Gesundheit

Kann Zucker Darmkrebs fördern?

Die Medizin beurteilt vor allem Softdrinks und Limonaden äußerst kritisch.

Vorsicht vor zu viel Zucker im Essen. SN/innafoto2017 - stock.adobe.com
Vorsicht vor zu viel Zucker im Essen.

Softdrinks wie Frucht- oder Colalimonaden haben einen schlechten Ruf in der Wissenschaft. Diese mit Zucker gesüßten Getränke stehen im Verdacht, Stoffwechselkrankheiten wie Typ-2-Diabetes zu begünstigen und Übergewicht bei Kindern wie auch Erwachsenen zu fördern. So geht der zunehmende Konsum von zuckerhaltigen Getränken auch mit einer weltweiten Übergewichtsepidemie einher. Da es zeitgleich in den vergangenen Jahrzehnten auch zu einem starken Anstieg an Darmkrebserkrankungen gekommen ist, untersuchten nun Forscher aus New York einen möglichen Zusammenhang.

Gerade in den USA enthalten Softdrinks meist eine hohe Menge an fruktosehaltigem Maissirup. "Maissirup ist ein Zuckerkonzentrat, das enzymatisch aus Maisstärke hergestellt wird. In der Zutatenliste versteckt er sich meist hinter der Bezeichnung Glukose-Fruktose- oder Fruktose-Glukose-Sirup", erklärt Friedrich Hoppichler, Präsident der Österreichischen Adipositas-Gesellschaft und Vorstand des vorsorgemedizinischen Instituts SIPCAN.

Durch den hohen Fruktose-Anteil hat Maissirup eine stärkere Süßkraft als herkömmlicher Haushaltszucker. Kein Wunder, dass die Limonaden- und Softdrinkindustrie vermehrt auf diesen billigen Zuckerersatz zurückgreift. Demnach stieg der Verzehr von fruktosehaltigem Maissirup in den USA in den vergangenen Jahrzehnten drastisch an. "Parallel dazu hat die Anzahl an übergewichtigen Menschen in den USA dramatisch zugenommen. Es ist zu vermuten, dass der hohe Konsum von Maissirup auch mit Adipositas und Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes in Zusammenhang steht", meint Hoppichler. Eine Studie von Wissenschaftern des Weill Cornell Medical College in New York zeigt, dass dieser Zucker auch Auswirkungen auf die Darmgesundheit hat.

Verglichen mit Kontrolltieren, die keine Zuckerlösung erhielten, hatten die Mäuse mit Zuckergabe eine signifikant erhöhte Anzahl großer und fortgeschrittener Krebstumoren. Die Wissenschafter schlossen daraus, dass die regelmäßige Zufuhr von Fruktose-Glukose-Sirup das Wachstum der Tumoren fördert. Begründet wird das damit, dass bei stark fruktosehaltigem Maissirup ein Großteil der Fruktose nicht schon im Dünndarm ins Blut übergeht, sondern bis in den Dickdarm gelangt. Darmpolypen und Krebszellen beziehen aus dem Zucker Energie für ihr Wachstum.

Im Gegensatz zu den USA enthalten in Österreich viele Softdrinks aus Zuckerrüben gewonnene Saccharose. Die Auswirkung von sogenanntem Haushaltszucker auf das Tumorwachstum wurde zwar nicht untersucht. Die Studienautoren meinen jedoch, dass Saccharose das Tumorwachstum auch verstärken könnte. Menschen mit Darmkrebs oder einem erhöhten Risiko für Darmpolypen sollten jedenfalls Softdrinks mit hohem Zuckeranteil meiden.

Aufgerufen am 27.11.2021 um 06:53 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/kann-zucker-darmkrebs-foerdern-78127714

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