Gesundheit

Ski nordisch: Gruber sieht bedenkliche Entwicklung zu "dürren" Sportlern

Der Salzburger Kombi-Weltmeister Bernhard Gruber übt Kritik am Trend zu geringem Körpergewicht bei den nordischen Sportlern. Was die heimischen Aushängeschilder dazu sagen.

Der Blick auf so manchen Sportler bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Lahti erweckt den Eindruck, dass ein geringeres Körpergewicht wieder eine größere Rolle spielt. Leicht und spritzig zu sein ist nicht nur bei den Spezialspringern ein wichtiges Thema, auch unter den Kombinierern ist diese Tendenz erkennbar. Das bestätigte auch Kombi-Weltmeister Bernhard Gruber.

Der Salzburger sieht die Ursache u.a. in der von Simon Ammann 2010 ins Spiel gebrachten, gebogenen Stabbindung, die es wieder erlaubt, kürzere Ski zu springen. Aufgrund komplizierter FIS-Regeln werden die Ski bei zu geringem Gewicht ja gekürzt, doch die Bindung erlaubt auch mit kürzerem Fluggerät große Weiten. "Es ist so, dass die Athleten immer kürzere Ski springen, weil es das Material jetzt zulässt. Wenn die Athleten kürzere Ski springen, können sie wieder leichter werden. Der Trend geht wieder so. Mit kürzeren Ski wird man schneller in der Luft und sie sind auch leichter zu handeln", erklärte Gruber am Vortag seines ersten WM-Einsatzes.

Ob er die Entwicklung bedenklich findet? "Mir gefällt es nicht so. Wenn man sich manche Spezialspringer anschaut, ist es schon ein bisserl grenzwertig. Speziell auch bei den Polen, da schauen ein paar ziemlich dürr aus", findet der 34-jährige Familienvater. "Man muss sich um die gesamten Athleten kümmern, dass das nicht für die Gesundheit gefährlich wird." Lösungen sind aus seiner Sicht schwer zu finden. "Vielleicht für eine gewisse Körpergröße eine Mindest-Skilänge vorschreiben."

Sein Teamkollege Mario Seidl, der zuletzt in Pyeongchang seine ersten zwei Weltcup-Podestplätze erreicht hat, beschäftigt sich seit dieser Saison mit dem Ernährungsthema. Die Frage sei: "Wie man das hinkriegt, dass man leicht ist und trotzdem in der Loipe dann auch Kraft hat? Das befasst mich in dieser Saison schon die ganze Zeit und ich probiere nach wie vor, das Optimum für mich herauszufinden."

Darum liest er auch gerade ein Buch über Ernährung. "Jeder Körper ist unterschiedlich, da muss jeder für sich das Optimum herausfinden, also das Verhältnis zwischen Kohlenhydraten, Eiweiß und Fetten. Da bin ich noch immer am Tüfteln, was für meinen Körper am besten ist." Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen findet Seidl das noch nicht bedenklich. "Wenn man in der Weltspitze ganz vorne mitmischen will, müssen viele Bausteine zusammenpassen. Da gehört natürlich die Ernährung dazu."

Michael Hayböck bestätigt im Gespräch mit der APA die Meinung Grubers, dass die Tendenzen so sind. "Ich merke es bei mir selbst auch, dass ich heuer so leicht bin wie ich es schon länger nicht mehr war", erklärt der Oberösterreicher, der aktuell zwischen 62,5 und 63 kg wiegt. "Man muss einen guten Mittelweg finden." Einerseits erlaube die Bindung kürzere Ski, ohne dass der Sprungstil darunter leide. Er selbst ernähre sich jedenfalls bewusst wie nie. "Da lässt man das eine oder andere Nutellabrot weg."

Doch Hayböck versichert auch, dass die Sportler schon selbst für ihre Ernährung und ihr Gewicht verantwortlich sind."Der Eine isst halt von dem weniger und mehr Fleisch, der andere braucht doch die Fette, da gibt es ja auch verschiedene Typen."

Stefan Kraft schaut auf die "Substanz"

Sein Freund und Zimmerkollege Stefan Kraft hat lieber ein klein wenig zu viel Gewicht. "Bei der Tournee bin ich krank geworden, da war das Gewicht auch schon wieder am Limit. Ich fühle mich dann nicht mehr gut, drum schaue ich, dass ich sehr viel 'Spazi' (Spielraum) habe und viel esse." Auch Kraft bestätigt, dass es nun "sicher wieder mehr" Athleten gibt, die auf kürzere Ski umsteigen. Man dürfe aber auch nicht die Substanz vergessen, die in der extrem anstrengenden Saison verloren geht.

Er selbst ist froh, dass er auf das Gewicht nicht so sehr schauen muss wie andere. "Ich könnte das nicht, da müsste ich es, glaube ich, lassen." Natürlich interessiert er sich für Ernährung, weil Kraft sich wie jeder Sportler gesund und bewusst ernähren will. "Und ich weiß, dass ich aus meinem Körper noch ein paar Prozent rausholen kann. Aber das Wichtigste ist vielseitig essen, ich hau' mir eine Pizza auch rein."

Cheftrainer Heinz Kuttin ist die Entwicklung nicht unbekannt, er sieht aber aktuell keinen Handlungsbedarf. "Für mich ist es nicht bedenklich. Es geht um die Besten in der Weltspitze und es geht um aerodynamische Gesetze und um körperliches Gefühl. Ich glaube, dass das mittlerweile so ausgereift ist, dass die Athleten die Grenzen gut kennen und es ist bei uns im Team eh kein Thema, weil wir vom Gewicht her höher liegen als die Konkurrenz."

Ganz ausschließen kann er eventuelle Gefahren auch nicht. "Gefahren bestehen immer, die Tendenz ist wieder da, aber Gott sei Dank sind wir nicht so weit wie es einmal war", spielt Kuttin auf Magersuchts-Verdachtsfälle in der weiteren Vergangenheit an. Zu bedenken gibt der Kärntner aber auch, dass sich die Regulative auch immer an den aktuell besten Skispringern orientieren. "Ich glaube, dass es, so wie es zur Zeit läuft, nicht besorgniserregend ist. Die Gefahr besteht natürlich immer, weil Skispringen darauf aufgebaut ist, dass du leicht und spritzig bist."

Quelle: APA

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