Gesundheit

Nach Transplantation: Ärzte mit Niki Lauda "sehr, sehr zufrieden"

Sechs Tage nach der Lungentransplantation an Formel-1-Legende Niki Lauda ist die Genesung des Patienten "genau im Ziel, nicht mehr und nicht weniger". Das sagte Christian Hengstenberg, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin und Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie am AKH und der MedUni Wien, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Transplantation rettete sein Leben – Niki Lauda (hier in bester Laune bei einem Legendenrennen am 20. Juni 2015 in Spielberg/Steiermark). SN/gepa pictures/ andreas pranter
Transplantation rettete sein Leben – Niki Lauda (hier in bester Laune bei einem Legendenrennen am 20. Juni 2015 in Spielberg/Steiermark).

Die Mediziner sprachen von einem "sehr, sehr erfreulichen Verlauf". Dabei hatte es für Lauda gar nicht gut ausgesehen, wie aus den Schilderungen der Ärzte deutlich wurde. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Teilhaber des Mercedes-Formel-1-Teams war - anders als kolportiert - "zu keinem Zeitpunkt an einer normalen Sommergrippe erkrankt", wie Marco Idzko, Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie, betonte.

Vielmehr litt er an einer hämorrhagischen Alveolitis - dies sei eine Entzündung der Lungenbläschen, die mit einem Einbluten in das Lungengewebe und in die Atemwege einhergegangen sei, für die Lauda eine immunsuppressive Therapie erhalten habe. Das habe zunächst eine deutliche Besserung seiner Atmung zur Folge gehabt.


In weiterer Folge sei aber eine schwere akute Lungenerkrankung aufgetreten, die durch das Einwandern von Entzündungszellen aus dem Blut in die Lunge entstanden sei. Diese Zellen griffen das Lungengewebe an.

Lauda befand sich in Intensivtherapie, gleichzeitig wurde ein Plan B in Betracht gezogen, und das bedeutete die Lungentransplantation. Deshalb wurde die Klinische Abteilung für Thoraxchirurgie unter Walter Klepetko, Konrad Hötzenecker und Peter Jaksch beigezogen, die eines der führenden Transplantationszentren weltweit erhält.
Alle anderen Behandlungswege waren ausgeschöpft, Laudas Zustand konnte nicht stabilisiert werden. "Es war so, dass er eine Lebenserwartung von wenigen Tagen, maximal Wochen hatte", schilderte Hötzenecker. Der Luftfahrtunternehmer war unterdessen einer extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) unterzogen worden, das heißt im wesentlichen, dass eine Maschine - eine Blutpumpe außerhalb des Körpers - im wesentlichen sauerstoffangereichertes Blut in den Körper pumpte und so die Funktion der eigenen Lunge überbrückt ("bridget"). Etwa zehn Prozent der 120 am AKH pro Jahr Lungentransplantierten sind ECMO-Patienten, erläuterte Klepetko.

Walter Klepetko, der Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Walter Klepetko, der Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie
Kardiologe Christian Hengstenberg, Walter Klepetko, der Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie, und der Nephrologe Rainer Oberbauer .  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Kardiologe Christian Hengstenberg, Walter Klepetko, der Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie, und der Nephrologe Rainer Oberbauer .


Lauda war bereits als Empfänger für eine Lunge bei Eurotransplant angemeldet und in die höchste Dringlichkeitsstufe gereiht worden. Patienten in dieser Kategorie müssen durchschnittlich fünf Tage auf ein neues Organ warten. Als die Meldung kam, dass ein entsprechendes Organ für Lauda vorhanden sei, flog das Entnahmeteam los, untersuchte die Lunge und befand sie für geeignet. Während das Team die Lunge entnahm und nach Wien zurückkehrte, war der prominente Patient für den Eingriff bereits vorbereitet worden, um die Zeit zwischen Entnahme und Implantation möglichst kurz zu halten.

"Der Eingriff selbst verlief komplikationslos", sagte Hötzenecker. Die neue Lunge habe eine gute Primärfunktion gehabt, die Unterstützung für die Körperfunktionen konnte noch im Operationssaal abgeschaltet werden.

Hengstenberg zufolge fühlen sich Patienten kurz nach einer so großen Operation, "als wäre man von einem Panzer überrollt worden". Der Mediziner: "Lauda ist nach 24 Stunden extubiert worden, der Patient konnte selbstständig atmen." Alle Organe - auch die bereits transplantierte Niere - arbeiten einwandfrei.

Peter Jaksch gab unterdessen einen Ausblick auf die nächsten Tage und Wochen: "Der Patient wird nach der Transplantation, sobald er extubiert ist, so schnell wie möglich mobilisiert." Normalerweise bleiben die Patienten einige Tage auf der Intensivstation, in denen sie auch auf ihre Immunsuppression eingestellt werden. Das ist eine Kombination von Medikamenten, die durch eine Unterdrückung des Immunsystems eine Abstoßungsreaktion des Körpers gegen das fremde Organ verhindern sollen. Üblicherweise werden Patienten nach zwei bis drei Wochen aus dem Spital entlassen, dann wird ihnen eine stationäre Rehabilitation für einige Wochen angeboten.

Das Ärzteteam Peter Jaksch, Gottfried Heinz, Christian Hengstenberg, Walter Klepetko, Rainer Oberbauer, Marco Idzko und Konrad Hötzeneckeram Donnerstag, 08. August 2018, während einer PK des AKH Wien nach Niki Laudas Lungentransplantation.  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Das Ärzteteam Peter Jaksch, Gottfried Heinz, Christian Hengstenberg, Walter Klepetko, Rainer Oberbauer, Marco Idzko und Konrad Hötzeneckeram Donnerstag, 08. August 2018, während einer PK des AKH Wien nach Niki Laudas Lungentransplantation.

"Lauda ist ein international bekannter Kämpfer"

Niki Lauda ist bereits bei vollem Bewusstsein. Wie seine behandelnden Ärzte bei der Pressekonferenz bekannt gaben, werde die Formel-1-Legende bereits mobilisiert. "Lauda ist ein international bekannter Kämpfer", sagte Walter Klepetko, der Leiter der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie.

Besuche kann Niki Lauda bereits im beschränktem Umfang empfangen, sagte Kardiologe Christian Hengstenberg. Das sei auch für den Heilungsverlauf wichtig, dass er die Unterstützung der Familie spürt und er von ihr begleitet wird. Der Ex-Rennfahrer hat gute Chancen, wieder eine gute Lebensqualität zu erreichen. "Bei Lauda erwarten wir uns wirklich, dass er in ein für ihn normales Leben zurückkehren kann", sagte Klepetko.

Unmittelbar nach der Operation werde der Patient auf die Immunsuppression geschult, um nach der Transplantation zu verhindern, dass der Körper das Spenderorgan abstößt, sagte Peter Jaksch, Klinische Abteilung für Thoraxchirurgie. Medizinische Betreuung werde noch "für einige Zeit" notwendig sein.

Quelle: APA

Aufgerufen am 12.12.2018 um 10:53 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/nach-transplantation-aerzte-mit-niki-lauda-sehr-sehr-zufrieden-38528887

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