Gesundheit

Lungenkarzinom - die tödlichste Krebserkrankung weltweit

Keine Krebserkrankung ist tödlicher als das Lungenkarzinom. Jährlich werden weltweit 1,8 Millionen Neudiagnosen gestellt. 1,6 Millionen Menschen sterben an der Krankheit.

Lungenkarzinom - die tödlichste Krebserkrankung weltweit SN/robert ratzer
Tödlicher „Genuss“ – Rauchen ist eine der Hauptursachen von Lungenkrebs.

Damit stellen die Lungenkarzinome die häufigste Krebsform weltweit dar. Die Zahlen steigen eher noch an. Die 1,8 Millionen Neuerkrankungen jährlich sind 12,9 Prozent aller Krebsleiden, die 1,6 Millionen Lungenkrebs-Todesfälle machen 19,4 Prozent der Krebs-Todesfälle aus.

Die Relation zwischen Neuerkrankungen und Todesopfern ist beim Lungenkarzinom viel ungünstiger als jene beim zweithäufigsten Krebsleiden, dem Mammakarzinom: Jährlich erkranken daran 1,7 Millionen Menschen.

Das macht 11,9 Prozent der Krebsleiden weltweit aus. Doch mit 522.000 Todesfällen pro Jahr sind es "nur" 6,4 Prozent der Krebs-Todesfälle. Die Heilungschancen sind deutlich höher. Das liegt daran, dass nur rund 20 Prozent der Lungenkrebserkrankungen in einem potenziell heilbaren Frühstadium entdeckt werden.

Die Zahlen sind auch in Europa ernüchternd: Täglich wird in der EU bei 1.100 Menschen ein Lungenkarzinom diagnostiziert. Täglich sterben daran rund 1.000 Menschen. Pro Jahr sind das 353.000 Tote. Die Mortalität durch Lungenkrebs steigt international pro Jahr um 4,7 Prozent an. 2013 starben an einem Lungenkarzinom in Österreich 2.537 Männer und 1.357 Frauen.

85 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen betreffen in Zentraleuropa Raucher. In China sind es 60 Prozent.

Eine Studie in den USA hat gezeigt, dass man mit regelmäßigen Low-Dose-Computertomografien bei schweren Rauchern die Sterblichkeit durch Lungenkrebs um 20 Prozent senken kann.

Das Problem sind aber die falsch positiven Befunde bei 40 Prozent der Untersuchten, die sich dann zu 96 Prozent nicht als Krebs herausstellen. Das verursacht bei den Betroffenen natürlich furchtbare Angst, es werden im Endeffekt diagnostische Eingriffe (Biopsien) durchgeführt, die zumeist keinen Krebsbefund bringen.

In der Therapie hat sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. In frühen Stadien der Erkrankung reichen oft minimal-invasive Eingriffe aus. Gleichzeitig versuchen die Thoraxchirurgen die Grenze zu den inoperablen Tumoren hinauszuschieben.

Chemo- und gezielte onkologische Therapien werden zum Teil auch schon vor dem chirurgischen Eingriff angewendet, um die Behandlungsresultate noch zu verbessern.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich auch die zielgerichtete medikamentöse Therapie mit Auswahl der Arzneimittel aufgrund der molekularbiologischen Eigenschaften des Tumors etabliert. So zum Beispiel weisen etwa zwölf Prozent der Lungenkrebspatienten in Österreich eine sogenannte EGFR-Mutation der Tumorzellen auf. Das macht 60 Prozent gut ansprechbar auf bestimmte Tyrosinkinasehemmer.

Allerdings kommt es nach einiger Zeit zu Resistenzen. Hier gibt es aber schon solche Medikamente, die bei Resistenzen gegen das erste Medikament eingesetzt werden können.

Und ein solches Medikament der dritten Generation wurde speziell entwickelt, um auch dann noch zu wirken, wenn die Lungenkrebserkrankung nach dem Einsatz dieser Mittel der ersten und dann der zweiten Generation weiter fortschreitet.

Einen zum Teil vergleichbaren, aber länger anhaltenden Effekt erzielen derzeit die neuen Immuntherapeutika. Es handelt sich dabei vor allem um monoklonale Antikörper wie Nivolumab, Ipilimumab etc., welche die Tumor-eigenen Bremsen (PD-L1, CTL-A4) für den Angriff der Immunzellen lösen und das Abwehrsystem der Betroffenen wieder scharf machen.

Bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom konnte damit die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem Jahr von 24 auf 42 Prozent und nach zwei Jahren von acht auf 23 Prozent erhöht werden.

Quelle: APA

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