Gesundheit

John F. Kennedy hatte Osteoporose

Ärzte warnen: Ein Drittel der Hüftbrüche passiert bei Männern. Sie sollten das Risiko für den Abbau der Knochensubstanz nicht unterschätzen.

John F. Kennedy hatte schon in jungen Jahren Osteoporose.  SN/APA (epa)/Consolidated Cecil Stoughton
John F. Kennedy hatte schon in jungen Jahren Osteoporose.


Dass Osteoporose zu Knochenbrüchen führen kann, wissen Frauen seit langem. Was Männer nicht wissen: sie haben mit 70 ein genauso hohes Risiko wie Frauen mit 60. Zum Welt-Osteoporose-Tag am kommenden Samstag rufen Experten ältere Männer und ihre Ärzte auf, einen möglichen Abbau der Knochensubstanz ernst zu nehmen.

Osteoporose als Krankheit von Frauen zu sehen, kann für viele Männer fatale Folgen haben. Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts. Dabei sind Masse, Qualität und Festigkeit der Knochen vermindert und ihre Brüchigkeit ist erhöht. Nach Angaben der Internationalen Osteoporose-Stiftung (IOF) ist das Risiko für Männer höher, an Osteoporose zu erkranken, als an Prostatakrebs. Ein Drittel der Hüftbrüche passiert bei Männern. Prominente Osteoporose-Kranke waren der ermordete US-Präsident John F. Kennedy, der schon in jungen Jahren daran litt, und der 2007 verstorbene Ex-Tatort-Kommissar Hansjörg Felmy.

Bei Männern wird die Erkrankung oft nicht erkannt

"Osteoporose tut erst weh, wenn man sich etwas bricht", sagte Christian Hinz, Chefarzt der Klinik Fürstenhof in Bad Pyrmont mit Behandlungsschwerpunkt Osteoporose. Viele Menschen glaubten, der Bruch sei auf den Sturz zurückzuführen. "Aber bei geringer Fallhöhe brechen Knochen in der Regel nicht." Wenn man etwa beim Hinsetzen auf einen Stuhl abrutsche, zu Boden falle und sich dabei einen Wirbel breche, könne Osteoporose der Grund für die Fraktur sein. Nach IOF-Schätzungen bricht sich weltweit jeder fünfte Mann über 50 einen Knochen wegen Osteoporose. "Bei den meisten von ihnen wird diese stille Erkrankung weder erkannt noch behandelt, nicht einmal nachdem sie eine Fraktur hatten", schreiben die Fachleute der Stiftung.

Risikofaktoren bei Männern seien beispielsweise bestimmte Behandlungen wegen Rheuma, Prostatakrebs oder chronischen Darmerkrankungen. Gerade anti-hormonelle Therapien hemmten die Testosteronproduktion, was die Knochen schwächer mache.

Hinz verwies auch auf höhere Risiken durch den veränderten Lebensstil: "Eigentlich bietet die Natur zu allen Jahreszeiten, was wir brauchen: zum Beispiel im Herbst Kohl und Obst mit viel Spurenelementen, Vitaminen und Kalzium, und im Winter fettes Fleisch und fetten Fisch mit gespeichertem Vitamin D. Aber das isst man heute nicht mehr. Deshalb ist auch ernährungsbedingt die Wahrscheinlichkeit größer, einen Mangel und Osteoporose zu entwickeln."

Gesundes Essen und Bewegung dienen der Vorbeugung

Die Ärzte empfehlen Männern wie Frauen zur Vorbeugung gesundes Essen und Bewegung. "In schweren Fällen gibt es auch Medikamente, mit denen man den Großteil der Frakturen verhindern kann", sagte der Orthopäde und Unfallchirurg Andreas Kurth. Nur 20 Prozent der Patienten, die Medikamente nehmen müssten, würden jedoch tatsächlich behandelt, meinte Hinz. Haus- und Unfallärzte sowie Urologen würden bei Männern viel zu selten abklären, ob eine Osteoporose vorliege. Männer sollten ab 60, spätestens 70 ihr Osteoporoserisiko abklären, sagte Hinz. Das geht mit einem Fragebogen zu Krankheiten, Medikamenteneinnahme, Sturzhäufigkeit, genetischer Veranlagung und Lebensstil.

