Gesundheit

Schoko-Osterhasen mit Pestizidspuren in heimischen Regalen

Chemie-Spuren fanden sich in mehreren Proben - eine "direkte Gesundheitsgefährdung" soll aber nicht bestehen.

Schoko-Osterhasen mit Pestizidspuren in heimischen Regalen SN/APA/dpa/Sebastian Gollnow
Belastete Schokohasen.

Endosulfan, Chlorpyrifos, Cypermethrin, Deltamethrin und Permethrin - so heißen einige der Substanzen, welche ein zertifiziertes Labor nun in Schoko-Osterhasen feststellte, die in Österreich verkauft werden. Dies geschah im Auftrag der Organisationen Global 2000 und Südwind. Jedoch: Die Chemikalien, die als Pestizide im Kakaoanbau eingesetzt werden, sollen "keine direkte Gesundheitsgefährdung" bedeuten; dafür seien die Mengen zu gering.

Die Tester hatten zwanzig Osterhasen in Supermärkten gekauft. Die Inhaltsstoffe hatte das Institut Dr. Wagner Lebensmittel Analytik in Graz zu prüfen. Dessen Leiter Siegfried Wagner bestätigt den SN, dass "in allen Hochrechnungsmodellen" keine gesetzlichen Grenzwerte überschritten worden seien.

Hans-Peter Hutter, der beigezogene Umweltmediziner der Medizinischen Uni in Wien, urteilt jedoch: Eine unmittelbare Gefährdung von Konsumenten könne zwar nicht hergeleitet werden. Andererseits: Einige der Substanzen seien hormonell wirksam und würden ihre Wirkung auch "in kleinsten Mengen entfalten". Hutter: "Eine mögliche Gefährdung kann wohl nicht akut auftreten. Jedoch nimmt jeder Mensch auch über andere Nahrungsmittel Pestizide zu sich." Insgesamt könne es so zu problematischen Aufnahmemengen kommen. Zu empfehlen seien daher Produkte aus biologischem Anbau.

Zum Testergebnis: Bewertet wurden auch die "ökologische und soziale Qualität" der Hasen. Wobei diese Qualität sich für Global 2000 und Südwind auch daraus ergab, welche Gütesiegel die süße Ware trägt, etwa "Fairtrade" oder "Bio". Testsieger wurde der Hase von EZA (Entwicklungszusammenarbeit).

Sechs weitere Schoko-Nager bekamen entweder aufgrund ihrer sozialen oder ihrer ökologischen Verträglichkeit eine positive Bewertung. Acht Exemplare erhielten das Prädikat "bedenklich" - entweder, weil eine Zertifizierung fehlte oder der Verdacht von prekären Umwelt- und Produktionsbedingungen im Kakaoanbau bestand. Die Pestizide fanden sich in zwölf getesteten Schokolade-Osterhasen - bis zu vier verschiedene Substanzen in einem Exemplar.

Global 2000 und Südwind gehen davon aus, dass die Chemikalien - naheliegenderweise - viel stärker jene Menschen belasten, welche im Kakaoanbau arbeiten und täglich in Kontakt mit den Pflanzen stehen. Die Elfenbeinküste, Ghana und Indonesien sind hier starke Exportnationen. Hinzu komme der millionenfache Einsatz von Kinderarbeit bei der Kakaoernte.

Detail am Rande: Höherer Preis bedeutet laut dem Testbericht nicht zwingend höhere Qualität. Martin Wildenberg von Global 2000 sagt: "Manche teure Premium-Produkte wurden als bedenklich beurteilt, während günstige Eigenmarken-Produkte sehr wohl soziale und ökologische Mindeststandards nachvollziehbar einhalten."

Weitere schlechte Hasen-Nachrichten kommen auch von der Verbraucherorganisation foodwatch: Sie fand auf mehreren Schoko-Proben in Deutschland Spuren von Mineralölen. Diese seien potenziell krebserregend. Das Öl gelangt wohl durch die bedruckte Verpackung auf die Schokolade.

Den gesamten Pestizid-Testbericht samt einzelnen Produkten finden Sie im Internet unter:
www.salzburg.com/188944.

Aufgerufen am 15.04.2021 um 05:08 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/schoko-osterhasen-mit-pestizidspuren-in-heimischen-regalen-1635016

Schlagzeilen