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Simons Dior-Kollektion überrascht und begeistert

Raf Simons, seit kurzem Chefdesigner bei Dior, ließ mit seiner ersten Schau auf der Pariser Fashion Week Kritiker verstummen. Der studierte Industriedesigner blieb Diors Grundlinie treu und bewies Talent zur Haute Couture.

Ja, er kann es. Raf Simons, im vergangenen April zum Chefdesigner des Modehauses Dior gekürt, wies am Montag in Paris mit einem gelungenen Haute-Couture-Debüt die Skeptiker in die Schranken. Zwar genießt der von Jil Sander kommende Belgier seit vielen Jahren einen exzellenten Ruf als Modemacher, doch hatte er bis dato nie Haute Couture gemacht. Letztere gilt als Königsklasse der Mode: Nur wenige verfügen über das Know-how der Hohen Schneiderkunst. Als Simons, studierter Industriedesigner, modischer Autodidakt und von 2000 bis 2005 Leiter der Modeklasse an der Wiener Universität für angewandte Kunst, am Ende der Schau im schlichten schwarzen Hemd zur schwarzen Hose auf den Laufsteg trat, merkte man ihm die Anspannung noch an.

Enorm war der Andrang zu dieser Schau für Herbst/Winter 2012/13 gewesen, beeindruckend die Gästeliste mit Prominenten wie Sharon Stone und Charlene von Monaco, aber auch Designerkollegen wie Marc Jacobs, Alber Elbaz oder Donatella Versace. Hinzu kam ein äußerst aufwendiges Setting. Fünf Räume des Gebäudes einer Stiftung waren mit über einer Million Blüten geschmückt worden - ein Zimmer in Goldruten, eins in orangerote Rosen oder eins in Rittersporn. Trotz allen Drucks schaffte es Simons, bestechend schöne Entwürfe in Szene zu setzen, bei denen jeder Handgriff stimmte.

Der 44-Jährige blieb der Grundlinie Christian Diors treu und nahm dessen berühmtes Kostüm "Bar" von 1947 auf. Die für das Kostüm typische "Blütenkelchlinie" mit schmalem Oberteil und sich öffnendem weiten Rock dekonstruierte er auf sanfte Weise. Mal erschien der Blütenkelch als kostbar besticktes Korsagenoberteil mit Schößchen zur schmalen Hose in Schwarz, mal schwang er sich als elektrisch blaues Astrachan-Kleid um die zarte Figur eines Models, mal trat er als Straßenkostüm in Herrenstoffen auf den Laufsteg.

Kunstvoll geschichtete Netzstrukturen, mit Federn besetzter Organza in Pastellen oder an Bilder Gerhard Richters erinnernde Drucke zeugten von der Einzigartigkeit der Haute Couture. Als Basis der Kollektion wählte Simons präzise geschneiderte Kleider, Smokings oder Mäntel in Schwarz, Marineblau oder Rot. Einige Models trugen Pumps mit abgeknickten Absätzen, die Simons' Dior-Interpretation einen leicht subversiven Anstrich verliehen. "Wunderbar" und "genau richtig" nannte die Chefredakteurin der deutschen Vogue die Kollektion. Von einem "Triumph" sprach die einflussreiche Website "style.com".

Quelle: SN, Dpa

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