Nach einer IOF-Studie waren in dem Jahr in Deutschland eine Million Männer und vier Millionen Frauen von Osteoporose betroffen.

In Österreich ist jeder fünfte Mann betroffen

In Österreich sind von Osteoporose rund 750.000 Personen über 50 Jahren betroffen, davon mehr als 600.000 Frauen. Etwa ein Drittel aller Frauen nach der Menopause sowie zwei Drittel aller Frauen über 80 Jahre leiden daran. Allerdings ist Osteoporose längst keine typische Frauenkrankheit mehr. Bereits jeder fünfte Betroffene ist ein Mann. Erste Anzeichen können eine Abnahme der Körpergröße oder Rückenschmerzen sein.

Zur Diagnose "Osteoporose" kommt es häufig erst im späteren Lebensalter. Die Ärztin/der Arzt fragt im Rahmen der Anamnese nach dem Auftreten von Osteoporose in der Familie, Gewichts- und Größenentwicklung seit der Jugend, nach Schilddrüsenstörungen, Stuhlgewohnheiten sowie Lebensstilfaktoren wie Nikotin-, Alkohol-, Kaffee- oder Teekonsum, nach körperlicher Aktivität und bisherigen Frakturen. Weiters wird der Mineralgehalt der Knochen mittels einer Knochendichtemessung - einer Niedrigdosis-Röntgenuntersuchung - ermittelt.

Nährstoffe sind wichtig

Um den Aufbau der Knochen zu unterstützen, ist die richtige Kombination verschiedener Nährstoffe entscheidend. Eine wichtige Bausubstanz für den Knochen ist das Mineral Kalzium. Es wird in den Knochen eingelagert und trägt zur Stabilität bei. Folgende Nährstoffe können über die Nahrung zugeführt werden:
Kalzium unterstützt die Festigkeit und Stabilität der Knochen. Auch im hohen Lebensalter bzw. bei Bestehen einer Osteoporose kann kalziumreiche Ernährung positive Effekte haben. Wer bereits Osteoporose hat oder ein erhöhtes Osteoporoserisiko aufweist, sollte 1.200 bis 1.500 Milligramm Kalzium täglich aufnehmen. Um die Versorgung des Körpers zu optimieren, ist es wichtig, regelmäßig kalziumreiche Lebensmittel zu verzehren. Es wird eine Kalziumportion am Morgen sowie eine am Abend empfohlen, da zu diesen Tageszeiten die Aufnahme am effektivsten ist.
Milch und Milchprodukte sind nicht nur aufgrund des Kalziumgehalts wichtige Nahrung für die Knochen.

Ein Mangel an Vitamin D verschlechtert die Kalziumverwertung im Darm. Zudem vermindert ein Mangel den Muskeltonus und setzt die Muskelkraft herab - dies resultiert in einer gesteigerten Sturzgefahr. Achten Sie daher auf eine regelmäßige Zufuhr Vitamin-D-reicher Lebensmittel: dazu zählen Meeresfische wie Hering, Lachs, Makrele, Heilbutt oder Thunfisch, aber auch Eigelb, Pilze (Steinpilz, Morchel, Champignon), Butter und teils angereicherte Margarine. Eine bedarfsdeckende Zufuhr über die Nahrung ist allerdings schwierig.
Um die körpereigene Herstellung von Vitamin D in der Haut zu optimieren, ist eine regelmäßige Einwirkung der Sonne empfehlenswert. Oft ist es ausreichend, Arme und Beine zweimal in der Woche für fünf bis 30 Minuten der Sonnenstrahlung auszusetzen (abhängig von Tages- und Jahreszeit, Breitengrad sowie Hautpigmentierung.

Alkohol kann bei hoher Aufnahme negative Auswirkungen auf den Knochen zeigen. Alkohol daher nur moderat konsumieren.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 16.11.2018 um 08:43 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/john-f-kennedy-hatte-osteoporose-48427636

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