susan Arndt.

Auch für die Volkskrankheit Rückenschmerzen ist Rudern ein gutes Gegenmittel: "Man stößt sich mit den Beinen vom Stemmbrett ab, und über Rumpf und Rücken überträgt sich die Kraft auf das Gerät." Flexibilität, Koordination, Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer: Der Nutzen von Rudern ist vielfältig.

Aber gibt es gesundheitliche Einschränkungen, bei denen der Sport sich nachteilig auswirken kann? Nein, sagt Arndt. Menschen mit Vorerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Problemen empfiehlt sie jedoch, vorher den Arzt zu fragen. Generell sei Rudern ein verträglicher Sport, der gerade das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflusst. Bei Arthrose im Knie oder einem eingeschränkten Hüftwinkel sollte man allerdings einen Blick darauf haben, ob die Beugung noch angenehm bleibt.

"Der Winkel in der Auslage ist zwar relativ spitz, aber da beim Rudern die extreme Stoßbelastung vom Joggen fehlt, ist es gelenkschonender", erklärt Fitness- und Rudertrainerin Arndt. Sportmediziner Kau ergänzt: "Wenn man es richtig macht, ist der Ruderergometer nicht nur ein gutes Trainingsgerät, sondern zum Beispiel bei Bandscheibenvorfällen auch ein ideales Therapiegerät."

Die Betonung des Experten liegt auf dem Wort "richtig". Denn bei allen Vorteilen, die die Trendsportart Trockenrudern bietet - ihr Nachteil im Vergleich zum Radfahren oder Laufen ist die Technik. "Die korrekte Bewegungsreihenfolge und die Koordination von Armen und Beinen sind kein Hexenwerk, aber müssen gelernt werden", sagt Sportwissenschafter Bös. Um das Training so effektiv wie möglich zu gestalten, empfiehlt er eine professionelle Einweisung.

"Nicht zu weit in die Vorlage gehen, den Rücken gerade lassen und nicht zu viel Dampf machen", sagt Mediziner Kau. Wer zu schnell und zu viel machen will, erreicht meist genau das Gegenteil. Die häufigsten Fehler? "Viele ziehen hastig nach hinten und rasen dann exzessiv nach vorne", sagt er. "In abgehackten Schlägen hin und her zu rutschen, kann zu Beschwerden führen."

Besser: langsam und bedächtig rollen, bis ganz vorne in die Auslage und sauber zurück in den Endzug - mit Kraft und ohne Hektik. Als Ergänzung zum Rudern empfiehlt Kau Zirkeltraining und Radfahren. "Selbst wenn man locker rudert, ist die Herzfrequenz immer noch 10, 20 Schläge höher als auf dem Rad, weil eben alle Muskeln beansprucht werden", sagt er. Eine ruhigere Runde auf dem Rad zwischendurch lässt sich also gut dazu kombinieren. Anfänger, so Arndts Tipp, sollten mit drei Mal wöchentlich 20 bis 30 Minuten beginnen und sich dann langsam steigern.

Der zweite große Nachteil des Indoor Rowings sind die Kosten eines solchen Ergometers. Besonders begehrt, besonders schick, aber auch besonders teuer sind die Rudergeräte mit Wassertank, die damit echten Wasserwiderstand erzeugen. Bei den klassischen Fitnessgeräten wird der Widerstand durch Luft erzeugt.

"Die Ergometer mit dem Luftrad sind leider relativ laut, das Rudern fühlt sich auch ein wenig anders an, aber für den sportlichen Effekt macht es keinen Unterschied", sagt Susan Arndt. Ob Luft- oder Wasserdruck - wer sich ein Gerät ins Wohnzimmer stellen will, muss mehrere Hundert bis zu mehr als 1.000 Euro investieren. Eins der günstigeren Geräte reicht für den Hausgebrauch allerdings völlig aus. Davon abgesehen verfügen heute viele Fitnessstudios über Rudermaschinen. Also dann - in die Auslage, fertig, los!

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 19.09.2018 um 09:36 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/indoor-rowing-ist-effektiv-und-gesund-22506712

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