Gesundheit

Magenoperation gegen Diabetes

Eine Magenoperation könnte Diabetikern helfen. An der Uniklinik Heidelberg läuft eine Studie mit 150 Patienten an.

Magenoperation gegen Diabetes SN/APA

Magenoperationen bei schwer übergewichtigen Patientinnen und Patienten, die auch zuckerkrank waren, haben ein überraschendes "Nebenprodukt" ergeben: Der Magenbypass hat nicht nur gegen Adipositas geholfen, sondern auch gegen den Diabetes. Noch in diesem Jahr läuft an der Universitätsklinik Heidelberg eine Studie mit 150 Diabeteskranken an.

Häufig sei der Erfolg einer Diabetestherapie eng verknüpft mit erfolgreichem Abnehmen und einer konsequent gesunden Ernährung, heißt es in der Expertise der Klinik: Der Blutzuckerspiegel sinke, Medikamente seien dann häufig sogar überflüssig. Wenn aber professionell angeleitete Ernährungsumstellung, Bewegung und Medikamente nicht helfen, kommt eine Magenoperation infrage.

"Studien mit Patienten, die wegen massiven Übergewichts eine Magenbypassoperation durchführen ließen und gleichzeitig an Diabetes litten, haben ergeben, dass sich bei etwa 90 Prozent dieser Patienten auch der Blutzuckerspiegel normalisiert hat und Medikamente nicht mehr nötig waren - und das zunächst einmal unabhängig vom Gewichtsverlust", sagte Privatdozent Beat Müller, Leiter der Sektion Minimal Invasive Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik, im SN-Gespräch.

Ganz neu ist die Erkenntnis, dass dieser Effekt einer Magenbypassoperation auch bei Typ-2-Diabetikern erzielt wurde, die nicht an Adipositas leiden, sondern nur leichtes Übergewicht haben. Das soll jetzt in einer Vorstudie mit 20 Patienten weiter belegt werden.

Fünf Diabetiker wurden bereits operiert. Die Chirurgen legen

dabei einen Magenbypass: Der

Mageneingang wird direkt an den Dünndarm angeschlossen, der restliche Magen sowie der vordere Abschnitt des Dünndarms (Zwölffingerdarm) werden aus der Verdauung ausgeschlossen. Es kommt zu einer hormonellen Veränderung im Magen-Darm-Trakt, die die Funktion der Bauchspeicheldrüse verbessert. Das Ergebnis: Die Patienten essen zwangsläufig weniger.

Für die große Studie, an der mehrere chirurgische Zentren mitwirken, werden die Diabetespatienten nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt: ein Drittel wird mit der herkömmlichen Insulintherapie behandelt; bei einem Drittel wird eine Bypassoperation zur Umgehung des Magens durchgeführt; bei der dritten Gruppe wird ein sogenannter Schlauchmagen gebildet, das heißt, dass 90 Prozent des Magens entfernt werden.

"Es gibt Hinweise, dass der Bypass am besten funktioniert, aber diese sind noch nicht so zuverlässig, dass diese Operationsmethode bevorzugt werden könnte", sagt Studienleiter Müller. Dies umso mehr, als der Bypass die aufwendigere Operation ist als ein Schlauchmagen.

Diabetes mellitus Typ 2 - früher als Altersdiabetes bezeichnet - hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt: In Deutschland sind acht Millionen Menschen betroffen, in Österreich 600.000. Besonders Übergewichtige - zunehmend auch Kinder und Jugendliche - sind gefährdet, an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, steigt mit dem Alter. Dies gilt besonders für den großen Anteil der Typ-2-Diabetiker, bei denen die Krankheit meist erst in der zweiten Lebenshälfte auftritt. Etwa 44 Prozent der Diabetiker sind älter als 60 Jahre.

Quelle: (SN).

Aufgerufen am 15.11.2018 um 12:16 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/magenoperation-gegen-diabetes-5103238

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